Die öffentliche Transformation von Hobbygolfermatze

3. Juli 2026

Es gibt Golfgeschichten, die beginnen mit einem lauten Knall am Abschlag oder einem spektakulären Hole in One. Die Geschichte von Matthias, den viele in den sozialen Medien nur als Hobbygolfer Matze kennen, beginnt anders. Sie beginnt an einem Vatertag im Jahr 2020, mitten in der Corona-Pandemie, als schlicht keine anderen Freizeitmöglichkeiten mehr übrig waren. Aus einer spontanen Schnupperstunde wurde eine Leidenschaft, aus der Leidenschaft wurde ein Handicap zwischen 54 und 20, und aus einer öffentlichen Instagram-Ankündigung wurde eine der beeindruckendsten Transformationen, über die im NextFairway-Podcast bisher gesprochen wurde. Matze hat in den letzten anderthalb Jahren knapp 33 Kilogramm abgenommen, komplett öffentlich, mit allen Rückschlägen und ohne geschönte Darstellung. Wie diese Reise begann, wie sie sich aufs Golfspiel auswirkt und was Matze heute anders machen würde, erzählt er im Gespräch mit Thomas.

Vom Corona-Lockdown auf den Golfplatz: Matzes Einstieg

Matze gehört zu einer Generation von Golfern, die der Sport nicht auf klassischem Weg über Familie oder Verein gefunden hat, sondern über den Mangel an Alternativen während der Pandemie. An einem Vatertag im Mai 2020 erfuhr er, dass der Golfklub in Lippstadt gerade eine Platzreife anbietet. Aus früherer Schulsporterfahrung wusste er, dass Golf grundsätzlich Spaß machen kann, also meldete er sich kurzerhand an. Was als unverbindlicher Test gedacht war, wurde schnell zu einer festen Größe in seinem Alltag. Dieser Weg über die Pandemie in den Golfsport ist im Podcast schon mehrfach Thema gewesen und zeigt, wie viele neue Golferinnen und Golfer der Sport gerade in dieser Zeit gewonnen hat.

Der Golfvirus packt zu: Von der Platzreife zur festen Golfclique

Bei Matze ging es nach der Platzreife rasant weiter. Der Club machte ein attraktives Angebot für das restliche Jahr, und schon wenige Tage nach der Prüfung stand er wieder auf der Anlage, diesmal mit allen Unterlagen zum Unterschreiben im Gepäck. Dort traf er zufällig zwei Nachbarn aus seinem Dorf, die ihn sofort in ihre montägliche Golfrunde integrierten. Aus dieser Montagsrunde wurde mit der Zeit eine feste Gruppe von Golffreunden, die sich gemeinsam an Turnieren versuchten. Genau dieser soziale Aspekt, das schnelle Finden von Gleichgesinnten mit ähnlichem Spielniveau, war für Matze einer der entscheidenden Gründe, warum er beim Golf geblieben ist.

Golf lernen: Autodidaktisch mit YouTube oder besser gleich zum Pro?

Wie viele Einsteiger versuchte auch Matze zunächst, sich den Golfschwung über YouTube-Videos selbst beizubringen. Er ist überzeugt, dass die Basics aus der Platzreife, etwa die richtige Standposition oder ein zügiges Grundtempo auf dem Platz, bei seinem Heimatclub sehr gut vermittelt wurden. Beim eigentlichen Schwung verließ er sich jedoch zunächst auf Erklärvideos bekannter Golflehrer und war überzeugt, das Ganze allein hinzubekommen. Erst ein halbes Jahr später nahm er professionellen Unterricht, eine Entscheidung, die er im Rückblick deutlich früher getroffen hätte. Die in dieser Zeit eingeschliffenen Fehler begleiten ihn nach eigener Aussage teilweise bis heute. Seitdem nimmt er regelmäßig, etwa alle zwei bis drei Monate, eine Auffrischungsstunde bei seinem Pro.

Turniererfahrung: Vom ersten Tiger-Rabbit-Turnier zur Strawberry Tour

Schon drei bis vier Monate nach der Platzreife wagte sich Matze an sein erstes vorgabewirksames Turnier, ein klassisches Tiger-Rabbit-Format in Lippstadt. Bis heute spielt er dieses Format gerne mit, weil es neue Kontakte bringt und gleichzeitig Geduld lehrt, etwa wenn der eigene Flight durch langsamere Mitspieler ausgebremst wird. Mittlerweile ist Matze auf der Strawberry Tour unterwegs und reist dafür auch über die eigene Region hinaus, zum Beispiel an die holländische Grenze oder in den bayerischen Raum, teilweise sogar mit Dachzelt im Gepäck. Von etwa zwanzig Turnierergebnissen in seiner aktuellen Handicap-Historie stammt nur ein kleiner Teil vom eigenen Hausplatz, der Großteil verteilt sich auf fremde Plätze im ganzen Land.

Handicap-Entwicklung: Höhen und Tiefen auf dem Weg von 54 zur 20

Innerhalb von rund drei Jahren verbesserte sich Matze von einem Einsteiger-Handicap in Richtung 20. An diesem Punkt hängt er nach eigener Aussage seit etwa zweieinhalb bis drei Jahren fest, aktuell bewegt sich sein Handicap sogar eher wieder in Richtung 24 bis 26. Er führt das auf eine Mischung aus mentalen und körperlichen Faktoren zurück, verbunden mit vielen fremden Plätzen, die er im Rahmen von Turnieren regelmäßig spielt. Diese Ehrlichkeit im Umgang mit Rückschritten macht seine Geschichte besonders greifbar für alle Golferinnen und Golfer, die selbst gerade in einer Stagnationsphase stecken.

Golf-Alltag zwischen Job, Familie und Trainingsplan

Wie viel Zeit für Golf bleibt, hängt bei Matze stark von der Woche ab. Neben dem eigenen Unternehmen sind Familie und Kind wichtige Faktoren bei der Zeitplanung. Läuft es gut, kommt er auf drei Platzbesuche pro Woche, meist für neun Loch plus eine kurze Trainingseinheit davor oder danach. Turniere spielt er, wenn möglich, alle zwei bis drei Wochen, an guten Wochenenden auch gleich zwei Turniere hintereinander. Gerade am Wochenende bevorzugt er frühe Startzeiten, um genug Zeit für die Familie zu behalten.

Neun Loch statt achtzehn: Warum weniger oft mehr ist

Ein Thema, das Matze im Gespräch besonders am Herzen liegt, ist die Debatte um neun gegenüber achtzehn Loch. Er bezeichnet sich selbst klar als Neun-Loch-Spieler und kann mit Aussagen wie neun Loch sei kein richtiges Golf wenig anfangen. Für ihn zählt vor allem, wie oft man überhaupt auf den Platz kommt, nicht die Rundenlänge. Eine kürzere Runde von neun Löchern, kombiniert mit etwas Training davor oder danach, ist für ihn ein perfekter Ausgleich zum Alltag und lässt sich viel leichter in eine Woche mit Job und Familie integrieren als eine komplette Achtzehn-Loch-Runde.

Schlägerfitting: Der richtige Zeitpunkt für den ersten eigenen Satz

Zum Thema Fitting hat Matze eine klare Haltung. Er selbst ließ sich Ende 2021 bei Handicap 36 im Golf House fitten, im Rückblick vielleicht sogar etwas zu früh, weil sein Schwung damals noch alles andere als stabil war. Trotzdem rät er allen, die es sich finanziell leisten können, frühzeitig zum Fitting zu gehen, weil passende Schläger den Einstieg erleichtern. Gleichzeitig betont er, dass ein Schlägersatz nicht jedes Jahr erneuert werden muss und durchaus über mehrere Jahre mitspielen kann.

Die große Transformation: Wie Matze öffentlich 33 Kilo abnahm

Der emotionalste Teil der Episode dreht sich um Matzes gesundheitliche Transformation. Ende Oktober 2024 zog er für sich selbst die Reißleine. Um sich zusätzlichen Druck aufzubauen, machte er den Prozess über seinen Instagram-Account öffentlich, wohlwissend, dass er selbst nur schwer verlieren beziehungsweise aufgeben kann, wenn andere zusehen. Seit anderthalb Jahren zieht er das Programm konsequent durch und hat mittlerweile knapp 33 Kilogramm abgenommen. Aktuell befindet er sich eher in einer Erhaltungsphase, weil Kopf und Körper nach so langer Zeit im Defizit eine Pause brauchen.

Was der Gewichtsverlust fürs Golfspiel bedeutet

Auf dem Golfplatz zeigt sich der Effekt der Transformation auf mehreren Ebenen. Matze bemerkt, dass er im Schwung mittlerweile länger wird, was er weniger auf zusätzlichen Muskelaufbau zurückführt als vielmehr darauf, dass der Bauch beim Schwung nicht mehr im Weg ist. Auch beim Thema Kondition auf dem Platz zeigt sich der Unterschied deutlich. Anstiege bereiten ihm inzwischen keine Probleme mehr, die Konzentration bleibt über die gesamte Runde stabiler, und die früher typischen kompletten Einbrüche auf der zweiten Neun fallen heute deutlich schwächer aus. Interessant findet Matze dabei, dass sich der Effekt auf der Range aktuell stärker zeigt als im Turnier, was er selbst noch nicht abschließend erklären kann.

Bewusstes Training: Struktur statt Zufall

Neben der Ernährung spielt für Matze auch strukturiertes Training eine große Rolle. Statt auf eine klassische Golf-Trainings-App zu setzen, nutzt er die Fitnessapp Freeletics für sein komplettes Workout zu Hause, unter anderem aus Zeit- und Kostengründen. Für sein Golftraining selbst wünscht er sich ein ähnliches System, das ihm auf Basis der eigenen Schwächen einen klaren Trainingsplan mit fester Struktur vorgibt, inklusive Putten und kurzem Spiel. Aktuell fehlt ihm häufig genau diese Struktur, wodurch bewusstes, zielgerichtetes Training auf der Range eher die Ausnahme als die Regel bleibt.

Saisonziele: Handicap 15 und die Neunziger-Marke knacken

Für die laufende Saison hatte sich Matze ursprünglich das Handicap 15 als Ziel gesetzt. Nach einer Rippenverletzung und einem holprigen Saisonstart rutschte sein Handicap zunächst wieder in Richtung 27 bis 28, weshalb er das Ziel realistisch einordnet. Sportlich konkreter ist sein Wunsch, auf seinem Hausplatz in Lippstadt endlich eine Turnierrunde klar unter 90 zu spielen. Ähnlich wie beim Knacken der 100 vor einigen Jahren geht er davon aus, dass sich nach dem ersten Erfolg auch weitere folgen werden, sobald der mentale Knoten einmal gelöst ist.

Vom zögerlichen Start zur Golf-Community auf Instagram

Interessant ist auch, wie Matze überhaupt zu Social Media kam. Ursprünglich eher zögerlich, weil seine Partnerin ihn wiederholt zum Start eines eigenen Accounts ermutigte, entschied er sich vor rund zwei Jahren spontan aus einer Art Trotzreaktion heraus, es selbst besser zu machen. Golf war für ihn dabei ein naheliegendes Thema. Heute folgen ihm über viertausend Menschen auf Instagram, ein Ziel, das er sich selbst gesetzt hatte und das er in dieser Saison erreichen möchte. Meist postet er täglich, manchmal auch zweimal, je nachdem, was er auf dem Platz erlebt oder gerade beschäftigt.

Authentizität statt Hochglanz

Besonders bemerkenswert an Matzes Content ist der bewusste Verzicht auf eine geschönte Darstellung. Er zeigt nicht nur gute Runden, sondern genauso schlechte Phasen, etwa wenn eine Runde komplett aus dem Ruder läuft oder er kurz davor ist, den Schläger zu werfen. Genau diese Ehrlichkeit, verbunden mit Hilfsmitteln wie dem mentalen Konzept des fünfzehnten Schlägers aus der bekannten Golfpsychologie-Literatur, macht seinen Content für viele Golferinnen und Golfer besonders nahbar.

Der Lieblingsschläger und ein kurioser Materialschaden

Auf die Frage nach dem Lieblingsschläger nennt Matze aktuell das Eisen 8, dicht gefolgt vom Eisen 6. Genau dieses Eisen 6 verabschiedete sich vor einigen Wochen auf kuriose Weise, der Schaft brach mitten im Rückschwung direkt über dem Griff, während der Schlägerkopf durch die Luft flog. Trotz dieses Missgeschicks blieb Matze erstaunlich gelassen und beendete das Loch souverän mit einer 6 und einer 8.

Das Fazit: Matzes Rat an sein Anfänger-Golf-Ich

Am Ende der Episode stellt Thomas wie in jeder Folge die Reflexionsfrage, was das heutige Golf-Ich dem Anfänger-Golf-Ich raten würde, ganz ohne die naheliegende Antwort früher angefangen zu haben. Matzes Antwort fällt klar und direkt aus: Ego beiseitelegen, von Anfang an mit den Eisen spielen und auf die langen Hölzer verzichten. Ein Rat, der nicht nur zu seiner sportlichen, sondern auch zu seiner persönlichen Transformation passt, bei der es letztlich immer wieder um dieselbe Frage geht, den eigenen Fortschritt wichtiger zu nehmen als das schnelle, große Ergebnis.

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