Warum diese eine Technik alles im Golf entscheidet | Gespräch mit Patrick Limbecker

19. Juni 2026

Es gibt diesen einen Tipp, den fast jeder Golfer schon einmal gehört hat – und den trotzdem kaum jemand wirklich umsetzt. In der zweiten NextFairway-Episode mit Patrick Limbecker (Vorherige Episode mit Patrick jetzt anhören), Leiter der Golfschule am Jakobsberg, geht es genau um diese eine Sache: die wichtigste Bewegung, die jeder Golfer beherrschen muss, um den Ball wiederholbar sauber zu treffen. Schon in der ersten Folge hatte Patrick angeteasert, dass es da noch einen entscheidenden Aspekt rund um die Technik gibt. In diesem Gespräch löst er das Versprechen ein – und räumt dabei gleich mit einigen der hartnäckigsten Golf-Mythen auf. Wer regelmäßig auf der Range steht, aber das Gefühl hat, dass sich die Treffer einfach nicht stabilisieren wollen, bekommt hier einen roten Faden, der vom Setup bis zum hohen Finish reicht.

Warum der Golfschwung kontraintuitiv ist

Die vielleicht unbequemste Wahrheit gleich zu Beginn: Der Golfschwung widerspricht unserem natürlichen Bewegungsgefühl. Wer mit 30, 40 oder 50 Jahren mit dem Golfen beginnt, trägt ein klares Bild im Kopf, wie ein Ball zum Fliegen gebracht wird. Beim Werfen bewegt sich die Hand nach oben, beim Tennis der Schläger, beim Fußball der Fuß immer in Richtung Himmel. Beim Golf ist es genau umgekehrt. Der Ball fliegt, weil er von der Schlagfläche abprallt, und getroffen wird er in einer Abwärtsbewegung.

Genau dieser Widerspruch führt dazu, dass nahezu alle Anfänger dieselben Fehlschläge produzieren. Sie versuchen instinktiv, den Ball in die Luft zu heben – und sind damit von Anfang an auf dem Holzweg. Das berühmte „Chicken Wing” im Durchschwung ist laut Patrick nichts anderes als die Folge dieses falschen Treff-Gedankens. Das bedeutet nicht, dass man so kein Golf spielen kann. Aber Wiederholbarkeit und vor allem Länge werden damit extrem schwer. Wer den Ball dagegen kontrolliert nach unten trifft, legt das Fundament für stabile Schläge.

Die wichtigste Bewegung: Körperrotation

Wenn es eine einzige Bewegung gibt, die jeder Golfer von Anfang an lernen sollte, dann ist es die Körperrotation. Sie ist die Basis für alles, was danach kommt – und gleichzeitig genau der Punkt, an dem 90 bis 95 Prozent aller Spieler scheitern.

Der Körper ist der Motor

Patrick nutzt ein einprägsames Bild, um das Zusammenspiel im Schwung zu erklären. Der Körper ist der Motor, die Arme sind das Getriebe und die Handgelenke samt Streckung der Arme sind so etwas wie der Turbolader. Für wiederholbare Treffer braucht es zuerst eine saubere Körperarbeit. Die Arme und Hände kommen erst ins Spiel, wenn es darum geht, dem Ball wirklich Länge zu geben. Wer also – wie viele Anfänger – versucht, Geschwindigkeit und Weite allein über die Arme zu erzeugen, verliert die Rotation und damit die Kontrolle über den Treffmoment.

Woraus sich 90 Grad Schulterdrehung zusammensetzen

Oft heißt es pauschal, man müsse die Schultern auf 90 Grad drehen. Doch diese 90 Grad entstehen nicht allein aus den Schultern, sondern aus drei Bewegungsanteilen. Rund 25 Grad kommen aus den Beinen und der daran hängenden Hüfte, die durch die Vorneigung im Setup leicht mitrotieren darf. Etwa 45 Grad entstehen aus der Wirbelsäule, die genau für diese Verwringung gebaut ist. Die letzten rund 20 Grad liefern tatsächlich die Schultern über ein Verschieben der Schulterblätter. Körperrotation ist also immer das Zusammenspiel aus Beinen, Rumpf und Schultern – und dieses Verständnis ist der erste Schritt zu einem wiederholbaren Schwung.

Das Setup als Fundament für jeden guten Treffer

Bevor überhaupt eine Bewegung startet, entscheidet die Ausgangsposition über Erfolg oder Frust. Patrick wird hier deutlich: Das A und O ist eine athletische Grundhaltung. Die Brust kommt raus, der Rücken bleibt gerade, und die Vorneigung des Oberkörpers entsteht nicht aus einem krummen Rücken, sondern aus dem Becken. Golf wird so sogar zu einer guten Rückenschule, allerdings nur, wenn man es richtig macht.

Wer sich dagegen wie ein nasser Sack über den Ball beugt, kann sich gar nicht sauber verdrehen. Dann bleiben nur zwei schlechte Optionen: Entweder richtet sich der Körper während des Schwungs auf und der Kopf wandert unkontrolliert durch die Gegend, oder man kippt seitlich weg und drückt die Bandscheiben platt. Beides ist nicht nur ineffektiv, sondern auch ungesund. Ein stabiles, athletisches Setup ist deshalb die Voraussetzung dafür, dass die ohnehin komplexe Schwungbewegung überhaupt natürlich ablaufen kann.

Die 9-3-Uhr-Methode: Reine Rotation mit langen Armen

Um das Gefühl für die Körperrotation isoliert zu trainieren, empfiehlt Patrick eine einfache, aber wirkungsvolle Übung. Aus dem stabilen Setup heraus bewegt man die Arme – an der Brust fixiert und möglichst lang – ausschließlich über die Körperdrehung nach rechts und links. Mehr als ein Schwung von der 9-Uhr- zur 3-Uhr-Position entsteht dabei nicht, denn ab diesem Punkt müsste man zusätzliche Bewegung aus den Armen zulassen.

Entscheidend ist, dass die Arme sowohl im Ausholen als auch in der Endposition gerade bleiben. Sobald sie sich auch nur minimal beugen, waren die Armgelenke im Spiel. Wer wirklich nur aus der Rotation arbeitet, erlebt schnell, dass eine rhythmische, kontrollierte Bewegung entsteht – ganz ohne hektische Schnellkraft. Und weil der Oberkörper rund 30 Grad nach vorne geneigt ist, trifft der Schläger beim reinen Rotieren ganz automatisch den Boden. Genau das ist der Lerneffekt: sauberer Ball-Boden-Kontakt allein aus der Drehung.

Der Mythos vom gestreckten linken Arm

Kaum ein Ratschlag hält sich so hartnäckig wie „halte den linken Arm gestreckt”. Patrick widerspricht hier deutlich – mit einer wichtigen Einschränkung. Der linke Arm soll im Treffmoment gestreckt sein, und genau dann auch nur dann. Ihn dagegen schon in der Ansprechposition oder im Ausholen aktiv durchzustrecken, bezeichnet er als den Tod für den Golfschwung.

Der Grund liegt in der Anatomie. Wer den Arm aktiv durchstreckt, schiebt das Schultergelenk nach vorne und verliert die Verbindung zur wichtigen Schultermuskulatur rund um das linke Schulterblatt – genau jener Muskulatur, die für die Länge sorgt. Ein einfacher Selbsttest macht das spürbar: Hält man eine volle Wasserflasche mit komplett durchgestrecktem Arm vor dem Körper, ermüdet man schnell. Nimmt man die Schulter dagegen aktiv nach hinten unten und lässt eine minimale Beugung im Arm zu, steht plötzlich deutlich mehr Kraft zur Verfügung. Im letzten Teil der Ausholbewegung wollen wir genau diese Muskulatur laden. Das funktioniert nur mit langen, aber nicht aktiv überstreckten Armen.

Der scheinbar überstreckte Arm der Tour-Profis täuscht übrigens. Er ist nicht aktiv durchgedrückt, sondern durch die Übergangsbewegung vom Ausholen zurück zum Ball in maximale Vorspannung gebracht. Bänder und Sehnen sind voll aufgespannt – und genau das lässt den Arm im Abschwung optisch gestreckt wirken.

Vom Körper zur Länge: Beugen und Strecken der Arme

Mit reiner Körperrotation lassen sich Bälle realistisch nur 15 bis 20 Meter weit spielen. Erst wenn dieser Schritt sitzt, kommt die nächste Bewegung dazu: das Beugen und Strecken der Arme. Im Ausholen wird der Schläger aus den Händen nach oben hinten gehoben, wodurch der rechte Arm beugt. Beim Zurückdrehen werden die Arme dann aktiv nach unten zum Ball und zum Boden gestreckt – nicht zum Ziel.

Das ist der entscheidende Punkt. Der Durchschwung in Richtung Ziel entsteht nicht, weil die Arme dorthin gehen, sondern weil der Körper dorthin dreht. Schon mit 30 bis 40 Prozent Tempo lässt sich erleben, wie der Ball plötzlich drei- bis viermal so weit fliegt. Denn das Tempo kommt aus Armen und Händen, während der Körper die leitende und führende Bewegung übernimmt, damit dieser Streckimpuls im richtigen Moment stattfindet. Auch das berühmte lange Finish der Profis, bei dem sich die Arme vom Körper lösen, ist kein bewusstes Loslassen, sondern das Ergebnis von Fliehkräften und Massenträgheit.

Was beim Driver anders ist

Beim Driver wird der Ball nicht in der Abwärts-, sondern in der Aufwärtsbewegung getroffen. Trotzdem sind es dieselben Grundbewegungen wie beim Eisen. Der Unterschied entsteht über die Ansprechposition. Weil der Ball weiter links liegt und der Oberkörper im Verhältnis zum Unterkörper leicht nach rechts gekippt ist, führt dieselbe Streckbewegung der Arme nicht mehr zum Boden, sondern nach vorne – und trifft den Ball auf dem Tee in der Aufwärtsbewegung.

Damit verbunden ist gleich der nächste Mythos: „Kopf unten lassen” funktioniert nicht. Da wir die Wirbelsäule fair drehen und die Beine mitrotieren, bewegt sich der Kopf im Ausholen leicht nach rechts – bei den Eisen etwa eine halbe Kopfbreite, beim Driver sogar rund eine ganze. Wer den Kopf krampfhaft über dem Ball halten will, blockiert die saubere Körperrotation und bringt das gesamte System zum Einsturz. Den Driver als Übungsschläger für die reine Rotation empfiehlt Patrick allerdings nicht. Sobald man ihn in die Hand nimmt, kommt der Drang nach Länge – und damit kippt die ruhige Drehung schnell wieder in ein Schlagen aus den Armen.

Das kurze Spiel und der Wedge als idealer Lehrmeister

Wer die Bewegung sauber lernen will, beginnt am besten mit dem Wedge oder einem Eisen 9. Das hat gleich mehrere Gründe. Kürzere Schläger sind steiler gebaut, bleiben länger am Boden und machen den Treffmoment dadurch einfacher. Vor allem aber sorgt der schmale Stand mit nahezu zentraler Ballposition dafür, dass die seitliche Neigung des Oberkörpers fast wegfällt. Die Drehbewegung wird dadurch viel natürlicher.

Genau deshalb stehen auch die Profis im kurzen Spiel mit auffällig schmalem Stand am Ball. Die Verdrehung der Brustwirbelsäule ist die Basis für wiederholbare, einfache Treffer – ein Prinzip, das selbst auf der Tour gilt. Wer mit langsamem Tempo übt, sollte allerdings beachten, dass mit einem Hybrid oder einem langen Eisen kaum ein vernünftiger Ballflug entsteht. Der Pitching Wedge ist hier der deutlich dankbarere Lehrmeister.

Griff und Handgelenke: Warum sich das richtige Setup unbequem anfühlt

Ein weiterer Schlüssel liegt in der Positionierung der Hände. Der Griff der linken Hand fühlt sich anfangs bewusst nicht natürlich an – und das ist gewollt. Damit das Handgelenk den Schläger im Ausholen nach oben winkeln kann, muss die Hand zunächst leicht nach unten vorgestreckt am Griff liegen. Diese zunächst unbequeme Position löst sich im Schwung auf und ermöglicht erst den großen, kraftvollen Winkel.

Die rechte Hand arbeitet dagegen nicht nach oben und unten, sondern nach hinten und vorne, ähnlich der Bewegung einer Ohrfeige. Über das Beugen der rechten Hand beugt automatisch auch der rechte Arm, weil beide Hände miteinander verbunden sind. Wichtig zu wissen: Das Schließen der Schlagfläche im Treffmoment lässt sich nicht bewusst steuern – dafür ist der Treffmoment zu schnell und unser Nervensystem zu langsam. Dass der Schläger im richtigen Augenblick wieder schließt, ergibt sich aus Griffhaltung, Armpositionierung, dem natürlichen Winkeln und dem freien Strecken der Arme zum Boden. Alles hängt miteinander zusammen.

Sinnvoll trainieren: Geduld ist das eigentliche Erfolgsgeheimnis

So logisch die Theorie klingt, so anspruchsvoll ist die Umsetzung. Patrick empfiehlt deshalb, immer vom Langsamen zum Schnellen und vom Kleinen zum Großen zu arbeiten. Statt 100 Bälle pro Minute zu schlagen, geht es um bewusstes Training in kleinen Etappen. Eine bewährte Methode: sieben Bälle schlagen, dabei jeweils die Endposition erreichen und halten, den Ballkontakt bewusst wahrnehmen und prüfen, ob die Position so aussieht wie vorgestellt. Gelingt das mehr als vier von sieben Mal, folgt der nächste Schritt.

Der vielleicht wichtigste Rat aber ist, nicht alles auf einmal lernen zu wollen. Körperrotation, Setup, Beugen und Strecken, Griff – wer all das in eine einzige zweistündige Einheit packt, scheitert garantiert. Patrick zitiert einen bekannten deutschen Golf-Pro, der ihm einst sagte, man müsse nicht alles an einem Tag lernen. Aber wer jeden Tag eine Sache lernt, wird irgendwann richtig gut.

Fazit

Die zweite Folge mit Patrick Limbecker macht eines klar: Es gibt nicht den einen Geheimtrick, aber es gibt eine klare Hierarchie. Am Anfang steht immer ein stabiles, athletisches Setup. Darauf folgt die saubere Körperrotation als Motor des gesamten Schwungs. Erst danach kommen das bewusste Beugen und Strecken der Arme, die für Länge sorgen. Wer diese Reihenfolge respektiert, gängige Mythen wie den durchgestreckten linken Arm oder den fixierten Kopf hinter sich lässt und geduldig in kleinen Schritten trainiert, kommt dem Ziel jeder Golf-Journey ein gutes Stück näher: einem wiederholbaren Schwung, der auch unter Druck trägt. Die ehrliche Erkenntnis zum Schluss bleibt, dass perfekte Gleichmäßigkeit selbst Profis nicht gelingt – aber genau in diesem realistischen, umsetzbaren Anspruch liegt der eigentliche Wert dieser Episode.

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