Über 15 Jahre Profihandball, ausverkaufte Hallen, Abstiegskampf in der letzten Sekunde – Konstantin Madert kennt Druck wie kaum ein anderer. Doch dann stellt er sich mit drei Zuschauern im Rücken an die T-Box und erlebt eine Nervosität, die er aus keiner Halle der Welt kennt.
In dieser Podcast-Episode erzählt der Handballtorwart und Golf-Content-Creator, wie er zum Golf kam, warum seine mentalen Tools aus dem Profisport auf dem Platz plötzlich versagen und wie er mit erstaunlich strukturiertem Training in Richtung Single-Handicap marschiert. Dazu spricht er über seine große Mission: zu zeigen, wie cool Golf wirklich ist. Eine Episode über Druck, Demut und die Lust am Spiel – die garantiert Lust macht, selbst die Schläger zu packen.
Wie ein Handballprofi den Golfsport für sich entdeckte
Konstantin Madert, von vielen nur Kosta genannt, steht seit seinem 13. Lebensjahr im Handballtor. 24 Jahre Profisport, sechs bis sieben Trainingseinheiten pro Woche, heute spielt der 37-Jährige in der dritten Liga in der Nähe von Oldenburg. Dass ausgerechnet er beim Golf landet, verdankt er zwei Menschen: seinem Trainer Daniel Kubasch, einem passionierten Golfer mit Single-Handicap, der regelmäßig mit Titleist-Cap zum Training erschien – und seiner Mutter, die ihm einen Platzreife-Gutschein schenkte. 2020 löste Kosta diesen in Bad Griesbach ein, absolvierte eine Intensiv-Platzreife mit Eins-zu-eins-Training und war sofort infiziert.
Was ihn am Golf packte, ist ausgerechnet das, was seinem bisherigen Sportlerleben komplett widerspricht: die Ruhe, das Für-sich-Sein, die volle Eigenverantwortung. Im Handball lässt sich eine Niederlage auf das Team, den Gegner oder die Umstände schieben. Beim Golf gibt es diese Ausrede nicht. Nur du, dein Kopf und dein Schläger – so bringt es Kosta im Gespräch auf den Punkt.
Druck auf der T-Box: Warum 5.000 Zuschauer leichter sind als drei
Einer der spannendsten Momente der Episode ist Kostas Vergleich der Drucksituationen. Vor 5.000 Zuschauern in der Halle zu stehen, ausgepfiffen zu werden, in der letzten Sekunde die Klasse zu halten – all das kann er abrufen, das Programm läuft automatisch ab. Doch sobald drei Leute hinter ihm an der T-Box stehen, ist alles anders. Golf erzeugt für ihn eine Druckvariation, die er in seiner gesamten Profikarriere so nicht erlebt hat.
Das Verrückte daran: Kosta kennt sämtliche mentalen Werkzeuge aus dem Leistungssport. Boxatmung, Affirmationen, Framing – im Handball gehören sie zu seinem Alltag. Auf dem Golfplatz aber findet er die Momente nicht, in denen er sie einsetzen könnte. Erst Gespräche mit Mental-Coach Luisa und Tipps von Spielpartnern öffneten ihm die Augen: Der Weg vom Grün der Eins zum Abschlag der Zwei kann der richtige Ort für eine Affirmation sein, das Verlassen der T-Box ein bewusster Schnitt, der den Stress hinter sich lässt. Eine wertvolle Erkenntnis für jeden Golfer, der die Diskrepanz zwischen Driving Range und Platz kennt.
Golftraining mit System: Drei Coaches und ein klarer Plan
Wer glaubt, ein Profisportler spiele einfach drauflos, irrt gewaltig. Kosta trainiert sein Golfspiel mit derselben Arbeitsethik, die ihn durch zwei Jahrzehnte Profihandball getragen hat. Drei Trainer begleiten ihn dabei: Markus Bruns für das kurze Spiel, Noah Knob für das Putten und Kimberly Sommer für den gesamten Rest. In einem Notizbuch hält er fest, an welchen Baustellen er arbeiten muss.
Sein Training folgt einem klaren Muster: Beim Putten arbeitet er drei bis fünf Übungen in kompakten 20 bis 25 Minuten ab, beim Chippen spielt er nach kurzer Aufwärmphase gezielt Fünferpäckchen auf konkrete Ziele und bewertet jeden Ball direkt. Bei den langen Schlägen kombiniert er Technikarbeit am Takeaway mit Anwendungstraining: Ein Radar misst seine Schläge, zufällig ausgeworfene Distanzen muss er mit maximal drei Bällen anspielen. Dieses bewusste, zielorientierte Üben unterscheidet ihn von vielen Amateuren, die auf der Driving Range einfach nur Bälle schlagen – und erklärt seine bemerkenswerte Handicap-Entwicklung.
Die Handicap-Journey in Richtung Single-Handicap
Kostas Weg begann mit der Platzreife und einem Handicap von 51. Lange Zeit stagnierte er bei 30, auch weil ihm frühe Turniererfahrungen die Lust nahmen – ein älterer Mitspieler, der ihm über 18 Löcher ungefragt den Golfsport erklärte, wirkt bis heute nach. Doch zuletzt nahm die Entwicklung Fahrt auf: Mit Handicap 21 startete er ins vergangene Jahr, mit 14 ging er heraus. Sein realistisches Spielniveau schätzt er inzwischen zwischen 8,5 und 10 ein. In diesem Jahr will er gezielt Turniere angreifen – das Single-Handicap ist das erklärte Ziel.
Wie groß der Abstand zur Weltspitze dennoch bleibt, erlebte er bei einer Runde mit Tour-Profi Anton Albers auf dem noch unfertigen Platz Green Eagle West: kein Birdiebook, keine Yardages – und ein Profi, der trotzdem auf fünf Meter genau sagen kann, wohin er spielt. Eine andere Sportart, wie Kosta es nennt.
Mission Golf-Content: Zeigen, wie cool dieser Sport ist
Parallel zur eigenen Golf-Journey hat sich Kosta eine zweite Karriere aufgebaut: als Golf-Content-Creator. Was mit einem einzelnen Post vom Golfplatz begann, ist heute ein hundertprozentiger Golf-Account – und mittlerweile ein relevantes Stück seines Einkommens. Seine Mission formuliert er dabei klar: zeigen, wie cool Golf wirklich ist. Die Wurzeln des Sports, Etikette und Tradition dürfen bleiben. Aber das verstaubte Korsett drumherum möchte er aufbrechen.
Konkret stört ihn vieles, was gerade Einsteigern das Leben schwer macht: die Platzreife als kostenpflichtige Prüfung, Dresscode-Diskussionen auf der Driving Range, Greenfee-Aufschläge für VCG-Spieler. Sein Appell an die Golfwelt: offener werden, Anfängern mit Verständnis statt Belehrung begegnen – denn alle haben einmal angefangen. Mit einer Videoreihe in Kooperation mit der VCG will er zudem deutsche Golfplätze modern und nahbar präsentieren. Und auch unternehmerisch ist er aktiv: Mit dem 18 Under Golf Club vertreibt er hochwertig designte Pitchgabeln und Ballmarker. Dass sein Putter pink ist – seine Tochter durfte die Farbe aussuchen – passt da nur ins Bild: Golf darf Spaß machen, Provokation inklusive.
Fazit: Eine Episode über Druck, Struktur und Spielfreude
Das Gespräch mit Konstantin Madert zeigt eindrucksvoll, dass es nicht den einen Weg zum guten Handicap gibt – aber dass Struktur, Demut und Spielfreude eine ziemlich gute Kombination sind. Ein Profisportler, der beim Golf noch einmal bei null anfängt, mentale Gewissheiten über Bord werfen muss und gerade daraus seine Faszination zieht: Das macht diese Episode für Golfer aller Spielstärken hörenswert. Sein wichtigster Rat an alle Anfänger bringt es am Ende auf den Punkt: Alle haben einmal angefangen, niemandem muss etwas peinlich sein – habt einfach Spaß, denn Golf macht Spaß. Die komplette Episode mit Konstantin Madert gibt es jetzt überall, wo es Podcasts gibt. Reinhören lohnt sich.

