Vom Schnupperkurs zum Birdie-Traum: Camilla über Klischees und Golf mit Humor

Golf als Erwachsene anfangen: Camillas Weg vom Schnupperkurs zum ersten Turniersieg Mit 35 Jahren Handicap 47, zwei Birdies auf dem Konto und schon ein Turniersieg in der Damenwertung: Camilla hat erst als Erwachsene mit dem Golfen angefangen. Ihre Platzreife hat sie im Sommer 2024 gemacht. Heute nimmt sie auf Instagram als @birdie.diaries ihre Community mit auf ihre Golf Journey, mit viel Selbstironie und ohne Angst vor vermasselten Schlägen.

In dieser Folge von NextFairway erzählt sie, warum sie das Klischee vom elitären Golfclub fast vom Golf abgehalten hätte und welcher Club ihr den Einstieg leicht gemacht hat. Außerdem geht es darum, wie sie ihre Angst vor fremden Flightpartnern überwunden hat und was Golfclubs ändern müssten, um mehr junge Menschen für den Sport zu begeistern. Für dich heißt das: Golf als Erwachsene anzufangen ist kein Nachteil. Du brauchst aber den passenden Club, etwas Mut auf dem Platz und eine große Portion Gelassenheit.

Der erste Kontakt mit Golf: Schnupperkurs mit gemischten Gefühlen

Camillas Einstieg ins Golfen war sportlich ein Volltreffer, das Umfeld hat aber erst einmal abgeschreckt. Sie hatte vorher keinerlei Berührungspunkte mit Golf, weder in der Familie noch im Freundeskreis. Vor rund vier, fünf Jahren hat sie dann einfach spaßeshalber einen Schnupperkurs gemacht.

Erwartet hatte sie das, was die meisten Nicht-Golfer im Kopf haben: mit einem riesigen Schläger Bälle von der Driving Range schlagen. Schnell hat sie aber gemerkt, dass viel mehr dahintersteckt, und genau das hat sie gereizt.

Weniger begeistert war sie vom Setting. Der Club war wunderschön, aber als Nicht-Mitglied wurde man dort argwöhnisch beäugt. Das passte genau zum Klischee vom elitären Golfsport und hat sie erst einmal ausgebremst. Ganz aufgegeben hat sie den Gedanken an Golf trotzdem nicht. Dafür fand sie den Sport zu spannend.

Der erste Schlag: Bei den anderen sieht es so leicht aus

An ihren ersten Schlag erinnert sich Camilla gut, und das Gefühl kennt wohl jeder Golfer: Der Trainer macht den Schwung einmal vor, und du denkst, das kriegst du sofort hin. In der Praxis schwingst du dann mit voller Kraft am Ball vorbei. Das gilt bis heute. Als sie beim Solheim Cup den Profis zugeschaut hat, dachte sie wieder: „Morgen läuft es genauso.“

Der richtige Golfclub für Einsteiger: Barrierefrei statt verstaubt

Camilla hat gezeigt bekommen, wie viel ein lockerer, offener Club für den Einstieg ausmacht. Für die Platzreife hat sie sich gezielt einen Club gesucht, der anders tickt: Golf City in Köln. Dort waren viele junge Leute, nach dem Training wurde auch mal ein Bier getrunken, und manchmal hat ein DJ aufgelegt.

Camilla nennt den Zugang dort „barrierefrei“. Niemand hat sie komisch angeschaut. Sie musste sich auch keine Gedanken darüber machen, was sie anzieht oder ob sie schon komplett ausgestattet ist. Genau das hat ihr den Einstieg so leicht gemacht.

Thomas kennt die andere Seite auch. In einem früheren Club wurde er wegen einer Kleinigkeit angeraunzt, die ihm gar nicht bewusst war. Wenn du als Einsteiger noch nicht fest im Sport verankert bist, kann so ein Erlebnis reichen, um wieder aufzuhören. Deshalb sein Wunsch an die alteingesessenen Clubs: lockerer werden und mehr auf die Leute zugehen.

Nach der Platzreife: Range, Trainerstunden und die erste Runde

Die Platzreife ist der Anfang, nicht das Ziel. Das ist eine von Camillas wichtigsten Erkenntnissen. Nach dem Kurs war sie zwar sofort „angefixt“, hatte aber großen Respekt davor, auf die Runde zu gehen. Ihre Sorge: zu schlecht zu sein und alle aufzuhalten. Golf ist eben kein gemütlicher Rentnersport, bei dem sich jeder stundenlang Zeit lässt.

Also hat sie lange auf der Range, dem Putting-Grün und in der Chipping Area trainiert und zusätzlich Trainerstunden genommen. Ihre ehrliche Bilanz: Nach der Platzreife weißt du grob, wie du dich auf dem Platz bewegst. Du verstehst aber noch nicht, wie die Bewegung zusammenhängt und was du ändern musst, wenn es nicht klappt. Hier haben ihr die Trainerstunden sehr geholfen.

Irgendwann, schon in der kalten Jahreszeit, ging es dann auf die erste 9-Loch-Runde. Wie bei den meisten waren es viele Schläge und viel Frust. Trotzdem war diese erste Runde wichtig, um die Hemmschwelle zu überwinden.

Was die Faszination Golf ausmacht: Ehrgeiz, Gefühl und Strategie

Camilla ist beim Golf geblieben, weil sie Fortschritte gespürt hat und weil hinter dem Sport viel mehr Taktik steckt als gedacht. Sie beschreibt sich als sehr ehrgeizig. Als die Schläge weiter wurden und sich immer öfter „richtig“ angefühlt haben, war sie gepackt.

Dazu kommt die strategische Seite. Wer eine gute Runde spielen will, darf nicht einen Heldenschlag nach dem anderen versuchen. Du musst den Platz lesen: Hat es viel geregnet oder ist es knochentrocken? Der Ball verhält sich jedes Mal anders. Dass im vermeintlich „langsamen Rentnersport“ so viel steckt, fasziniert sie bis heute.

Steckbrief: Camilla in sechs schnellen Antworten

  • Handicap: 47
  • Trolley oder Cart: Trolley
  • Lieblingsloch: Par 4. Par 5 findet sie spannend, aber dort gehen aktuell noch zu viele Schläge drauf, und oft kippt genau dort eine gute Runde.
  • Solo oder Flight: Am liebsten mit ihrem Partner zu zweit, gerne auch allein zum Ausprobieren und für Content. Fremde Flightpartner haben sie lange gestresst.
  • 19. Loch: Bier
  • Lieblingsschläger: Driver und 7er-Eisen (mehr dazu weiter unten)

Golf bei jedem Wetter: Fernmitgliedschaft, Clubwechsel und Winter-Golf

Camilla ist ausdrücklich keine Schönwettergolferin, und das hat ihr am Anfang geholfen dranzubleiben. Ihren ersten Winter hat sie komplett durchgespielt, auch bei Frost. Ihr Gedanke dabei: Wenn du gerade am Anfang eine lange Pause machst, verlierst du schnell den Anschluss.

Fernmitgliedschaft als Einstieg

Bei der Frage „Greenfee oder Mitgliedschaft?“ hat sich Camilla im ersten Jahr für eine Fernmitgliedschaft entschieden. So konnte sie herausfinden, wie viel sie überhaupt spielt und ob sie dabeibleibt. Sich auf einen festen Platz festzulegen, kam ihr anfangs fremd vor. Sie spielt bis heute gerne auf verschiedenen Plätzen, weil das abwechslungsreich ist und sie viel dabei lernt.

Nach etwa anderthalb Jahren ist sie zum Golfclub Katzberg in Langenfeld gewechselt. Entscheidend waren die Mitglieder und die Kultur des Clubs. Katzberg ist ein 9-Loch-Platz. Für Camilla ist das ein kleines Manko, aber auch praktisch: 18 Löcher musst du zeitlich erst einmal unterbringen.

Tipp: Wenn du gerade vor der Entscheidung zwischen Mitgliedschaft, Fernmitgliedschaft und Greenfee stehst, hilft dir der Club-Check auf nextfairway.de. Er rechnet dir aus, ab wann sich welches Modell lohnt. Aber wie Camilla sagt: Neben den Kosten zählt auch, dass du dich im Club wohlfühlst.

Das erste Golfturnier: Vom Lampenfieber zum Sieg in der Damenwertung

Für Camilla war das erste Turnier der Wendepunkt: Danach war die Angst vor fremden Flightpartnern weg. Im letzten Winter musste Golf hinter Beruf und Masterarbeit zurückstehen. Danach ging es diesen Sommer direkt mit Turnieren los, inzwischen sind es fünf oder sechs.

Vor dem ersten Turnier war sie „fürchterlich aufgeregt“. In der App sah sie, dass ihr Flightpartner Handicap 16 hatte, und ihr erster Gedanke war: „Der Arme.“ Damit sie beim Zählen für ihn nicht durcheinanderkommt, hat sie sich vorher extra einen Schlagzähler gekauft.

Am Ende war es eine super entspannte Runde mit einem sehr netten Mitspieler. Ihr Handicap hat sie dabei nicht verbessert. Der eigentliche Gewinn war aber, dass der Stress verflogen war. Schon in der Woche darauf spielte sie das nächste Turnier und verbesserte sich. Im dritten Turnier gewann sie bei den Frauen, ob Brutto oder Netto, weiß sie selbst nicht mehr genau.

Golfalltag mit Vollzeitjob: Training auf der Range und im Garten

Auch mit einem zeitintensiven Führungsjob spielt Camilla jede Woche. Runden gibt es eher am Wochenende, unter der Woche geht sie auf die Range, wenn es zeitlich passt.

Wenn es nicht reicht, trainiert sie zu Hause:

  • Puttingmatte für das tägliche Putten
  • Schwungübungen im Garten, dafür brauchst du keine Range
  • Leichte Schaumstoffbälle für Chipping-Übungen im Garten

Gerade im Winter, wenn es früh dunkel wird, hilft dieses Heimtraining, im Rhythmus zu bleiben.

Golfschwung verbessern: Was Videoanalyse wirklich bringt

Der größte Fortschritt kam für Camilla aus der Kombination von Trainerstunden mit Videoanalyse und eigenen Aufnahmen für Social Media. Ihr Trainer arbeitet mit Trackman und Video. Zusätzlich filmt sie sich auf der Runde selbst.

Der Grund dafür: Im Schwung denkst du an „93 Dinge“, und was sich gut anfühlt, sieht oft ganz anders aus. In ihren letzten Stunden ging es zum Beispiel darum, dass sie nicht hoch genug ausholt. Auf ihren eigenen Videos sieht sie jetzt, ob sie das Gelernte auch ohne Trainer auf dem Platz umsetzt. Eingeschliffene Fehler erkennst du selbst nicht. Dafür braucht es den Blick von außen, durch den Trainer oder durch die Kamera.

Was Golf fürs Leben lehrt: Geduld und Umgang mit Frust

Golf hat Camilla gezeigt, wo ihre Grenzen liegen und wo sie an sich arbeiten kann. Wie Thomas ist auch sie manchmal ungeduldig, vor allem mit sich selbst. Wenn etwas nicht so klappt, wie sie es sich vorstellt, wird sie innerlich „grummelig“.

Ihre größte Baustelle: Ein total verpatztes Loch 4 soll ihr nicht die nächsten fünf Löcher und damit die ganze Runde verderben. Wenn sie merkt, dass sie in diese Spirale gerät, zieht sie bewusst eine Grenze. Sie gibt offen zu, dass das nicht immer klappt. Ob es gelingt, hängt auch davon ab, mit welchem Kopf sie nach einem langen Arbeitstag auf die Runde geht. Trotzdem hat sie dadurch auch als Erwachsene noch viel über sich selbst gelernt.

Was sich im Golfsport ändern muss: Zugang, Kosten und Social Media

Für Camilla liegt das größte Problem beim Zugang zum Golfsport. Sie sieht vor allem drei Ansatzpunkte.

Offenheit: Nicht jeder Club ist so zugänglich wie Golf City in Köln. In vielen herrscht noch das „Althergebrachte“: Man bleibt unter sich und schaut erst einmal, wer du bist und woher du kommst.

Kosten: Golf ist kein günstiger Sport, egal wie du ihn betreibst. Aufnahmegebühren von 3.000 bis 5.000 Euro plus Jahresbeitrag hält Camilla nicht mehr für zeitgemäß. So holt man keine neuen Leute in den Sport.

Events und Social Media: Gerade für ein jüngeres Publikum könnte man viel mehr rund um den Sport machen. Ihr eigener Club ist auf Social Media noch sehr zurückhaltend.

Thomas ergänzt einen weiteren Punkt: Vielen Neumitgliedern fehlen Mitspieler. Abgesehen von Kursen für Einsteiger tun Clubs wenig, um Menschen miteinander zu vernetzen und an den Club zu binden. Genau deshalb entwickelt er die Spielerbörse auf nextfairway.de. Dort finden Golfer Mitspieler für eine Runde, ein Matchplay oder einen Scramble. Die Spielerbörse ist aktuell noch in der Beta, du kannst sie gerne testen.

Birdie Diaries: Warum Camilla ihre Golf Journey auf Instagram teilt

Camilla zeigt auf Instagram bewusst die Seite, die in der Golf-Bubble oft fehlt: die Perspektive einer Einsteigerin. Viele Golf-Accounts gehören sehr guten Spielern und drehen sich um Tipps und Technik. Dagegen hat sie nichts. Was ihr fehlt, sind Fragen wie: Welchen Schläger nehme ich wofür? Warum darf ich das nach den Regeln nicht? Was beschäftigt mich als Neuling?

Gleichzeitig will sie mit Klischees aufräumen. Die meisten Golfer, die sie kennengelernt hat, haben als Erwachsene angefangen, manche sogar erst mit über 60. Auch Spieler mit Handicap 10 bis 20 vermasseln Schläge. Und eigentlich ist auf dem Platz jeder mit sich selbst beschäftigt, statt über andere zu urteilen.

Content zwischen Plan und Spontaneität

Zum Start hat Camilla eine lange Themenliste angelegt und probiert seitdem aus, was ankommt. Ihre Erfahrung: Lange Reels funktionieren nur mit einem guten Hook. Videos, in denen sie selbst zu sehen ist und spricht, laufen deutlich besser als reine Schlag-Zusammenschnitte.

Besonders gut kam ein Video an, in dem sie versehentlich in eine Runde mit der Mannschaft geraten war. Vor Aufregung hat nichts mehr funktioniert, und sie ist innerlich „gestorben“, obwohl alle sehr nett waren. Später sprach sie ein Mannschaftsspieler an: „Bist du nicht die Influencerin von unserem Golfclub?“ Für Camilla war das der Beweis, wie leicht Social Media Menschen im Club zusammenbringt.

Der Name „Birdie Diaries“ steht für das Ziel, das jeder Golfer hat. Zwei Birdies hat sie bisher geschafft, und nach einem Birdie kann sie sich auch mal kniend auf dem Grün freuen. Ihr Traum: irgendwann zu Events eingeladen zu werden, mit anderen Creatorn zu spielen und neue Plätze kennenzulernen. Schon jetzt ist sie überrascht, wie viele Kontakte entstanden sind, bis hin zur Einladung in diesen Podcast.

Lieblingsschläger: Vom 9er-Eisen zum gefitteten Driver

Camillas Lieblingsschläger hat sich mit ihrem Spiel verändert. Am Anfang war sie überzeugt, ihr Leben lang alles mit dem 9er-Eisen zu spielen. Das war schlicht der Schläger, der am konstantesten funktioniert hat.

Heute sind es der Driver und das 7er-Eisen. Den Driver schlägt sie zum Glück von Anfang an sehr gerade. Lange hat sie trotzdem mit dem 3er-Holz abgeschlagen, was alles andere als einfach war. Für ihren Driver hat sie dann zum ersten Mal ein Fitting gemacht. Ihre Begründung: Ein guter Driver ist eine Investition, die lange halten soll.

Golf im Winter: Trackman, Indoor-Golf und Trainerstunden

Diesen Winter will Camilla gezielter trainieren als bisher. Weil der Platz im Winter schnell matschig wird, verlagert sie mehr Training auf die Range. Sie plant weitere Trainerstunden mit Trackman und will zum ersten Mal die Indoor-Golfanlage ihres Clubs ausprobieren. Ihre genauen Winterziele feilt sie gerade noch aus.

Fazit: „Trau dich und entspann dich, Golf soll Spaß machen“

Camillas Geschichte zeigt: Golf als Erwachsene anzufangen ist ganz normal und kann sehr erfüllend sein. Wichtig sind ein Club, in dem du dich willkommen fühlst, ein paar gute Trainerstunden nach der Platzreife und der Mut, früh auf den Platz zu gehen.

Ihr Rat an ihr Anfänger-Ich ist zugleich der beste Tipp für dich: Trau dich, geh direkt am Anfang auf die Runde und entspann dich. Wer als Erwachsener anfängt, wird kein Profi mehr. Camilla sagt dazu mit einem Augenzwinkern: „Ich werde keinen Solheim Cup mehr spielen in diesem Leben.“ Zu viel Ehrgeiz steht dir nur im Weg. Und wenn eine Runde gar nicht läuft, darfst du auch mal abbrechen.

Golfplätze, die Camilla im Podcast empfiehlt

Alle Plätze aus dieser Folge und viele weitere findest du im Golfplatz-Verzeichnis auf nextfairway.de.

GolfplatzOrtLink
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Golf d’ÉtretatÉtretat (Normandie, Frankreich)Zum Golfplatz →
Golf de Dieppe-PourvilleDieppe (Normandie, Frankreich)Zum Golfplatz →
GolfCity Köln PulheimPulheim bei KölnZum Golfplatz →
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