Ein Draw bezeichnet im Golfsport einen kontrollierten Ballflug, bei dem der Ball eine leichte Kurve von rechts nach links beschreibt – bezogen auf einen Rechtshänder. Bei einem Linkshänder verläuft die Kurve entsprechend von links nach rechts. Entscheidend ist das Wort kontrolliert: Der Draw ist ein bewusst gesetzter, sanfter Bogen – kein unkontrollierter Fehler. Genau das unterscheidet ihn von seinem unerwünschten Bruder, dem Hook.
Entstehung des Draws
Der Draw entsteht durch eine spezifische Kombination aus Schlägerblattstellung und Schwungrichtung beim Aufprall auf den Ball:
- Das Schlägerblatt ist leicht geschlossen zur Schwungbahn – zeigt also etwas nach links
- Die Schwungbahn verläuft von innen nach außen (In-to-Out)
- Dadurch entsteht ein rechtsdrehender Spin (Topspin mit Sidespin), der den Ball nach links zieht
Je stärker diese beiden Faktoren ausgeprägt sind, desto mehr Kurve bekommt der Ball. Ein perfekter Draw ist ein feines Zusammenspiel – zu viel davon wird zum Hook, zu wenig bleibt ein gerader Schlag (Straight Shot).
Warum ist der Draw so beliebt?
Unter Profis und ambitionierten Amateuren gilt der Draw als einer der begehrtesten Ballflüge – und das aus gutem Grund:
1. Mehr Distanz Ein Draw erzeugt einen flacheren Einfallswinkel und läuft nach dem Aufkommen weiter aus. In der Praxis bedeutet das oft 5 bis 15 Meter zusätzliche Distanz gegenüber einem Fade – ein enormer Vorteil, besonders mit dem Driver.
2. Bessere Kurvennutzung Auf Löchern, die von rechts nach links verlaufen (sog. Dog-leg left), ist ein Draw die ideale Linie. Der Ball folgt dem natürlichen Kurvenverlauf des Fairways – mehr Kontrolle, bessere Position.
3. Gefälliges Ballbild Viele erfahrene Golfer empfinden den Draw ästhetisch befriedigender als den Fade. Der Ball steigt kraftvoll, dreht sauber – und landet mit dem typischen Draw-Rollen ans Ziel.
Draw vs. Fade – der große Vergleich
| Merkmal | Draw | Fade |
|---|---|---|
| Ballflugkurve | Rechts → Links | Links → Rechts |
| Spin | Rechtsdrehend | Linksdrehend |
| Distanz | Mehr | Weniger |
| Trajektorie | Flacher, tiefer | Höher, steiler |
| Rollverhalten | Mehr Roll | Weniger Roll |
| Stopwirkung | Geringer | Besser |
| Windverhalten | Gut in Gegenwind | Besser bei Seitenwind |
Draw vs. Hook – wo ist die Grenze?
Der Übergang vom Draw zum Hook ist fließend, aber entscheidend:
- Draw: Kontrolliert, 5–10° Abweichung nach links, landet im geplanten Zielbereich
- Hook: Unkontrolliert, starke Linkskurve, oft mit zu viel Spin – endet häufig im Rough oder Aus
Ein Hook entsteht meist durch ein zu stark geschlossenes Schlägerblatt oder eine übertrieben ausgedrehte Schwungbahn. Wer einen Draw trainiert, muss genau diesen Grat im Auge behalten.
Wie trainiert man einen Draw?
Schritt 1 – Ausrichtung anpassen Stelle dich leicht nach rechts von deiner eigentlichen Ziellinie aus (Schultern, Hüfte, Füße) – das fördert die In-to-Out-Schwungbahn.
Schritt 2 – Griff anpassen Ein etwas stärkerer Griff (Hände leicht nach rechts gedreht) hilft, das Blatt beim Auftreff geschlossen zu halten.
Schritt 3 – Schlägerblatt auf das Ziel Trotz geschlossener Körperausrichtung zeigt das Blatt dennoch auf die tatsächliche Ziellinie – nicht auf die Körperachse. Dieser Unterschied ist der Schlüssel.
Schritt 4 – Den Innen-nach-außen-Schwung fühlen Eine hilfreiche Übung: Stelle einen zweiten Ball oder ein Hilfsmittel außerhalb des Balls auf (auf Höhe der Schlägerkopfspitze) und schwinge so, dass der Schläger diesen Hindernisball nicht trifft – das zwingt den Schwung nach innen.
Viele der erfolgreichsten Golfer der Geschichte hatten oder haben einen ausgeprägten Draw als Waffe: Tiger Woods in seiner Hochphase, Dustin Johnson, Rory McIlroy – sie alle nutzten die Distanzvorteile des Draws, insbesondere vom Tee. Gleichzeitig betonen viele Coaches: Ein konsistenter Fade ist einem inkonsistenten Draw jederzeit vorzuziehen. Die Kontrolle geht vor.
Fazit
Der Draw ist mehr als ein schöner Ballflug – er ist ein taktisches Werkzeug, das Distanz, Kurvenstrategie und Spielfreude vereint. Wer ihn beherrscht, hat auf vielen Plätzen einen echten Vorteil. Wer ihn unkontrolliert produziert, kämpft ständig gegen den Hook. Das Ziel ist wie immer im Golf: Kontrolle über Spektakel – aber wenn beides zusammenkommt, gibt es kaum etwas Schöneres auf dem Fairway.
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