Manche Golf-Journeys beginnen mit Corona, andere über Kollegen. Sebastian Auer, vielen von euch als Golf Life Austria bekannt, erzählt in der aktuellen NextFairway-Folge eine ganz andere Geschichte. Seine begann mit 14 Jahren bei einem Schulsporttag und wurde erst zwei Jahrzehnte später durch einen spontanen Schnuppertag mit seinem Chef wieder wach. Wie aus diesem Moment eine Leidenschaft wurde, die heute ein Handicap von 8,3, rund 25 Turniere im Jahr und einen eigenen Golf-Content-Kanal umfasst, erfährst du in diesem Beitrag.
Vom Schulsporttag zum Golf-Fieber
Sebastian hat schon mit 14 oder 15 Jahren bei einem Schulsporttag in der Realschule das erste Mal einen Golfschläger in der Hand gehalten. Fußball war nichts für ihn, Tennis wollte er auch nicht, also ging er mit einer Gruppe zum Golfen und wusste schon damals, dass er das irgendwann wieder machen wollte. Zwanzig Jahre später saß er mit seinem Chef vor den Sommerferien zusammen, der am nächsten Tag auf den Golfplatz fahren wollte. Aus dem klassischen Samstag mit Schnuppern und Schnitzel wurde für Sebastian Feuer und Flamme. Zwei Wochen später probierte auch seine Frau das Golfspiel aus, und beide verfielen dem Golffieber. Ende 2018 begann Sebastian offiziell mit der Platzerlaubnis, 2019 folgte die Platzreife, fast zeitgleich mit dem Start seines Instagram-Accounts im Juli 2019.
Turniergolf als Ehepaar-Projekt
Sebastian und seine Frau betreiben Golf von Anfang an sehr ambitioniert. Beide sind Musikschullehrer und haben schon zügig angefangen, Turniere zu spielen, was sie bis heute regelmäßig tun. Von Beginn an haben sie mit einem Trainer zusammengearbeitet, geprägt durch ihren musikalischen Hintergrund, in dem eine Ausbildung immer von einem Lehrer begleitet wird. Pro Saison kommen Sebastian und seine Frau auf etwa 20 bis 25 Turniere oder Turnierrunden, darunter auch mehrtägige Landesmeisterschaften und Ranglistenturniere. Weil Sebastians Arbeitstag als Musikschullehrer erst nachmittags beginnt, hat er vormittags Zeit für den Platz. Aktuell kommt er auf zwei bis drei Runden pro Woche, dazu Range-Einheiten und in letzter Zeit vor allem Zeit auf dem Putting Grün.
Wie Sebastian sein Handicap auf 8,3 brachte
Sebastians Handicap liegt aktuell bei etwa 8,3 bis 8,4. Ein konkretes Handicap-Ziel für die Saison hat er bewusst nicht, stattdessen arbeitet er daran, seine schlechten Schläge besser zu machen, weil das Handicap automatisch mitzieht. Über den Winter hat er gemeinsam mit seinem Pro intensiv daran gearbeitet, den Ball regelmäßiger in eine Richtung zu verlieren. Wenn er weiß, dass der Ball praktisch nie nach links, sondern höchstens nach rechts geht, wird das Spiel deutlich einfacher kalkulierbar. Seine neu entdeckte Leidenschaft gilt dem Putting Grün, weil er dort die meisten Schläge verliert. Nach Jahren ohne gezielte Puttingstunde hat er sich kürzlich wieder Feedback von außen geholt, auch wenn er betont, dass Putten der individuellste Bereich im Golfsport ist. Trainiert wird unregelmäßig, ungefähr einmal im Monat beim Pro, im Sommer etwas häufiger als im Winter. Sein Lieblingsschläger im Bag ist das Dreierhybrid, seit dem Fitting sein verlässlichstes Werkzeug, wenn er vom Abschlag aus einer engen Situation etwa 200 Meter überbrücken muss.
Vom Zigarren-Kanal zum reinen Golf-Content
Bevor Sebastian sich ganz auf Golf konzentrierte, hieß sein Instagram-Kanal noch Cigars & Golf. Neben Golf postete er dort auch Zigarren, dazu etwas Essen und Lifestyle. Vor etwa zwei bis zweieinhalb Jahren entschied er sich, den Kanal komplett auf Golf zu fokussieren, weil ihm dieser Bereich als Content Creator am meisten Spaß gemacht hat. Die Zigarren waren da schon länger raus, auch weil das Tabakgesetz Instagram-Accounts in diesem Bereich durchaus im Blick hat.
Zwischen Alltag und Algorithmus: Sebastians Content-Rhythmus heute
Ein Jahr lang hat Sebastian versucht, wirklich täglich zu posten. Der Großteil waren Reels, die aus einer kompletten 18-Loch-Runde in 18 einzelne Clips aufgeteilt wurden. Der Aufwand, 300 Beiträge im Jahr zu filmen und zu schneiden, war enorm, und die einzelnen Beiträge gingen mit der Zeit unter. Heute postet er zwei bis dreimal pro Woche, dafür gezielter, mit Highlights statt jedem einzelnen Loch. Für Sebastian ist dabei klar, dass Content in seiner Größenordnung, in der niemand davon lebt, vor allem Spaß machen muss und nicht nach dem Algorithmus ausgerichtet werden sollte. Auf YouTube ist er seit etwa zwei bis zweieinhalb Jahren aktiv, gestartet mit einer Handykamera und einem Zehn-Euro-Stativ. Anfangs postete er dort seine Reels, dann auch längere Videos mit mehreren Löchern. Das lange YouTube-Format liegt ihm mehr, weil er beim Schneiden nicht ständig abwägen muss, was gekürzt werden kann, und mehr Raum für Storytelling bleibt. Sein Ziel ist ein Video alle 14 Tage, ein Rhythmus, der sich für ihn planbar umsetzen lässt, ohne Nachtschichten einzulegen.
Kooperationen und Contentreisen
Mit über 1.000 Beiträgen und fast 7.000 Followern hat Sebastian mittlerweile auch erste Kooperationserfahrungen gesammelt. Letztes Jahr hat ihn eine Salzburger Agentur kurzfristig für eine Contentreise über drei bis vier Tage mit mehreren Golfplätzen angefragt, ein großes Learning für ihn. Die Reise an den Gardasee war ursprünglich als reiner Frühlingsurlaub mit seiner Frau geplant. Sebastian hat daraufhin selbst drei bis vier Golfplätze angeschrieben und um Teezeiten sowie die Erlaubnis zum Filmen gebeten. Manche Plätze reagieren offen, andere antworten gar nicht oder lehnen Kooperationen bewusst ab, was Sebastian vollkommen akzeptiert. Bezahlte Kooperationen sind bislang die Ausnahme, meist geht es um kleinere Sachleistungen wie Bekleidung.
Golfpark Metzenhof und die Bucketlist-Reise nach Prag
Zu seinen liebsten Golfplätzen in Österreich zählt Sebastian die GZ Aachensee und die GZ Mondsee, beide mit beeindruckender Bergkulisse. Außerhalb Österreichs ist ihm ein Platz an der französischen Ärmelkanalküste besonders in Erinnerung geblieben, auf Klippen gelegen mit Blick aufs Meer. Sein Heimatplatz ist der Golfpark Metzenhof, etwa eine halbe Stunde östlich von Linz in Oberösterreich, ein junger Par-71-Platz, der erst kürzlich sein 20-jähriges Bestehen gefeiert hat und sich stark um ein jüngeres Publikum bemüht. Für dieses Jahr steht der Oaks Prag ganz oben auf Sebastians Bucketlist, nachdem er bereits einen der beiden Deep-Virtual-Tour-Plätze in Prag gespielt hat. Außerdem möchte er mehr Gastspieler auf seinem Kanal zeigen, ähnlich wie im letzten Jahr, als er mit einem Freund im Texas Scramble versucht hat, den Platzrekord von zehn unter Par zu knacken.
Golf zwischen Tradition und Wandel
Sebastian sieht den Golfsport auf einem guten Weg, aus der Nische des versnobten Neun-bis-elf-Handicap-Klischees herauszukommen, auch wenn es dagegen Widerstand gibt, sowohl von einzelnen Clubs als auch vom österreichischen Dachverband ÖGV. Für ihn liegt der Schlüssel darin, junge Menschen für den Sport zu begeistern, nicht nur im Schulalter, sondern generell früh im Leben. Er selbst ist das Beispiel dafür, wie ein einmaliger Kontakt als Jugendlicher Jahrzehnte später wieder aufleben kann. An seinem Heimatplatz engagiert sich das Team um seinen Headcoach Flo stark in der Jugendarbeit, unter anderem mit Schulklassen, die während der Sommerferien Putting Grün und Driving Range ausprobieren dürfen. Gleichzeitig sieht Sebastian Platz für unterschiedliche Clubkonzepte nebeneinander, von traditionellen, streng etikettierten Clubs mit Einschreibgebühr bis zu offeneren Modellen, auch wenn er selbst keinen klassisch ehrwürdigen Club als Heimatplatz möchte.
Kritisch sieht Sebastian das aktuelle System der Platzreife, das in Österreich mittlerweile an einem einzigen Wochenende von Freitagnachmittag bis Sonntagmittag absolviert werden kann. Er bezweifelt, dass diese kompakte Form noch zeitgemäß ist, glaubt aber, dass eine Lockerung die Einstiegshürde senken würde, ohne das Spieltempo auf dem Platz spürbar zu beeinflussen. Für ihn wäre es sinnvoller, neuen Mitgliedern erfahrene Begleiter an die Seite zu stellen, die ihnen bei den ersten Runden Etikette und Abläufe direkt auf dem Platz zeigen, statt zwei Tage auf der Driving Range zu verbringen.
Die wichtigste Lektion: Spiel mit deinem Handicap, nicht dagegen
Auf die abschließende Frage, was sein heutiges Golf-Ich seinem Anfänger-Golf-Ich raten würde, hat Sebastian eine klare Antwort. Der größte Fehler vieler Anfänger ist es, gedanklich immer noch nach dem Par zu spielen, etwa mit dem Anspruch, ein Par 5 in drei Schlägen zu erreichen. Bei einem Handicap von 45 ist das schlicht nicht nötig, wer dort in fünf Schlägen aufs Grün kommt, liegt völlig richtig. Wer die eigene Spielstärke realistisch einschätzt und mit dem Handicap spielt statt dagegen, nimmt sich selbst enorm viel Druck aus dem Spiel. Ein Mitspieler mit deutlich niedrigerem Handicap muss das Grün in Regulation erreichen, um sein eigenes Handicap zu bestätigen, wer selbst mit Handicap 18 unterwegs ist, muss das nicht, und ein getoppter Abschlag ist dann kein Weltuntergang.
Golfplätze, die im Podcast erwähnt werden
- Golfpark Metzenhof – Sebastians Heimatplatz, rund eine halbe Stunde östlich von Linz in Oberösterreich, Par 71 (golfpark-metzenhof.at)
- GZ Aachensee (Golf- und Landclub Achensee) – einer seiner Lieblingsplätze in Österreich, laut Sebastian in Tirol (golfclub-achensee.at)
- GZ Mondsee (Golfclub Am Mondsee) – ebenfalls einer seiner Lieblingsplätze, laut Sebastian nahe Salzburg (golfclubmondsee.at)
- Golf d’Étretat – der Platz an der französischen Ärmelkanalküste auf den Klippen, den Sebastian als “Golf de entre d’art” bezeichnet; Name im Transkript unklar ausgesprochen, passt aber zur Beschreibung (golfetretat.com)
- Oaks Prag – Bucketlist-Ziel für dieses Jahr, einer der beiden Deep-Virtual-Tour-Plätze dort hat Sebastian bereits gespielt (oaksprague.cz)
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