Es gibt Golf-Geschichten, die verlaufen in einer geraden Linie nach oben. Und es gibt Geschichten wie die von Fabijan Vuksic, die steil nach oben gehen, dann abbrechen und viele Jahre später an einer ganz anderen Stelle wieder anfangen. In der neuen Episode von NextFairway erzählt Fabi, wie er mit zehn Jahren zum Golf kam, mit fünfzehn einen Platzrekord spielte, in der zweiten Bundesliga antrat und mit achtzehn seine Schläger in den Keller stellte, wo sie sieben Jahre stehen blieben. Heute ist er einunddreißig, lebt in Hamburg, arbeitet hauptberuflich als Fotograf und spielt Handicap 6. Was dazwischen passiert ist, ist eine der ehrlichsten Geschichten über Leistungsdruck im Jugendgolf, die ich bisher im Podcast hatte.
Vom Schwimmbecken auf den Golfplatz
Der Anfang war eine Notlösung. Fabi kam ursprünglich aus dem Leistungssport Schwimmen, doch nach einem Trainerwechsel funktionierte es im Team nicht mehr. Plötzlich stand er ohne Sport da, aß aber weiterhin genauso viel wie vorher, und seine Eltern suchten nach einer Möglichkeit, dass sich das Kind wieder mehr bewegt. Sein Vater spielte damals bereits sehr intensiv mit einem Freund Golf, und so stand Fabi mit zehn Jahren auf dem Golfplatz.
Was als Bewegungsprogramm gedacht war, entwickelte sich schnell zu etwas anderem. Der sportliche Aspekt packte ihn, und er feierte relativ zügig erste Erfolge. In seinem ersten Club gab es eine ausgezeichnete Jugendarbeit, jeden Sonntag ging es auf den Platz, dazu kam regelmäßiges Training. Sein Talent wurde früh erkannt, und mit dem Mannschaftsgolf kamen zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche dazu. Genau dieses Fundament in jungen Jahren hat ihm nach eigener Aussage am meisten geholfen, weil Golf technisch einfach komplex ist und man diese Grundlagen später nur schwer nachholt.
Wer als Erwachsener anfängt, kennt dieses Privileg nicht. Es ist ein Punkt, der im Podcast immer wieder auftaucht: Der frühe Start ist kein Garant für Erfolg, aber er verändert, wie selbstverständlich sich der Golfschwung anfühlt.
Der Wechsel in einen der bekanntesten Clubs Deutschlands
Weil Fabi viele Jugendturniere gut abschloss, wurde er irgendwann abgeworben. Ein Leading Golf Club of Germany kam auf ihn zu, sah Potenzial in ihm und holte ihn. Es war der Golfclub Wendlohe in Hamburg, ein Club, den er bis heute als einen der tollsten bezeichnet, die er je kennenlernen durfte.
Dort begann für ihn die eigentliche Leistungsära. Alles war bereits damals hochprofessionell aufgestellt, es gab Mentaltraining, wenn auch noch nicht in der Intensität von heute, es gab Fitnesstraining und exzellentes technisches Training. Sein Alltag richtete sich vollständig danach aus. Von halb acht bis drei Uhr Schule, dann ein Bus zum Golfplatz, die Hausaufgaben unterwegs erledigt, danach drei bis vier Stunden auf der Anlage, und das nahezu täglich.
Interessant ist, wie offen Fabi über den elitären Charakter dieses Umfelds spricht. Viele im Golf umgehen das Thema, er sagt schlicht, dass er es damals geliebt hat, dieses Elitäre zu leben. Es war Teil dessen, was den Club für ihn besonders machte.
Das Stipendium, das er ausschlug
An diesem Punkt hätte die Geschichte eine völlig andere Richtung nehmen können. Fabi bewarb sich um ein Stipendium an einer amerikanischen Highschool und bekam tatsächlich eine Zusage. Es wäre der logische nächste Schritt gewesen, der Weg, den viele ambitionierte Nachwuchsspieler bis heute gehen.
Er hat sich nicht getraut. Man muss sich die Zeit vorstellen, sagt er, es gab zwar Internet, aber kein Facebook, keine Vernetzung, wie sie heute selbstverständlich ist. Der Schritt in die große weite Welt war zu groß, und der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hätte, kam nicht. Rückblickend nennt er es eine verpasste Chance und fragt sich manchmal, wie es gelaufen wäre. Genau ab diesem Moment drehte sich seine Leistungskurve nach unten.
Wenn Golf nur noch aus Zahlen besteht
Bis dahin kannte Fabi nur eine Richtung. Mit fünfzehn oder sechzehn Jahren spielte er seinen ersten Platzrekord, vier unter Par, eine Zahl, die jahrelang im Club nachhallte. Er kannte nur das Gefühl, die Leiter nach oben zu steigen.
Im neuen Club erlebte er zum ersten Mal echte Niederlagen. Seine Entwicklung stagnierte, und mit ihr auch das mentale Gefühl, gut zu sein. Er bekam nicht das richtige Mindset und in diesen Momenten auch nicht die Hilfe, die er gebraucht hätte. Der Wunsch, größere Jugendturniere zu spielen, schwand.
Dann kommt die Stelle im Gespräch, die am längsten nachwirkt. Der Bus, der ihn früher voller Vorfreude zum Golfplatz brachte, wurde zum Problem. Er hat auf dem Weg zum Training geheult. Als Jugendlicher, völlig überfordert. Auf dem Platz kamen schlechte Schläge dazu und die Rivalität innerhalb der Mannschaft, denn wer wirklich spielen durfte, wurde immer erst kurz vorher ausgelost. Und dann fuhr er heulend wieder nach Hause. Er hatte die Leichtigkeit und den Spaß am Golfen verloren, es ging nur noch um Zahlen, Nummern und Statistiken.
Der Cut mit achtzehn
Mit siebzehn merkte er, dass die Leistung nicht mehr kam. Er war nicht mehr der Trainerliebling, dümpelte in der Mannschaft im Mittelfeld herum. Wenige Monate nach seinem achtzehnten Geburtstag stand er vor dem Vorstand. Ihm wurde deutlich gesagt, dass entweder noch etwas kommen müsse oder eine sehr hohe Aufnahmegebühr und Jahresbeiträge fällig würden. Das war sein Weg aus dem Golf heraus.
Es war ein harter Schnitt. Er hatte den Spirit des Clubs geliebt und fühlte sich dort ausgesprochen wohl, entsprechend fühlte es sich nach Niederlage und Verlust an. Zuhause kamen die Fragen der Eltern, ob er es nicht noch einmal probieren wolle, ob man irgendetwas tun könne. Er hat alles abgeriegelt. Die Schläger standen im Keller, und er kümmerte sich nicht mehr darum. Acht Jahre seines Lebens hatten sich fast ausschließlich um diesen Sport gedreht, und plötzlich war das weg.
Wie die Fotografie ihn aufgefangen hat
Schon mit siebzehn, als er spürte, dass es im Golf nicht mehr lief, suchte er nach einem Ventil. Er fing an zu fotografieren, machte Bilder auf dem Golfplatz, fotografierte Menschen, irgendwann auch fremde Menschen, und verdiente sich damit etwas Taschengeld. Das Ganze wuchs so schnell, dass er mit achtzehn bereits Geld verdiente und Steuern zahlen musste. Im selben Jahr machte er sich selbstständig.
Bis heute ist er hauptberuflich Fotograf und sagt selbst, dass ihn die Fotografie aus einem dunklen Tunnel gerettet hat. Wenn er etwas tut, dann mit hundertfünfzig Prozent, so beschreibt er seine Art zu leben, und dann gibt es im Leben nur noch dieses eine Thema. Inzwischen ist er in seinem Bereich deutschlandweit so bekannt, dass er gut davon leben kann und wieder Zeit und Lust hat, Golf zu spielen.
Auf die Frage, ob ihn der Rückschlag im Golf für das Unternehmertum geprägt hat, antwortet er klar mit Ja. Der Leistungssport habe ihm beigebracht, sich auf etwas zu fokussieren und klar zu positionieren, und das habe ihn beruflich sehr weit gebracht. Was er im Golf damals nicht geschafft hat, nämlich schwierige Phasen einfach auszuhalten, hat er später durch die Selbstständigkeit gelernt. Hinter den dunklen Wolken kommt die Sonne, und so sei es im gesamten Leben.
Das Comeback in der Pandemie
Wie bei so vielen Gästen dieses Podcasts war Corona der Wendepunkt. Als Einzelunternehmer hatte Fabi immer volle Auftragsbücher und nie Existenzsorgen, und von einem Tag auf den anderen stand alles still. Statt zu Hause zu sitzen und dunklen Gedanken nachzuhängen, erinnerte er sich an das, was noch im Keller stand. Er nahm die alten Schläger, fuhr raus und schlug Bälle.
Nicht alle Schläge saßen, aber genug. Das Gefühl, das jeder Golfer kennt, wenn ein Schlag sauber vom Blatt kommt und man sofort weitermachen möchte, war zurück. Nach ein bis zwei Wochen war klar, dass es nicht bei einem Ausflug bleiben würde. Er fuhr zu seinem Golfpartner des Vertrauens, kaufte komplett neu, Eisen, Driver, Hölzer, Putter, und verkaufte gleichzeitig sein gesamtes altes Equipment. Das war ihm wichtig, das Alte und negativ Konnotierte wegzugeben.
Heute sagt er, so schlimm Corona für viele Menschen war, so schön war diese Zeit für ihn, weil er zu dem zurückgefunden hat, wo sein Herz immer höher geschlagen hat.
Handicap 6, und die Zahl bedeutet ihm nichts mehr
Aktuell steht Fabi bei Handicap 6. In den sieben Jahren ohne Golf wurde sein Handicap immer weiter nach oben gesetzt, inzwischen hat er sich wieder unterspielt. Das Bemerkenswerte ist seine Haltung dazu. Damals war jede Zehntelstelle wichtig, heute ist es einfach eine Zahl. Er spielt oft deutlich besser und oft deutlich schlechter, aber die Sechs ist eine schöne Zahl, mit der man ein wenig angeben und gut fachsimpeln kann.
Genau darin liegt der Unterschied zwischen dem Golf seiner Jugend und dem Golf von heute. Es ist derselbe Sport, aber die Bedeutung hat sich komplett verschoben.
Wie sein Golfalltag heute aussieht
Fabi versucht, zwei bis drei Mal pro Woche auf den Platz zu kommen. Um sich selbst ein wenig unter Druck zu setzen, hat er einen Instagram-Account unter dem Namen Fabi Golf eröffnet und sich vorgenommen, jeden Tag einen Schwung zu posten. Das bedeutet nicht, dass er täglich auf dem Platz steht, aber es sorgt für eine tägliche Form der Golf-Interaktion und zwingt ihn regelmäßig nach draußen.
Wichtig sind ihm gute Partner an seiner Seite. Dazu gehört ein Golftrainer, zu dem er alle zwei bis drei Wochen geht. Manchmal, sagt er, fühlt sich das eher wie eine kleine Gesprächstherapie an, und der Schwung ist gar nicht mehr das große Problem. Für dieses Jahr hat er sich vorgenommen, wieder mehr Turniere zu spielen. Früher waren dreißig bis vierzig Turniere im Jahr gesetzt, diese Zahl wird er nicht mehr erreichen, aber mit fünfzehn bis zwanzig wäre er sehr glücklich.
Der Lieblingsschläger im Bag
Bei der obligatorischen Bag-Frage muss Fabi nicht lange überlegen. Der Driver war es immer und ist es bis heute. Er liebt die Möglichkeiten, die dieser Schläger bietet, vom Draufhauen über kontrolliertes Spiel bis hin zum Driver ohne Tee vom Fairway. Dazu kommt die psychologische Komponente, den Ball einfach mal in die Luft zu schicken, wenn es sonst nicht läuft.
Was sich verändert hat, sind die Weiten. Mit einunddreißig fehlt ihm die Explosivkraft, die er als Jugendlicher durch spezifisches Golffitnesstraining aufgebaut hatte. Etwa zehn bis fünfzehn Meter sind kürzer geworden, was ihn hier und da wurmt, besonders wenn er mit Mitzwanzigern spielt. Er war allerdings ohnehin nie der Längste, weil ihm ein schöner Golfschwung immer wichtiger war als die maximale Länge. Er mag die schönen Dinge im Leben, sagt er, und das zieht sich durch alles, was er tut.
Die schönsten Plätze und ein Full Circle Moment in Portugal
Bei der Frage nach den schönsten Golfplätzen fällt Fabi die Entscheidung schwer, deshalb nennt er drei. In Deutschland ist Falkenstein, der Hamburger Golf Club, für ihn die Nummer eins, wegen des Layouts, des Clubhauses im Bauhausstil, der Pflege und des Leistungscharakters, der aus diesem Club kommt. Dazu kommt Budersand auf Sylt, für ihn wahrscheinlich der schönste Golfplatz Deutschlands, klassisches Linksgolf mit tiefem Rough, auf dem man unendlich viele Bälle verliert, wenn es nicht läuft.
Der dritte ist der Old Course in Vilamoura in Portugal, und dazu gehört eine schöne Anekdote. Als er dort vor Kurzem auf einer Golfreise stand, kam ihm ein Loch merkwürdig bekannt vor, bis ihm einfiel, dass er mit seiner alten Bundesligamannschaft schon einmal genau dort gespielt hatte. Ein echter Full Circle Moment.
Eine klassische Reise-Bucketlist hat er nicht, weil ihn sein Beruf ohnehin an wunderschöne Orte bringt. Der eine Ort, der ihn wirklich reizen würde, ist St. Andrews, der Ursprung des Golfsports.
Golf, Fotografie und die Frage, was noch kommt
Fabi möchte, dass sein Instagram-Account wächst, tut sich aber schwer damit, den einfachen Weg über lustige oder alberne Videos zu gehen, weil das nicht seiner DNA entspricht. Sein Anspruch ist hoch, was auch mit seiner Vergangenheit im Leistungsgolf zu tun hat. Der Wunsch dahinter ist größer: Golf soll bei ihm ein Stück weit Richtung Unternehmertum rutschen, und im Idealfall lassen sich Fotografie, Bewegtbild und das Hobby miteinander verbinden.
Ein Projekt, das ihn dabei gerade begeistert, ist die App Stroke Play League, kurz SPL, gebaut von einem Bekannten, den er nach zehn Jahren zufällig auf dem Golfplatz wiedergetroffen hat. Man kann sich deutschlandweit anmelden, sich mit fremden Menschen zum Matchplay verabreden, Turnierergebnisse hochladen und in einem Ligasystem digital gegen andere antreten. Für Fabi ist das ein Werkzeug gegen das Golfplatzsterben und gegen das Image vom weißen, reichen Männersport, weil es Golf teilweise neutralisiert und neue Menschen zusammenbringt.
Warum sich diese Folge lohnt
Fabis Geschichte ist kein Plädoyer gegen Leistungssport im Jugendalter. Sie zeigt aber sehr deutlich, wie schnell aus Begeisterung Druck werden kann, wenn ein Sport nur noch über Zahlen definiert wird, und wie wenig davon am Ende bleibt, wenn die Zahlen ausbleiben. Sie zeigt gleichzeitig, dass eine Pause von sieben Jahren kein Ende sein muss.
Wer selbst eine längere Golfpause hinter sich hat oder gerade überlegt, wieder anzufangen, wird sich in dieser Episode an vielen Stellen wiederfinden. Die ganze Folge gibt es jetzt überall, wo es Podcasts gibt, und auf YouTube. Und, auch wenn auf einem anderen Niveau, liegt eine Parallele zu mir auch vor. Ich habe über 10 Jahre mit dem Golf pausiert und erst in diesem Jahr wieder angefangen.

