40 Prozent aller Schläge einer Golfrunde sind Putts, also solltest du entsprechend viel Putten trainieren. Diese Faustregel stimmt rechnerisch, führt als Trainingsrat aber oft in die falsche Richtung. Denn wer das Grün gar nicht erst regulär erreicht, verliert Schläge, die kein Putt der Welt zurückholt. In diesem Beitrag erfährst du, warum das so ist, wie du auf der Scorecard herausfindest, wo dein Score wirklich verloren geht, und wie ein sinnvolles Training für Putts, Eisen und Wedges aussieht.
Die 40%-Regel beim Golf: rechnerisch richtig, im Training trügerisch
Die Zahl stimmt, die Schlussfolgerung daraus nicht unbedingt. Ein Spieler, der eine 72er-Runde spielt, braucht typischerweise rund 29 bis 31 Putts. Das sind etwa 40 Prozent aller Schläge, und genau deshalb hält sich der Satz seit Jahrzehnten so hartnäckig.
Richtig ist auch: Amateure trainieren das Putten in der Regel zu wenig. Man muss diese Wahrheit aber anders einordnen. Bei Tourspielern sind das lange Spiel und die Annäherung weitaus relevanter, Putts machen nur einen kleinen Anteil aus, auch wenn der Putter am Ende Turniere entscheiden kann. Bei Amateuren ist der Effekt noch deutlicher, weil viel mehr Grüns verfehlt werden. Wer vier statt zehn Grüns trifft, spielt sechs Löcher mit einem Rettungsschlag mehr. Und diesen Schlag holt kein Putt zurück.
Scorecard-Analyse: So findest du heraus, wo dein Score verloren geht
Bevor du dein Training ausrichtest, solltest du wissen, wo deine Schläge tatsächlich verloren gehen. Ein Tipp, den mir mein Pro mitgegeben hat: Vermerke bei jedem Loch auf deiner Scorecard, woran es gelegen hat. Wie viele Schläge bis zum Grün waren zu viel und nicht mehr zu retten? Oder lag es wirklich an zu vielen Putts?
Ich arbeite dabei mit einfachen Kürzeln: D für Driver, E für Eisen, P für Putts. Das kannst du noch weiter differenzieren, etwa nach kurzem und langem Spiel oder nach Wedge und anderen Eisen. Schon die Einteilung in diese drei groben Bereiche zeigt dir aber, woran du als Amateur mit begrenzter Trainingszeit gezielt arbeiten solltest. Denn es ist nicht immer der Putter.
Eine zweite Variante: Notiere auf einer Runde einmal nicht die Anzahl der Putts, sondern aus welcher Entfernung der Schlag kam, der das Grün verfehlt hat. So siehst du, wie oft du in deiner Komfortzone warst und wie oft nicht.
Warum sich der verschobene Putt so viel schlimmer anfühlt
Fehlputts bleiben stärker im Gedächtnis als schwache Eisenschläge, obwohl sie oft weniger kosten. Der verschobene Putt ist der sichtbarste Fehler auf der Runde. Ein Drei-Putt, ein gepullter oder gepushter Putt, das merkst du dir.
Ein mittelmäßiges Eisen aus 140 Metern fühlt sich dagegen harmlos an. Vielleicht ist es getoppt und fliegt 20 Meter kürzer als normal, aber du bist ja noch im Spiel und hast den nächsten Schlag. Ob dir genau diese 20 oder 30 Meter am Ende für ein Par mit zwei Putts gefehlt haben, hinterfragst du selten. Genau diese Wahrnehmungsverzerrung macht die 40%-Regel so verführerisch.
Putten trainieren mit System: Distanzkontrolle vor Richtung
Beim Putten entstehen Drei-Putts in der Regel aus Distanzfehlern, nicht aus Richtungsfehlern. Deshalb lautet einer der wichtigsten Tipps: Statt 20 Putts aus 2 Metern lieber 20 Putts aus 9 Metern üben. Ich sehe in meinem Club ständig, dass viele vor allem kurze Putts trainieren. Sinnvoller ist es, erst die Distanzkontrolle in den Griff zu bekommen und danach die Richtung.
Dazu gehört auch ein anderes Verständnis von einem guten langen Putt. Er muss nicht immer die Chance haben zu fallen. Als Amateur ist die Wahrscheinlichkeit, einen langen Putt zu lochen, ohnehin sehr gering. Ziel ist es, einen Korridor zu erreichen, aus dem der nächste Putt sicher ist. Beim kurzen Putt ist dagegen die Richtung entscheidend.
Das Prinzip „Distanz vor Richtung“ gilt übrigens auch für deine Eisen. Du solltest wissen, wie weit du mit welchem Eisen schlägst, und zwar nicht bei einem von zehn Schlägen, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit. Erst dann lohnt es sich, an der Richtung zu justieren.
Bewusstes Wedge-Training statt Bälle kloppen
Auch bei den Wedges geht es um reproduzierbare Längen, nicht um drei Wedges ohne Plan. Ob Gap-Wedge, Sand-Wedge und Lob-Wedge oder nur zwei Wedges plus Pitching-Wedge, je nachdem, was in deinem Bag steckt: Trainiere so, dass du deine Distanzen verlässlich kennst.
Das passt zu einem Thema, das ich mit Patrick Limbecker immer wieder besprochen habe: Es kommt nicht darauf an, auf der Driving Range Bälle en masse zu schlagen, sondern bewusst zu trainieren. Reflektiere, was falsch war, wie der Schwung aussah und wie er aussehen sollte. Filme dich dabei, beim vollen Schlag genauso wie beim Putten. So erkennst du, ob deine Bewegung bei jedem Putt gleich ist oder ob du beim Ausholen und in der Grundgeschwindigkeit schwankst.
Mein nächster Schritt: Neunlochrunden nur mit Eisen
Um Course Management bewusster zu trainieren, werde ich demnächst eine oder mehrere Neunlochrunden nur mit Eisen spielen. Die Frage dahinter: Wie komme ich zum Beispiel auf einem Par 5 mit 450 Metern zurecht, wenn mein längster Schläger das Eisen 5 ist, das ich bei trockenem Platz um die 160 Meter schlage? Und wie entwickelt sich mein Score im Vergleich zu Runden, auf denen ich mit dem Driver im linken Rough lande und nicht richtig herauskomme?
Gerade für meine ersten Turniere ist das relevant. Bei den beiden Turnieren, die ich bisher mitgespielt habe, einmal im Club und einmal das Einladungsturnier, war eine ganz andere Nervosität im Spiel. Da hilft es, auf die Schläger zurückzugreifen, mit denen ich mich wohler fühle.
Fazit: Trainiere dort, wo du deine Schläge wirklich verlierst
Die 40%-Regel ist rechnerisch korrekt, sagt aber wenig darüber aus, wo du als Amateur deine Schläge verlierst. Wer Grüns verfehlt, verliert Schläge, die der Putter nicht zurückholt. Dein nächster Schritt: Analysiere deine nächste Runde mit den Kürzeln D, E und P, notiere die Entfernungen deiner verfehlten Grüns und richte dein Training danach aus. Und wenn du puttest, dann lieber aus 9 Metern als aus 2.
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