Golf hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Das Bild vom elitären Sport, der ausschließlich Ärzten, Anwälten und Unternehmern vorbehalten ist, entspricht längst nicht mehr überall der Realität. Auf vielen Golfplätzen spielen heute Menschen aus den unterschiedlichsten Berufs- und Altersgruppen gemeinsam eine Runde. Trotzdem hält sich die Diskussion über eine mögliche Zweiklassengesellschaft im Golf hartnäckig. Unterschiedliche Mitgliedschaftsmodelle, Greenfee-Aufschläge, exklusive Golfclubs, strenge Kleiderordnungen und fehlende Willkommenskultur sorgen immer wieder für Kritik.

Gemeinsam mit Sven, bekannt als „Der Hobbygolfer“, und GolferChris wurde deshalb diskutiert: Gibt es im Golfsport tatsächlich noch eine Zweiklassengesellschaft? Oder treffen hier lediglich unterschiedliche wirtschaftliche Interessen und Vorstellungen vom modernen Golfclub aufeinander?

Zweiklassengesellschaft im Golf: Woher kommt die Diskussion?

Ausgangspunkt der Diskussion war die Erfahrung, dass Spieler mit bestimmten Fern- oder VCG-Mitgliedschaften auf einigen Golfanlagen ein höheres Greenfee bezahlen müssen. Teilweise werden auch Golfer ohne das sogenannte goldene R auf dem DGV-Ausweis zusätzlich zur Kasse gebeten. Für die betroffenen Spieler kann dadurch schnell der Eindruck entstehen, dass zwischen „vollwertigen“ Clubmitgliedern und anderen Golfern unterschieden wird. Doch die Diskussion hat zwei Seiten.

Ein Vollmitglied zahlt häufig einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von weit über 1.000 Euro. Dafür kann es auf der eigenen Anlage normalerweise ohne zusätzliches Greenfee spielen. Wer dagegen eine günstige Fern- oder VCG-Mitgliedschaft besitzt, zahlt nur einen vergleichsweise kleinen Jahresbeitrag und entrichtet anschließend auf jeder Anlage ein Greenfee. Aus Sicht einiger Golfclubs ist ein moderater Aufpreis daher nachvollziehbar. Schließlich tragen Vollmitglieder mit ihren Beiträgen dauerhaft zur Finanzierung des Platzes, der Mitarbeiter und der gesamten Infrastruktur bei.

Gleichzeitig sind Gastspieler eine wichtige Einnahmequelle. Ein zu hoher Aufpreis kann abschreckend wirken und verhindern, dass neue Golfer einen Club kennenlernen.

VCG-Mitgliedschaft, Fernmitgliedschaft oder Vollmitgliedschaft?

Die Wahl der passenden Golfmitgliedschaft hängt stark davon ab, wie häufig und an welchen Orten jemand spielt. Wer mehrmals pro Woche auf derselben Anlage unterwegs ist, profitiert in vielen Fällen von einer Vollmitgliedschaft. Der Jahresbeitrag erscheint zunächst hoch, kann sich bei regelmäßigen Runden jedoch schnell rechnen. Anders sieht es bei Golfern aus, die beruflich viel reisen, häufig umziehen oder nur wenige Runden pro Jahr spielen. Für sie können eine Fernmitgliedschaft oder eine VCG-Mitgliedschaft sinnvoller sein. Sie bleiben flexibel und sind nicht dauerhaft an einen bestimmten Heimatclub gebunden. Gerade für Einsteiger können solche Modelle eine gute Möglichkeit sein, den Golfsport zunächst kennenzulernen. Sie müssen sich nicht sofort langfristig an einen Club binden und können unterschiedliche Anlagen ausprobieren.

Problematisch wird es erst dann, wenn flexible Mitgliedschaftsmodelle grundsätzlich als minderwertig betrachtet werden. Auf dem Platz sollte nicht entscheidend sein, welches Mitgliedschaftsmodell jemand gewählt hat. Ausschlaggebend sollten das Verhalten, die Rücksichtnahme und die gemeinsame Begeisterung für den Golfsport sein.

Sind Greenfee-Aufschläge für Fernmitglieder gerechtfertigt?

In der Diskussion wurde deutlich, dass höhere Greenfees für VCG- oder Fernmitglieder keineswegs auf allen Golfplätzen üblich sind. Bei einer stichprobenartigen Betrachtung verschiedener Clubs verlangte nur ein kleiner Teil einen zusätzlichen Betrag. Auf vielen Anlagen war das Greenfee unabhängig von der Mitgliedschaft gleich. Einzelne Clubs boten bestimmten Mitgliedern sogar Vergünstigungen an. Die Realität ist daher differenzierter, als es die grundsätzliche Debatte vermuten lässt. Ein Aufpreis von zehn oder zwanzig Euro kann aus Sicht eines Clubs gerechtfertigt sein, wenn reguläre Mitglieder mit hohen Jahresbeiträgen die Anlage langfristig finanzieren. Gleichzeitig sollte der zusätzliche Betrag verhältnismäßig bleiben. Golfclubs müssen sich fragen, welche Wirkung ihre Preisgestaltung hat. Wird ein Gastspieler als potenzieller Kunde und zukünftiges Mitglied gesehen? Oder entsteht bereits beim ersten Besuch das Gefühl, nicht vollständig willkommen zu sein? Eine transparente Kommunikation ist dabei entscheidend. Wer nachvollziehbar erklärt, warum unterschiedliche Preise gelten, kann viel Unverständnis vermeiden.

Das elitäre Image des Golfsports besteht teilweise weiter

Auch wenn sich Golf für breitere Bevölkerungsschichten geöffnet hat, gibt es weiterhin Clubs, die bewusst exklusiv auftreten. Hohe Aufnahmegebühren, verpflichtende Einlagen, Empfehlungen durch bestehende Mitglieder oder Bürgschaften können den Zugang stark begrenzen. In manchen Clubs gehört gerade diese Exklusivität zum Selbstverständnis. Grundsätzlich darf jeder Golfclub entscheiden, welches Konzept er verfolgt und welche Zielgruppe er ansprechen möchte. Gleichzeitig prägen solche Anlagen weiterhin das öffentliche Bild des gesamten Golfsports. Viele Menschen verbinden Golf noch immer mit hohen Einkommen, gesellschaftlichem Status und geschlossenen Netzwerken. Dabei sieht die Realität auf einem großen Teil der deutschen Golfplätze längst anders aus. Dort spielen ganz normale Berufstätige, Familien, Rentner, Jugendliche und ambitionierte Mannschaftsgolfer miteinander. Die Mehrheit der Clubs ist wesentlich zugänglicher, als das traditionelle Image vermuten lässt.

Willkommenskultur im Golfclub entscheidet über die Mitgliederbindung

Eine moderne Preisstruktur allein macht noch keinen offenen Golfclub. Mindestens genauso wichtig ist die Willkommenskultur. Neue Mitglieder stehen häufig vor der Herausforderung, Anschluss zu finden. Alteingesessene Gruppen kennen sich seit Jahren, spielen regelmäßig zusammen und haben feste Abläufe entwickelt. Wer neu hinzukommt, fühlt sich dadurch möglicherweise außen vor – auch wenn dies gar nicht bewusst beabsichtigt ist.

Golfclubs können die Integration aktiv unterstützen. Denkbar sind beispielsweise:

  • Willkommensturniere für neue Mitglieder,
  • gemeinsame Runden für Absolventen der Platzreife,
  • feste Ansprechpartner im Club,
  • offene Trainingsgruppen,
  • regelmäßige Clubabende,
  • Einsteiger- und Kennenlernformate.

Entscheidend ist, neue Mitglieder nicht nur zu gewinnen, sondern sie anschließend auch in das Clubleben einzubinden.

Im wirtschaftlichen Umfeld investieren Unternehmen viel Zeit und Geld in die Kundenbindung. Golfclubs sollten ihre Mitglieder ähnlich wertschätzen. Wer sich willkommen fühlt, regelmäßig Spielpartner findet und am Clubleben teilnimmt, bleibt einer Anlage wesentlich eher langfristig verbunden.

Müssen sich deutsche Golfclubs stärker digitalisieren?

Die Digitalisierung spielt für die Zukunft der Golfclubs eine zentrale Rolle. Viele Golfer erwarten heute, dass sie Startzeiten online buchen, das Greenfee digital bezahlen und kurzfristig prüfen können, ob noch freie Abschlagszeiten vorhanden sind. Apps und Buchungsplattformen können diesen Prozess erheblich vereinfachen. Auf manchen Golfanlagen sind digitale Lösungen bereits selbstverständlich. Andere arbeiten weiterhin mit telefonischen Anfragen, E-Mails oder einem Greenfee-Briefkasten auf Vertrauensbasis. Traditionelle Abläufe können durchaus ihren Charme haben. Für jüngere Zielgruppen und flexible Gastspieler sind einfache digitale Prozesse jedoch häufig ein wichtiges Entscheidungskriterium. Wer spontan eine Runde spielen möchte, will möglichst nicht mehrere Telefonate führen oder auf eine Rückmeldung per E-Mail warten. Eine unkomplizierte Onlinebuchung senkt die Zugangshürde und macht den Club attraktiver. Digitalisierung bedeutet dabei nicht, die persönliche Atmosphäre abzuschaffen. Sie sollte vielmehr administrative Hürden reduzieren und Mitarbeitern mehr Zeit für die Betreuung der Mitglieder und Gäste geben.

Events können Golfclubs für neue Zielgruppen öffnen

Ein weiterer wichtiger Ansatz ist die Kombination aus Golf und Erlebnis. Klassische Clubturniere behalten ihre Berechtigung. Gleichzeitig können neue Formate Menschen ansprechen, die mit traditionellen Wettbewerben wenig anfangen können. Im Manuskript werden unterschiedliche Ideen und bestehende Konzepte angesprochen: Golfturniere mit Poker-Elementen, DJ-Abende, Mannschaftswettbewerbe, Golfreisen, Tour-Formate und Veranstaltungen für Social-Media-Creator.

Solche Events schaffen Begegnungen und machen den Golfclub zu mehr als einem Ort, an dem lediglich eine Runde gespielt wird. Gerade jüngere Menschen suchen häufig nicht nur eine Sportart, sondern ein gemeinschaftliches Erlebnis. Musik, Gastronomie, lockere Wettbewerbe und ein attraktives Rahmenprogramm können dazu beitragen, neue Zielgruppen für den Golfsport zu begeistern. Auch Übernachtungsmöglichkeiten oder Stellplätze für Wohnmobile können interessant werden. Golfer, die durch Deutschland oder Europa reisen, könnten ihre Tour gezielt mit Besuchen verschiedener Golfanlagen verbinden.

Social Media als Chance für Golfclubs

YouTube, Instagram und andere soziale Netzwerke bieten Golfclubs die Möglichkeit, ihren Platz einem großen Publikum zu präsentieren. Creator, die ihre Runden filmen, zeigen nicht nur ihre eigenen Schläge. Sie vermitteln auch einen Eindruck vom Platzdesign, von der Landschaft, dem Clubhaus und der Atmosphäre einer Anlage. Für den Golfclub kann daraus eine enorme Reichweite entstehen – häufig ohne klassische Werbekosten. Natürlich müssen Persönlichkeitsrechte respektiert werden. Sowohl der Club als auch die Mitspieler sollten gefragt werden, bevor gefilmt wird. Unter diesen Voraussetzungen kann Social Media jedoch ein wirkungsvolles Marketinginstrument sein. Golfclubs, die Aufnahmen grundsätzlich ablehnen, verzichten möglicherweise auf wertvolle Sichtbarkeit. Wer dagegen klare Regeln schafft und offen mit Content-Produzenten zusammenarbeitet, kann potenzielle Gäste und Mitglieder erreichen, die über klassische Werbekanäle kaum angesprochen werden.

Zwischen Kleiderordnung und modernem Golf

Auch die Kleiderordnung wird häufig mit dem elitären Image des Golfsports verbunden. Einige Clubs legen weiterhin großen Wert auf traditionelle Golfbekleidung. Jeans, ärmellose Shirts oder sehr legere Kleidung sind dort möglicherweise nicht erwünscht. Andere Anlagen gehen wesentlich entspannter mit dem Thema um. Eine gewisse Kleiderordnung muss nicht automatisch Ausdruck einer Zweiklassengesellschaft sein. Golf hat Traditionen, die viele Spieler bewusst schätzen. Gleichzeitig sollte sich ein Club fragen, ob seine Regeln noch zeitgemäß sind und ob sie potenzielle Einsteiger unnötig abschrecken. Zwischen völliger Beliebigkeit und starren Vorgaben gibt es ausreichend Spielraum. Moderne Golfbekleidung kann sportlich, funktional, farbenfroh und trotzdem angemessen sein. Wichtiger als die Frage nach Jeans oder Poloshirt ist letztlich, wie Menschen miteinander umgehen. Eine exklusive Garderobe ersetzt weder Höflichkeit noch Rücksichtnahme.

Vereinsstruktur oder Betreibergesellschaft: Welches Modell hat Zukunft?

Viele Golfclubs stehen vor der Herausforderung, eine große Anlage professionell und wirtschaftlich zu führen. Ein Golfclub kann mehrere Hundert Mitglieder, zahlreiche Mitarbeiter und einen erheblichen Jahresumsatz haben. Trotzdem werden manche Anlagen noch immer nach Strukturen geführt, die eher zu einem kleinen Freizeitverein passen. Ehrenamtliches Engagement bleibt wichtig. Bei Finanzen, Personal, Marketing, Digitalisierung und Mitgliedergewinnung ist jedoch zunehmend professionelles Know-how gefragt. Betreibergesellschaften können hier Vorteile bieten, weil sie wirtschaftlicher und unternehmerischer arbeiten. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass finanzielle Interessen stärker in den Vordergrund rücken und Mitglieder sich weniger eingebunden fühlen. Unabhängig vom konkreten Modell wird deutlich: Golfclubs müssen professioneller werden. Anlagen, die notwendige Veränderungen dauerhaft ignorieren, könnten es insbesondere in ländlichen oder wirtschaftlich schwächeren Regionen schwer haben. Wahrscheinlich wird es zukünftig nicht zwangsläufig weniger Golfer geben – möglicherweise aber weniger Golfclubs. Erfolgreiche Anlagen könnten wachsen, ihr Angebot erweitern und zusätzliche Spielmöglichkeiten schaffen.

Jugendförderung als Grundlage für die Zukunft des Golfsports

Eine nachhaltige Zukunft des Golfsports ist ohne aktive Jugendförderung kaum denkbar. Golfclubs mit guten Trainern, regelmäßigen Jugendangeboten und klaren Entwicklungsmöglichkeiten ziehen nicht nur junge Spieler an. Sie überzeugen auch deren Familien und stärken langfristig die gesamte Clubgemeinschaft.

Dafür braucht es qualifiziertes Personal und ein durchdachtes Trainingskonzept. Ein einzelner Trainer kann kaum gleichzeitig Einsteiger, Freizeitgolfer, Mannschaftsspieler und ambitionierte Nachwuchstalente auf hohem Niveau betreuen. Professionelle Jugendarbeit kostet Geld, ist aber eine Investition in die Zukunft. Clubs, die junge Menschen frühzeitig begeistern und dauerhaft begleiten, schaffen die Grundlage für eine neue Generation von Mitgliedern.

Wie sieht der Golfclub der Zukunft aus?

In der Diskussion entstand die Vision eines Golfclubs, der sportlichen Anspruch, moderne Technik und Gemeinschaft miteinander verbindet.

Zu einem solchen Club könnten gehören:

  • eine moderne Driving Range mit Trackman-Technologie,
  • großzügige Putting- und Chippingbereiche,
  • Trainingsmöglichkeiten bei schlechtem Wetter,
  • digitale Buchungs- und Bezahlsysteme,
  • Live-Scoring und mediale Begleitung von Turnieren,
  • abwechslungsreiche Eventformate,
  • hundefreundliche Regeln,
  • Hotel- oder Wohnmobilangebote,
  • eine offene Willkommenskultur,
  • professionelle Trainer und Nachwuchsförderung.

Nicht jede Idee wird für jeden Golfclub wirtschaftlich umsetzbar sein. Die Vision zeigt jedoch, wohin die Entwicklung gehen könnte: weg vom abgeschotteten Verein und hin zu einem modernen Freizeit-, Sport- und Erlebnisangebot.

Gibt es im Golf wirklich eine Zweiklassengesellschaft?

Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Auf einigen Anlagen bestehen weiterhin deutliche Zugangshürden. Hohe Aufnahmegebühren, besondere Anforderungen, unterschiedliche Greenfees oder exklusive Clubregeln können den Eindruck einer Zweiklassengesellschaft verstärken. Im alltäglichen Spielbetrieb vieler Golfclubs zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Dort ist es häufig nicht entscheidend, ob jemand Vollmitglied, Fernmitglied oder VCG-Mitglied ist. Die gemeinsame Leidenschaft für den Golfsport steht im Vordergrund. Unterschiedliche Preise sind zudem nicht automatisch diskriminierend. Sie können das Ergebnis verschiedener Mitgliedschaftsmodelle und wirtschaftlicher Beiträge sein. Entscheidend ist, ob die Unterschiede transparent, nachvollziehbar und angemessen sind.

Die größere Herausforderung liegt möglicherweise weniger in der formalen Mitgliedschaft als in der Kultur eines Clubs. Werden Gäste freundlich aufgenommen? Finden neue Mitglieder Anschluss? Sind Buchung und Bezahlung unkompliziert? Kommuniziert der Club offen? Und ist er bereit, sich gesellschaftlich und technologisch weiterzuentwickeln?

Fazit: Golf muss Tradition und Offenheit miteinander verbinden

Der Golfsport hat sich bereits stark geöffnet. Das alte Bild vom ausschließlich elitären Freizeitvergnügen trifft auf viele Clubs nicht mehr zu. Trotzdem gibt es weiterhin Anlagen und Strukturen, die dieses Image aufrechterhalten. Die Zukunft des Golfsports hängt davon ab, ob Golfclubs Tradition und Veränderung miteinander verbinden können. Mitgliedschaftsmodelle müssen wirtschaftlich tragfähig bleiben, sollten aber gleichzeitig Flexibilität ermöglichen. Kleiderordnungen dürfen Stil vermitteln, ohne neue Spieler unnötig auszugrenzen. Digitalisierung sollte Prozesse vereinfachen, ohne die persönliche Gemeinschaft zu ersetzen. Events, Social Media und moderne Trainingsangebote können neue Zielgruppen erreichen, ohne den sportlichen Charakter zu verlieren. Eine Zweiklassengesellschaft entsteht nicht allein durch unterschiedliche Mitgliedsbeiträge oder Greenfees. Sie entsteht vor allem dann, wenn Menschen das Gefühl vermittelt wird, weniger willkommen oder weniger wert zu sein. Ein moderner Golfclub sollte deshalb nicht nur fragen, wer sich eine Mitgliedschaft leisten kann. Er sollte sich fragen, wie er Menschen für Golf begeistert, sie in die Gemeinschaft integriert und langfristig an den Sport bindet.

Es gibt diesen einen Tipp, den fast jeder Golfer schon einmal gehört hat – und den trotzdem kaum jemand wirklich umsetzt. In der zweiten NextFairway-Episode mit Patrick Limbecker (Vorherige Episode mit Patrick jetzt anhören), Leiter der Golfschule am Jakobsberg, geht es genau um diese eine Sache: die wichtigste Bewegung, die jeder Golfer beherrschen muss, um den Ball wiederholbar sauber zu treffen. Schon in der ersten Folge hatte Patrick angeteasert, dass es da noch einen entscheidenden Aspekt rund um die Technik gibt. In diesem Gespräch löst er das Versprechen ein – und räumt dabei gleich mit einigen der hartnäckigsten Golf-Mythen auf. Wer regelmäßig auf der Range steht, aber das Gefühl hat, dass sich die Treffer einfach nicht stabilisieren wollen, bekommt hier einen roten Faden, der vom Setup bis zum hohen Finish reicht.

Warum der Golfschwung kontraintuitiv ist

Die vielleicht unbequemste Wahrheit gleich zu Beginn: Der Golfschwung widerspricht unserem natürlichen Bewegungsgefühl. Wer mit 30, 40 oder 50 Jahren mit dem Golfen beginnt, trägt ein klares Bild im Kopf, wie ein Ball zum Fliegen gebracht wird. Beim Werfen bewegt sich die Hand nach oben, beim Tennis der Schläger, beim Fußball der Fuß immer in Richtung Himmel. Beim Golf ist es genau umgekehrt. Der Ball fliegt, weil er von der Schlagfläche abprallt, und getroffen wird er in einer Abwärtsbewegung.

Genau dieser Widerspruch führt dazu, dass nahezu alle Anfänger dieselben Fehlschläge produzieren. Sie versuchen instinktiv, den Ball in die Luft zu heben – und sind damit von Anfang an auf dem Holzweg. Das berühmte „Chicken Wing” im Durchschwung ist laut Patrick nichts anderes als die Folge dieses falschen Treff-Gedankens. Das bedeutet nicht, dass man so kein Golf spielen kann. Aber Wiederholbarkeit und vor allem Länge werden damit extrem schwer. Wer den Ball dagegen kontrolliert nach unten trifft, legt das Fundament für stabile Schläge.

Die wichtigste Bewegung: Körperrotation

Wenn es eine einzige Bewegung gibt, die jeder Golfer von Anfang an lernen sollte, dann ist es die Körperrotation. Sie ist die Basis für alles, was danach kommt – und gleichzeitig genau der Punkt, an dem 90 bis 95 Prozent aller Spieler scheitern.

Der Körper ist der Motor

Patrick nutzt ein einprägsames Bild, um das Zusammenspiel im Schwung zu erklären. Der Körper ist der Motor, die Arme sind das Getriebe und die Handgelenke samt Streckung der Arme sind so etwas wie der Turbolader. Für wiederholbare Treffer braucht es zuerst eine saubere Körperarbeit. Die Arme und Hände kommen erst ins Spiel, wenn es darum geht, dem Ball wirklich Länge zu geben. Wer also – wie viele Anfänger – versucht, Geschwindigkeit und Weite allein über die Arme zu erzeugen, verliert die Rotation und damit die Kontrolle über den Treffmoment.

Woraus sich 90 Grad Schulterdrehung zusammensetzen

Oft heißt es pauschal, man müsse die Schultern auf 90 Grad drehen. Doch diese 90 Grad entstehen nicht allein aus den Schultern, sondern aus drei Bewegungsanteilen. Rund 25 Grad kommen aus den Beinen und der daran hängenden Hüfte, die durch die Vorneigung im Setup leicht mitrotieren darf. Etwa 45 Grad entstehen aus der Wirbelsäule, die genau für diese Verwringung gebaut ist. Die letzten rund 20 Grad liefern tatsächlich die Schultern über ein Verschieben der Schulterblätter. Körperrotation ist also immer das Zusammenspiel aus Beinen, Rumpf und Schultern – und dieses Verständnis ist der erste Schritt zu einem wiederholbaren Schwung.

Das Setup als Fundament für jeden guten Treffer

Bevor überhaupt eine Bewegung startet, entscheidet die Ausgangsposition über Erfolg oder Frust. Patrick wird hier deutlich: Das A und O ist eine athletische Grundhaltung. Die Brust kommt raus, der Rücken bleibt gerade, und die Vorneigung des Oberkörpers entsteht nicht aus einem krummen Rücken, sondern aus dem Becken. Golf wird so sogar zu einer guten Rückenschule, allerdings nur, wenn man es richtig macht.

Wer sich dagegen wie ein nasser Sack über den Ball beugt, kann sich gar nicht sauber verdrehen. Dann bleiben nur zwei schlechte Optionen: Entweder richtet sich der Körper während des Schwungs auf und der Kopf wandert unkontrolliert durch die Gegend, oder man kippt seitlich weg und drückt die Bandscheiben platt. Beides ist nicht nur ineffektiv, sondern auch ungesund. Ein stabiles, athletisches Setup ist deshalb die Voraussetzung dafür, dass die ohnehin komplexe Schwungbewegung überhaupt natürlich ablaufen kann.

Die 9-3-Uhr-Methode: Reine Rotation mit langen Armen

Um das Gefühl für die Körperrotation isoliert zu trainieren, empfiehlt Patrick eine einfache, aber wirkungsvolle Übung. Aus dem stabilen Setup heraus bewegt man die Arme – an der Brust fixiert und möglichst lang – ausschließlich über die Körperdrehung nach rechts und links. Mehr als ein Schwung von der 9-Uhr- zur 3-Uhr-Position entsteht dabei nicht, denn ab diesem Punkt müsste man zusätzliche Bewegung aus den Armen zulassen.

Entscheidend ist, dass die Arme sowohl im Ausholen als auch in der Endposition gerade bleiben. Sobald sie sich auch nur minimal beugen, waren die Armgelenke im Spiel. Wer wirklich nur aus der Rotation arbeitet, erlebt schnell, dass eine rhythmische, kontrollierte Bewegung entsteht – ganz ohne hektische Schnellkraft. Und weil der Oberkörper rund 30 Grad nach vorne geneigt ist, trifft der Schläger beim reinen Rotieren ganz automatisch den Boden. Genau das ist der Lerneffekt: sauberer Ball-Boden-Kontakt allein aus der Drehung.

Der Mythos vom gestreckten linken Arm

Kaum ein Ratschlag hält sich so hartnäckig wie „halte den linken Arm gestreckt”. Patrick widerspricht hier deutlich – mit einer wichtigen Einschränkung. Der linke Arm soll im Treffmoment gestreckt sein, und genau dann auch nur dann. Ihn dagegen schon in der Ansprechposition oder im Ausholen aktiv durchzustrecken, bezeichnet er als den Tod für den Golfschwung.

Der Grund liegt in der Anatomie. Wer den Arm aktiv durchstreckt, schiebt das Schultergelenk nach vorne und verliert die Verbindung zur wichtigen Schultermuskulatur rund um das linke Schulterblatt – genau jener Muskulatur, die für die Länge sorgt. Ein einfacher Selbsttest macht das spürbar: Hält man eine volle Wasserflasche mit komplett durchgestrecktem Arm vor dem Körper, ermüdet man schnell. Nimmt man die Schulter dagegen aktiv nach hinten unten und lässt eine minimale Beugung im Arm zu, steht plötzlich deutlich mehr Kraft zur Verfügung. Im letzten Teil der Ausholbewegung wollen wir genau diese Muskulatur laden. Das funktioniert nur mit langen, aber nicht aktiv überstreckten Armen.

Der scheinbar überstreckte Arm der Tour-Profis täuscht übrigens. Er ist nicht aktiv durchgedrückt, sondern durch die Übergangsbewegung vom Ausholen zurück zum Ball in maximale Vorspannung gebracht. Bänder und Sehnen sind voll aufgespannt – und genau das lässt den Arm im Abschwung optisch gestreckt wirken.

Vom Körper zur Länge: Beugen und Strecken der Arme

Mit reiner Körperrotation lassen sich Bälle realistisch nur 15 bis 20 Meter weit spielen. Erst wenn dieser Schritt sitzt, kommt die nächste Bewegung dazu: das Beugen und Strecken der Arme. Im Ausholen wird der Schläger aus den Händen nach oben hinten gehoben, wodurch der rechte Arm beugt. Beim Zurückdrehen werden die Arme dann aktiv nach unten zum Ball und zum Boden gestreckt – nicht zum Ziel.

Das ist der entscheidende Punkt. Der Durchschwung in Richtung Ziel entsteht nicht, weil die Arme dorthin gehen, sondern weil der Körper dorthin dreht. Schon mit 30 bis 40 Prozent Tempo lässt sich erleben, wie der Ball plötzlich drei- bis viermal so weit fliegt. Denn das Tempo kommt aus Armen und Händen, während der Körper die leitende und führende Bewegung übernimmt, damit dieser Streckimpuls im richtigen Moment stattfindet. Auch das berühmte lange Finish der Profis, bei dem sich die Arme vom Körper lösen, ist kein bewusstes Loslassen, sondern das Ergebnis von Fliehkräften und Massenträgheit.

Was beim Driver anders ist

Beim Driver wird der Ball nicht in der Abwärts-, sondern in der Aufwärtsbewegung getroffen. Trotzdem sind es dieselben Grundbewegungen wie beim Eisen. Der Unterschied entsteht über die Ansprechposition. Weil der Ball weiter links liegt und der Oberkörper im Verhältnis zum Unterkörper leicht nach rechts gekippt ist, führt dieselbe Streckbewegung der Arme nicht mehr zum Boden, sondern nach vorne – und trifft den Ball auf dem Tee in der Aufwärtsbewegung.

Damit verbunden ist gleich der nächste Mythos: „Kopf unten lassen” funktioniert nicht. Da wir die Wirbelsäule fair drehen und die Beine mitrotieren, bewegt sich der Kopf im Ausholen leicht nach rechts – bei den Eisen etwa eine halbe Kopfbreite, beim Driver sogar rund eine ganze. Wer den Kopf krampfhaft über dem Ball halten will, blockiert die saubere Körperrotation und bringt das gesamte System zum Einsturz. Den Driver als Übungsschläger für die reine Rotation empfiehlt Patrick allerdings nicht. Sobald man ihn in die Hand nimmt, kommt der Drang nach Länge – und damit kippt die ruhige Drehung schnell wieder in ein Schlagen aus den Armen.

Das kurze Spiel und der Wedge als idealer Lehrmeister

Wer die Bewegung sauber lernen will, beginnt am besten mit dem Wedge oder einem Eisen 9. Das hat gleich mehrere Gründe. Kürzere Schläger sind steiler gebaut, bleiben länger am Boden und machen den Treffmoment dadurch einfacher. Vor allem aber sorgt der schmale Stand mit nahezu zentraler Ballposition dafür, dass die seitliche Neigung des Oberkörpers fast wegfällt. Die Drehbewegung wird dadurch viel natürlicher.

Genau deshalb stehen auch die Profis im kurzen Spiel mit auffällig schmalem Stand am Ball. Die Verdrehung der Brustwirbelsäule ist die Basis für wiederholbare, einfache Treffer – ein Prinzip, das selbst auf der Tour gilt. Wer mit langsamem Tempo übt, sollte allerdings beachten, dass mit einem Hybrid oder einem langen Eisen kaum ein vernünftiger Ballflug entsteht. Der Pitching Wedge ist hier der deutlich dankbarere Lehrmeister.

Griff und Handgelenke: Warum sich das richtige Setup unbequem anfühlt

Ein weiterer Schlüssel liegt in der Positionierung der Hände. Der Griff der linken Hand fühlt sich anfangs bewusst nicht natürlich an – und das ist gewollt. Damit das Handgelenk den Schläger im Ausholen nach oben winkeln kann, muss die Hand zunächst leicht nach unten vorgestreckt am Griff liegen. Diese zunächst unbequeme Position löst sich im Schwung auf und ermöglicht erst den großen, kraftvollen Winkel.

Die rechte Hand arbeitet dagegen nicht nach oben und unten, sondern nach hinten und vorne, ähnlich der Bewegung einer Ohrfeige. Über das Beugen der rechten Hand beugt automatisch auch der rechte Arm, weil beide Hände miteinander verbunden sind. Wichtig zu wissen: Das Schließen der Schlagfläche im Treffmoment lässt sich nicht bewusst steuern – dafür ist der Treffmoment zu schnell und unser Nervensystem zu langsam. Dass der Schläger im richtigen Augenblick wieder schließt, ergibt sich aus Griffhaltung, Armpositionierung, dem natürlichen Winkeln und dem freien Strecken der Arme zum Boden. Alles hängt miteinander zusammen.

Sinnvoll trainieren: Geduld ist das eigentliche Erfolgsgeheimnis

So logisch die Theorie klingt, so anspruchsvoll ist die Umsetzung. Patrick empfiehlt deshalb, immer vom Langsamen zum Schnellen und vom Kleinen zum Großen zu arbeiten. Statt 100 Bälle pro Minute zu schlagen, geht es um bewusstes Training in kleinen Etappen. Eine bewährte Methode: sieben Bälle schlagen, dabei jeweils die Endposition erreichen und halten, den Ballkontakt bewusst wahrnehmen und prüfen, ob die Position so aussieht wie vorgestellt. Gelingt das mehr als vier von sieben Mal, folgt der nächste Schritt.

Der vielleicht wichtigste Rat aber ist, nicht alles auf einmal lernen zu wollen. Körperrotation, Setup, Beugen und Strecken, Griff – wer all das in eine einzige zweistündige Einheit packt, scheitert garantiert. Patrick zitiert einen bekannten deutschen Golf-Pro, der ihm einst sagte, man müsse nicht alles an einem Tag lernen. Aber wer jeden Tag eine Sache lernt, wird irgendwann richtig gut.

Fazit

Die zweite Folge mit Patrick Limbecker macht eines klar: Es gibt nicht den einen Geheimtrick, aber es gibt eine klare Hierarchie. Am Anfang steht immer ein stabiles, athletisches Setup. Darauf folgt die saubere Körperrotation als Motor des gesamten Schwungs. Erst danach kommen das bewusste Beugen und Strecken der Arme, die für Länge sorgen. Wer diese Reihenfolge respektiert, gängige Mythen wie den durchgestreckten linken Arm oder den fixierten Kopf hinter sich lässt und geduldig in kleinen Schritten trainiert, kommt dem Ziel jeder Golf-Journey ein gutes Stück näher: einem wiederholbaren Schwung, der auch unter Druck trägt. Die ehrliche Erkenntnis zum Schluss bleibt, dass perfekte Gleichmäßigkeit selbst Profis nicht gelingt – aber genau in diesem realistischen, umsetzbaren Anspruch liegt der eigentliche Wert dieser Episode.

Der Deutsche Golf Verband hat zum Jahresbeginn 2026 seine Mitgliederzahlen für das Jahr 2025 vorgelegt – und auf den ersten Blick ist die Botschaft eindeutig: Noch nie spielten so viele Menschen organisiert Golf in Deutschland wie heute. 695.617 registrierte Golfspielerinnen und Golfspieler zum Stichtag 30. September 2025 bedeuten ein Wachstum von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit ein neues Allzeithoch in der 115-jährigen Verbandsgeschichte. Gleichzeitig hat die Sommerfeld AG im April 2026 ihren jährlichen Golfreport veröffentlicht – bereits die siebte Ausgabe der umfangreichsten Branchenstudie zum deutschen Golfmarkt. Erstmals mit Fachbeiträgen renommierter Expertinnen und Experten, richtet sich der Report 2026 bewusst nach vorn: Wie sieht Golf in Deutschland im Jahr 2035 aus, und welche Entscheidungen müssen heute getroffen werden, um diesen Weg zu gestalten? Die Antworten dahinter sind weniger eindeutig, als die Rekordzahl vermuten lässt. Denn unter der Oberfläche verbirgt sich ein Markt im tiefgreifenden Strukturwandel: Das klassische Clubgolf stagniert faktisch, eine neue Generation von Golfern lehnt feste Mitgliedschaften ab, und demografische Verwerfungen in der Altersstruktur zeigen, welche Gruppen der Golfsport gerade zu verlieren droht.

Golf in Deutschland 2025: Die Rekordzahl und was sie aber verheimlicht

695.617 Golferinnen und Golfer — das klingt imposant, und in absoluten Zahlen ist es das auch. Doch wer einen Blick auf die Wachstumsdynamik wirft, erkennt schnell, dass das Bild differenzierter ist.

Im Deutschen Olympischen Sportbund belegt der DGV Rang acht unter allen Sportverbänden. Allein der Deutsche Fußball-Bund gewann im Jahr 2024 mehr als 833.000 neue Mitglieder – eine Zahl, die in einem einzigen Jahr die gesamte Mitgliedschaft des DGV übersteigt. Das ist kein Vorwurf an den Golfsport, sondern ein nüchterner Maßstab für die gesellschaftliche Reichweite.

Über zehn Jahre betrachtet ist der DGV um rund 52.000 Mitglieder gewachsen, was einem Anstieg von 8,2 Prozent entspricht. Das klingt solide – bis man bedenkt, dass der Fußball ähnliche Zuwächse statistisch gesehen in weniger als einem Monat erreicht. Der Golfreport 2026 formuliert es nüchtern: Der Anteil des organisierten Golfs an allen DOSB-Mitgliedschaften liegt bei 0,8 Prozent. Das zeigt den Weg, der noch vor dem Sport liegt, wenn er mehr gesellschaftliche Sichtbarkeit gewinnen möchte.

Auch in bestimmten Altersgruppen sinkt die Mitgliederzahl, wie wir im weiteren Verlauf des Artikels feststellen werden. Es ist also nicht alles Gold, was glänzt, und man sollte die Zahlen mit einem gewissen Weitblick sehen.

Wer wächst wirklich? Das gespaltene Bild der Nachfrage

Dass die Gesamtzahl steigt, täuscht darüber hinweg, dass der Zuwachs aus zwei sehr unterschiedlichen Quellen stammt und klassische Golfklubs daran weniger Anteil haben, als der erste Blick vermuten lässt.

Junge Erwachsene entdecken Golf neu

Die auffälligste Bewegung im deutschen Golfmarkt 2025 findet in der Altersgruppe der 19- bis 40-Jährigen statt. Die 21- bis 26-Jährigen legten zwischen 2020 und 2025 um 32,3 Prozent zu, die 27- bis 35-Jährigen um 30 Prozent. Das sind keine marginalen Verschiebungen, sondern strukturelle Signale, dass Golf zunehmend als moderner Freizeit- und Lebensstilsport wahrgenommen wird — begünstigt durch flexiblere Mitgliedschaftsmodelle, digitale Sichtbarkeit über Social Media und ein Sportimage, das sich in den letzten Jahren spürbar gewandelt hat.

Der DGV selbst erklärt diesen Trend mit zielgruppengerechten Einstiegsangeboten, günstigeren Jungtarifen und einem zeitgemäßen Kommunikationsauftritt. Die Botschaft: Golf wird nicht länger ausschließlich als Eliten- oder Rentnersport wahrgenommen.

Der Aufstieg der clubfreien Golfer

Noch dramatischer ist der Wachstumskurs der Vereinigung clubfreier Golfspieler im DGV (VcG). Während die in klassischen Clubs organisierten Golfer in zehn Jahren um 6,85 Prozent zulegten, wuchs die VcG im selben Zeitraum um 43,98 Prozent — von 22.709 auf 32.698 Mitglieder im Jahr 2025.

Die VcG steht exemplarisch für einen neuen Golfertypus, der keine feste Anlage sucht, sondern Flexibilität und geringen Kosteneinstieg priorisiert. Mitgliedsbeiträge ab knapp 17 Euro im Monat ermöglichen Greenfee-Spielen auf der überwältigenden Mehrheit deutscher Plätze. Das Profil dieser Golfer, das die VcG-Mitgliederbefragung 2025 zeichnet, ist aufschlussreich: 30,7 Prozent sind sogenannte lokale Hobbygolfer mit durchschnittlich 14 Runden auf drei verschiedenen Plätzen pro Jahr. Fast 27,5 Prozent spielen noch weniger — gerade einmal vier Runden im Jahr auf zwei Plätzen. Und: Rund zwei Drittel aller gespielten Runden sind 9-Loch-Runden.

Golf wird für eine wachsende Gruppe kein Sport mehr, dem man sich mit Club und Identität verschreibt, sondern eine Freizeitoption neben vielen anderen — gespielt wenn die Zeit es erlaubt, kurzfristig gebucht, ohne langfristige Verpflichtung.

Der stille Einbruch: Warum eine ganze Generation Golf verlässt

Hinter den positiven Gesamtzahlen verbirgt sich eine Entwicklung, die weit weniger Aufmerksamkeit bekommt, als sie verdient: In den Altersgruppen zwischen 41 und 55 Jahren verliert der deutsche Golfsport massiv Spieler.

Die 51- bis 55-Jährigen haben sich von 2020 bis 2025 um 36,3 Prozent reduziert — das bedeutet über 21.000 Golfer weniger in dieser Altersgruppe allein. Die 41- bis 50-Jährigen schrumpften um 14,4 Prozent, ein Verlust von mehr als 10.000 Spielern. Zusammen ergibt das einen Schwund von über 32.000 Golfern — mehr als das gesamte Nettowachstum des Verbandes in einem Jahrzehnt.

Die Folgewirkung ist gravierend: Genau diese Altersgruppe bildet traditionell das familiäre Umfeld golfspielender Kinder. Wer mit 45 aufhört, bringt seinen Kindern Golf womöglich nie bei. Dass die Kinderzahlen parallel rückläufig sind — 2024 waren es nur noch 42.247 Kinder und Jugendliche, ein Minus von 1,5 Prozent — ist vermutlich kein Zufall.

Mehr Golfer, weniger Plätze: Die strukturelle Klemme des deutschen Golfmarktes

Die Zahl der Golfanlagen in Deutschland sinkt weiter. 2025 zählte der DGV 721 Anlagen — fünf weniger als im Vorjahr, und kumuliert sieben weniger als vor zehn Jahren. Der Golfreport 2026 kommt zu einem klaren Befund: In neue Golfanlagen an zusätzlichen Standorten wird derzeit kaum investiert. Das traditionelle Marktsegment hat nach Einschätzung der Autoren sein Wachstumslimit erreicht.

Gleichzeitig zeigen die Betriebszahlen, dass viele Anlagen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehen. Arbeitskosten, Energiepreise, Treibstoffe und Verbrauchsmaterialien sind seit Jahren überdurchschnittlich gestiegen. Zahlreiche Golfanlagen wurden in den 1990er Jahren errichtet, ihre Infrastruktur ist technisch veraltet und erneuerungsbedürftig — Beregnungssysteme, Wege, Maschinenparks. Doch wer knapp wirtschaftet, schiebt notwendige Investitionen auf und riskiert damit einen schleichenden Qualitätsverlust, der langfristig Mitglieder kostet.

Immerhin: Drei Viertel der befragten Anlagen zeigen sich mit ihrer Geschäftsentwicklung 2025 zufrieden oder sehr zufrieden, und 94 Prozent bewerten ihre wirtschaftliche Gesamtlage als gut oder befriedigend. Das Bild ist also heterogen — es gibt Gewinner und Verlierer, und der Abstand zwischen beiden wird tendenziell größer.

Golf 2035: Die drei Zukunftsthemen, die heute entschieden werden

Der Golfreport 2026 stellt die Frage, wie Golf in Deutschland im Jahr 2035 aussehen wird. Drei Themenfelder werden dabei als entscheidend benannt.

Nachhaltigkeit: Wasser als Schlüsselfaktor

Wasser ist nach Einschätzung internationaler Experten der wichtigste limitierende Faktor für den Golfsport in den kommenden Jahrzehnten. Deutschland gilt derzeit als vergleichsweise gut versorgt — doch die Einführung von Wassergebühren in fast allen Bundesländern, die zunehmende Reduzierung bewilligter Entnahmemengen und die wachsende Zahl trockener Sommer deuten auf eine Zeitenwende hin.

Problematisch ist dabei, dass die deutsche Golfbranche bislang nicht einmal über einen belastbaren Datensatz verfügt, der den durchschnittlichen Wasserverbrauch von Golfanlagen dokumentiert. Ein einziger regionaler Verband — der Bayerische Golfverband — hat erste eigene Erhebungen durchgeführt. Eine einheitliche Nachhaltigkeitsstrategie des DGV ist seit 2024 in Entwicklung, aber noch nicht veröffentlicht.

Künstliche Intelligenz im Golfmanagement

KI-gestützte Tools für Content-Produktion, Mitgliederkommunikation, Greenfee-Steuerung und Platzpflege sind längst keine Zukunftsmusik mehr. Im Management von Golfclubs und -anlagen nimmt ihr Einsatz spürbar zu — von SEO-Assistenten über automatisierte Newsletter bis hin zu Sensor-gestütztem Bewässerungsmanagement. Wer heute die Datenbasis und Prozesse nicht vorbereitet, wird morgen den Anschluss verpassen. Die zentrale Erkenntnis aus dem Report: Führungskräfte stehen nicht mehr vor der Frage, ob KI integriert werden soll, sondern wie.

Die Driving Range als strategisches Profit-Center

International zeigen Konzepte wie Topgolf, wohin die Reise geht: Ein durchschnittlicher Standort generiert zwischen 15 und 25 Millionen US-Dollar Jahresumsatz — davon kommen nur rund 30 Prozent aus dem eigentlichen Ballverkauf, der Rest aus Gastronomie, Firmen-Events und Sponsoring. In den Niederlanden konnte ein Radar-Tracking-System an Partneranlagen die Umsätze im Schnitt um 220 Prozent steigern.

In Deutschland ist dieses Potenzial noch weitgehend ungehoben. TrackMan Range ist auf 36 deutschen Anlagen im Einsatz, TopTracer auf 10. Wer die Driving Range heute noch als Trainingsnebenanlage betrachtet, lässt erhebliche wirtschaftliche Chancen ungenutzt.

Fazit: Ein Sport zwischen Rekordzahl und Scheideweg

Golf in Deutschland erlebt numerisch seinen besten Moment. Die Rekordzahl von 695.617 organisierten Golferinnen und Golfern ist real, und das Wachstum unter jungen Erwachsenen gibt echten Anlass zur Zuversicht. Doch wer die Zahlen tiefer liest, erkennt: Der Markt verändert sich grundlegend.

Das klassische Clubgolf stagniert. Die VcG und flexible Mitgliedschaftsmodelle wachsen, weil sie besser zu einer Gesellschaft passen, die Freizeit kurzfristiger plant und Bindungen flexibler eingeht. Eine ganze mittlere Altersgruppe verlässt den Sport — mit Folgen für den Nachwuchs, die sich noch nicht in den Gesamtzahlen widerspiegeln. Und die Infrastruktur — weniger Plätze, älter werdende Anlagen, steigender Kostendruck — lässt wenig Spielraum für Selbstzufriedenheit.

Die Frage, die der Golfreport 2026 stellt, ist deshalb die richtige: Welche Entscheidungen werden heute getroffen, damit Golf in Deutschland 2035 nicht nur mehr Golfer zählt, sondern einen strukturell gesunden, wirtschaftlich stabilen und gesellschaftlich sichtbaren Markt vorweisen kann?

Die Antwort liegt nicht in den Zahlen allein. Sie liegt in dem, was Clubs, Verbände, Betreiber — und letztlich jeder einzelne Golfer — daraus machen

Podcast zum Thema

Hört euch den Golf-Podcast zum thema an und diskutiert mit mir über die Zahlen und die Entwicklung.


Noch nie spielten so viele Menschen in Deutschland organisiert Golf wie heute: 695.617 registrierte Golferinnen und Golfer meldet der Deutsche Golfverband (DGV) zum Stichtag 30. September 2025, ein Allzeithoch in 115 Jahren Verbandsgeschichte. Doch der Golf-Report 2026 der Sommerfeld AG zeigt, dass hinter der Rekordzahl ein Markt im Strukturwandel steckt. Junge Erwachsene strömen in den Sport, während eine ganze mittlere Altersgruppe Golf leise verlässt. Flexible Mitgliedschaftsmodelle boomen, der klassische Golfclub stagniert, und die Zahl der Golfanlagen sinkt weiter. Der deutsche Golfsport steht damit an einem Scheideweg: Die Entscheidungen, die heute getroffen werden, bestimmen, wie Golf in Deutschland im Jahr 2035 aussehen wird. In einer Sonderfolge des NextFairway Podcasts habe ich den Report im Detail analysiert. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Rekordzahlen beim DGV: Warum das Allzeithoch nur die halbe Wahrheit ist

Auf den ersten Blick könnte die Botschaft kaum besser sein. Mit einem Wachstum von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreicht der organisierte Golfsport in Deutschland einen historischen Höchststand. Über zehn Jahre betrachtet ist der DGV um rund 52.000 Mitglieder gewachsen, ein Plus von 8,2 Prozent.

Doch die Einordnung relativiert das Bild. Im Deutschen Olympischen Sportbund belegt der DGV lediglich Rang 8 unter allen Sportverbänden. Allein der Deutsche Fußballverband gewann im Jahr 2024 mehr als 833.000 neue Mitglieder, also mehr in einem einzigen Jahr, als der DGV insgesamt an Mitgliedern zählt. Der Anteil des organisierten Golfsports an allen DOSB-Mitgliedschaften liegt bei gerade einmal 0,8 Prozent. Der Golf-Report 2026 formuliert es nüchtern: Das zeigt den Weg, der noch vor dem Sport liegt, wenn er mehr gesellschaftliche Sichtbarkeit gewinnen möchte.

Junge Golfer im Aufwind: Golf wird zum Lifestyle-Sport

Die auffälligste Bewegung im deutschen Golfmarkt 2025 findet in der Altersgruppe der 19- bis 40-Jährigen statt. Die 21- bis 26-Jährigen legten zwischen 2020 und 2025 um 32,3 Prozent zu, die 27- bis 35-Jährigen um 30 Prozent. Das sind keine marginalen Verschiebungen, sondern strukturelle Signale: Golf wird zunehmend als moderner Freizeit- und Lebensstilsport wahrgenommen.

Begünstigt wird dieser Trend durch flexiblere Mitgliedschaftsmodelle, günstigere Jungtarife, zielgruppengerechte Einstiegsangebote und eine deutlich gewachsene digitale Sichtbarkeit. Auf Instagram, TikTok und YouTube ist die Golf-Community so lebendig wie nie. Golf wird nicht länger ausschließlich als Eltern- oder Rentnersport gesehen, sondern als hippes Event, über das berichtet, gefilmt und diskutiert wird.

VCG und flexible Mitgliedschaften: Der neue Golfertypus

Exemplarisch für den Wandel steht die Vereinigung clubfreier Golfspieler (VCG). Sie repräsentiert einen Golfertypus, der keine feste Anlage sucht, sondern Flexibilität und einen geringen Kosteneinstieg. Beiträge ab knapp 17 Euro im Monat ermöglichen es Greenfee-Spielern, auf der überwältigenden Mehrheit deutscher Plätze zu spielen.

Die VCG-Mitgliederbefragung 2025 zeichnet ein klares Profil: 30,7 Prozent sind lokale Hobby-Golfer mit durchschnittlich 14 Runden auf drei verschiedenen Plätzen pro Jahr. Fast 27,5 Prozent spielen sogar nur rund vier Runden im Jahr. Und zwei Drittel aller gespielten Runden sind 9-Loch-Runden. Wer im Job steht und Familie hat, für den ist die klassische 18-Loch-Runde eher die Ausnahme. Golf wird für eine wachsende Gruppe zur kurzfristig planbaren Freizeitoption, nicht mehr zur langfristigen Bindung.

Der stille Einbruch: Warum die Altersgruppe 41 bis 55 den Golfsport verlässt

Hinter den positiven Gesamtzahlen verbirgt sich eine Entwicklung, die weit weniger Aufmerksamkeit bekommt, als sie verdient. In den Altersgruppen zwischen 41 und 55 Jahren verliert der deutsche Golfsport massiv Spieler. Die 51- bis 55-Jährigen haben sich von 2020 bis 2025 um 36,3 Prozent reduziert, das sind über 21.000 Golfer weniger in nur fünf Jahren. Die 41- bis 50-Jährigen schrumpften um 14,4 Prozent, ein Verlust von mehr als 10.000 Spielern. Zusammen ergibt das einen Schwund von über 32.000 Golfern.

Die Folgewirkung ist gravierend. Genau diese Altersgruppe bildet traditionell das familiäre Umfeld golfspielender Kinder. Wer mit 45 aufhört, bringt seinen Kindern Golf nicht mehr bei und fördert den Nachwuchs nicht mehr. Diese Effekte spiegeln sich noch nicht in den Gesamtzahlen wider, sie werden erst in den kommenden Jahren sichtbar werden.

Weniger Golfplätze trotz mehr Golfern: Die strukturelle Klemme

Während die Mitgliederzahlen steigen, sinkt die Zahl der Golfanlagen in Deutschland weiter. 2025 zählte der DGV 721 Anlagen, fünf weniger als im Vorjahr und kumuliert sieben weniger als vor zehn Jahren. Der Befund des Golf-Reports ist eindeutig: In neue Golfanlagen an zusätzlichen Standorten wird derzeit kaum investiert. Das traditionelle Marktsegment hat sein Wachstumslimit erreicht.

Gleichzeitig stehen viele Anlagen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Arbeitskosten, Energiepreise, Treibstoffe und Verbrauchsmaterialien sind seit Jahren überdurchschnittlich gestiegen. Zahlreiche Golfanlagen stammen aus den 90er Jahren, ihre Infrastruktur ist zum Teil technisch veraltet: Beregnungssysteme, Wege und Maschinenparks sind erneuerungsbedürftig. Doch wer knapp wirtschaftet, kann nicht ausreichend investieren.

Immerhin: Drei Viertel der befragten Anlagen zeigen sich mit ihrer Geschäftsentwicklung 2025 zufrieden oder sehr zufrieden, 94 Prozent bewerten ihre wirtschaftliche Gesamtlage als gut oder befriedigend. Das Bild ist heterogen, es gibt Gewinner und Verlierer. Der Abstand zwischen beiden wird allerdings tendenziell größer.

Die drei Zukunftsthemen des Golf-Reports 2026

Der Golf-Report 2026 stellt die entscheidende Frage: Wie sieht Golf in Deutschland im Jahr 2035 aus und welche Entscheidungen müssen heute getroffen werden? Drei Themenfelder benennt der Report als entscheidend.

Nachhaltigkeit: Wasser als limitierender Faktor

Wasser ist nach Einschätzung internationaler Experten der wichtigste limitierende Faktor für den Golfsport in den kommenden Jahrzehnten. In Deutschland sieht die Versorgungslage vergleichsweise gut aus. Doch die Einführung von Wassergebühren in fast allen Bundesländern, die zunehmende Reduzierung bewilligter Entnahmemengen und die wachsende Zahl trockener Sommer deuten auf eine Zeitenwende hin. Wenn schon das Befüllen privater Pools in heißen Sommern zur Diskussion steht, stellt sich die Frage, wie die Bewässerung von Golfanlagen künftig funktionieren soll.

Künstliche Intelligenz im Golfmanagement

KI-gestützte Tools für Content-Produktion, Mitgliederkommunikation, Greenfee-Steuerung und Platzpflege sind längst keine Zukunftsmusik mehr. Vom SEO-Assistenten für die digitale Sichtbarkeit über automatisierte Newsletter bis hin zum sensorgestützten Bewässerungsmanagement reichen die Möglichkeiten. Führungskräfte in Golfclubs stehen nicht mehr vor der Frage, ob KI integriert werden sollte, sondern wie und wann. Wer Datenbasis und Prozesse nicht vorbereitet, wird in Zukunft ein erhebliches Problem bekommen.

Die Driving Range als strategisches Profit Center

International zeigen Konzepte wie Topgolf, wohin die Reise gehen kann. Ein durchschnittlicher Standort generiert zwischen 15 und 25 Millionen US-Dollar Jahresumsatz, davon stammen nur 30 Prozent aus dem eigentlichen Ballverkauf, der Rest aus Gastronomie, Firmenevents und Sponsoring. In den Niederlanden konnte ein Radartracking-System an Partneranlagen die Umsätze im Schnitt um 200 Prozent steigern. In Deutschland ist dieses Potenzial weitgehend ungehoben: TrackMan Range ist auf gerade einmal 36 von über 700 deutschen Anlagen im Einsatz. Wer die Driving Range heute noch als Trainingsnebenfläche betrachtet, lässt erhebliche wirtschaftliche Chancen ungenutzt.

Fazit: Der deutsche Golfsport braucht jetzt die richtigen Entscheidungen

Golf in Deutschland erlebt numerisch den besten Moment seiner Geschichte. Die Rekordzahl von 695.617 organisierten Golferinnen und Golfern ist real, und das Wachstum unter jungen Erwachsenen gibt echten Anlass zur Zuversicht. Doch wer die Zahlen tiefer liest, erkennt einen Markt im grundlegenden Wandel: Der klassische Golfclub stagniert, flexible Modelle wachsen, eine ganze mittlere Altersgruppe verlässt den Sport mit Folgen für den Nachwuchs, und die Infrastruktur lässt mit weniger Plätzen, alternden Anlagen und steigendem Kostendruck wenig Spielraum für Selbstzufriedenheit.

Die zentrale Frage lautet: Welche Entscheidungen müssen heute getroffen werden, damit Golf in Deutschland 2035 nicht nur mehr Zahlen erzählt, sondern einen strukturell gesunden, wirtschaftlich stabilen und gesellschaftlich sichtbaren Markt vorweisen kann? Die Antwort ist nicht trivial. Aber die Golf-Community lebt, sie wächst auf Social Media und YouTube, und genau hier liegt die Chance: mehr Bewusstsein schaffen, zusammenrücken und den Wandel aktiv gestalten.

Die komplette Analyse mit allen Zahlen und meiner persönlichen Einordnung gibt es in der aktuellen Sonderfolge des NextFairway Podcasts, überall dort, wo es Podcasts gibt, sowie auf YouTube.

Über 15 Jahre Profihandball, ausverkaufte Hallen, Abstiegskampf in der letzten Sekunde – Konstantin Madert kennt Druck wie kaum ein anderer. Doch dann stellt er sich mit drei Zuschauern im Rücken an die T-Box und erlebt eine Nervosität, die er aus keiner Halle der Welt kennt.

In dieser Podcast-Episode erzählt der Handballtorwart und Golf-Content-Creator, wie er zum Golf kam, warum seine mentalen Tools aus dem Profisport auf dem Platz plötzlich versagen und wie er mit erstaunlich strukturiertem Training in Richtung Single-Handicap marschiert. Dazu spricht er über seine große Mission: zu zeigen, wie cool Golf wirklich ist. Eine Episode über Druck, Demut und die Lust am Spiel – die garantiert Lust macht, selbst die Schläger zu packen.

Wie ein Handballprofi den Golfsport für sich entdeckte

Konstantin Madert, von vielen nur Kosta genannt, steht seit seinem 13. Lebensjahr im Handballtor. 24 Jahre Profisport, sechs bis sieben Trainingseinheiten pro Woche, heute spielt der 37-Jährige in der dritten Liga in der Nähe von Oldenburg. Dass ausgerechnet er beim Golf landet, verdankt er zwei Menschen: seinem Trainer Daniel Kubasch, einem passionierten Golfer mit Single-Handicap, der regelmäßig mit Titleist-Cap zum Training erschien – und seiner Mutter, die ihm einen Platzreife-Gutschein schenkte. 2020 löste Kosta diesen in Bad Griesbach ein, absolvierte eine Intensiv-Platzreife mit Eins-zu-eins-Training und war sofort infiziert.

Was ihn am Golf packte, ist ausgerechnet das, was seinem bisherigen Sportlerleben komplett widerspricht: die Ruhe, das Für-sich-Sein, die volle Eigenverantwortung. Im Handball lässt sich eine Niederlage auf das Team, den Gegner oder die Umstände schieben. Beim Golf gibt es diese Ausrede nicht. Nur du, dein Kopf und dein Schläger – so bringt es Kosta im Gespräch auf den Punkt.

Druck auf der T-Box: Warum 5.000 Zuschauer leichter sind als drei

Einer der spannendsten Momente der Episode ist Kostas Vergleich der Drucksituationen. Vor 5.000 Zuschauern in der Halle zu stehen, ausgepfiffen zu werden, in der letzten Sekunde die Klasse zu halten – all das kann er abrufen, das Programm läuft automatisch ab. Doch sobald drei Leute hinter ihm an der T-Box stehen, ist alles anders. Golf erzeugt für ihn eine Druckvariation, die er in seiner gesamten Profikarriere so nicht erlebt hat.

Das Verrückte daran: Kosta kennt sämtliche mentalen Werkzeuge aus dem Leistungssport. Boxatmung, Affirmationen, Framing – im Handball gehören sie zu seinem Alltag. Auf dem Golfplatz aber findet er die Momente nicht, in denen er sie einsetzen könnte. Erst Gespräche mit Mental-Coach Luisa und Tipps von Spielpartnern öffneten ihm die Augen: Der Weg vom Grün der Eins zum Abschlag der Zwei kann der richtige Ort für eine Affirmation sein, das Verlassen der T-Box ein bewusster Schnitt, der den Stress hinter sich lässt. Eine wertvolle Erkenntnis für jeden Golfer, der die Diskrepanz zwischen Driving Range und Platz kennt.

Golftraining mit System: Drei Coaches und ein klarer Plan

Wer glaubt, ein Profisportler spiele einfach drauflos, irrt gewaltig. Kosta trainiert sein Golfspiel mit derselben Arbeitsethik, die ihn durch zwei Jahrzehnte Profihandball getragen hat. Drei Trainer begleiten ihn dabei: Markus Bruns für das kurze Spiel, Noah Knob für das Putten und Kimberly Sommer für den gesamten Rest. In einem Notizbuch hält er fest, an welchen Baustellen er arbeiten muss.

Sein Training folgt einem klaren Muster: Beim Putten arbeitet er drei bis fünf Übungen in kompakten 20 bis 25 Minuten ab, beim Chippen spielt er nach kurzer Aufwärmphase gezielt Fünferpäckchen auf konkrete Ziele und bewertet jeden Ball direkt. Bei den langen Schlägen kombiniert er Technikarbeit am Takeaway mit Anwendungstraining: Ein Radar misst seine Schläge, zufällig ausgeworfene Distanzen muss er mit maximal drei Bällen anspielen. Dieses bewusste, zielorientierte Üben unterscheidet ihn von vielen Amateuren, die auf der Driving Range einfach nur Bälle schlagen – und erklärt seine bemerkenswerte Handicap-Entwicklung.

Die Handicap-Journey in Richtung Single-Handicap

Kostas Weg begann mit der Platzreife und einem Handicap von 51. Lange Zeit stagnierte er bei 30, auch weil ihm frühe Turniererfahrungen die Lust nahmen – ein älterer Mitspieler, der ihm über 18 Löcher ungefragt den Golfsport erklärte, wirkt bis heute nach. Doch zuletzt nahm die Entwicklung Fahrt auf: Mit Handicap 21 startete er ins vergangene Jahr, mit 14 ging er heraus. Sein realistisches Spielniveau schätzt er inzwischen zwischen 8,5 und 10 ein. In diesem Jahr will er gezielt Turniere angreifen – das Single-Handicap ist das erklärte Ziel.

Wie groß der Abstand zur Weltspitze dennoch bleibt, erlebte er bei einer Runde mit Tour-Profi Anton Albers auf dem noch unfertigen Platz Green Eagle West: kein Birdiebook, keine Yardages – und ein Profi, der trotzdem auf fünf Meter genau sagen kann, wohin er spielt. Eine andere Sportart, wie Kosta es nennt.

Mission Golf-Content: Zeigen, wie cool dieser Sport ist

Parallel zur eigenen Golf-Journey hat sich Kosta eine zweite Karriere aufgebaut: als Golf-Content-Creator. Was mit einem einzelnen Post vom Golfplatz begann, ist heute ein hundertprozentiger Golf-Account – und mittlerweile ein relevantes Stück seines Einkommens. Seine Mission formuliert er dabei klar: zeigen, wie cool Golf wirklich ist. Die Wurzeln des Sports, Etikette und Tradition dürfen bleiben. Aber das verstaubte Korsett drumherum möchte er aufbrechen.

Konkret stört ihn vieles, was gerade Einsteigern das Leben schwer macht: die Platzreife als kostenpflichtige Prüfung, Dresscode-Diskussionen auf der Driving Range, Greenfee-Aufschläge für VCG-Spieler. Sein Appell an die Golfwelt: offener werden, Anfängern mit Verständnis statt Belehrung begegnen – denn alle haben einmal angefangen. Mit einer Videoreihe in Kooperation mit der VCG will er zudem deutsche Golfplätze modern und nahbar präsentieren. Und auch unternehmerisch ist er aktiv: Mit dem 18 Under Golf Club vertreibt er hochwertig designte Pitchgabeln und Ballmarker. Dass sein Putter pink ist – seine Tochter durfte die Farbe aussuchen – passt da nur ins Bild: Golf darf Spaß machen, Provokation inklusive.

Fazit: Eine Episode über Druck, Struktur und Spielfreude

Das Gespräch mit Konstantin Madert zeigt eindrucksvoll, dass es nicht den einen Weg zum guten Handicap gibt – aber dass Struktur, Demut und Spielfreude eine ziemlich gute Kombination sind. Ein Profisportler, der beim Golf noch einmal bei null anfängt, mentale Gewissheiten über Bord werfen muss und gerade daraus seine Faszination zieht: Das macht diese Episode für Golfer aller Spielstärken hörenswert. Sein wichtigster Rat an alle Anfänger bringt es am Ende auf den Punkt: Alle haben einmal angefangen, niemandem muss etwas peinlich sein – habt einfach Spaß, denn Golf macht Spaß. Die komplette Episode mit Konstantin Madert gibt es jetzt überall, wo es Podcasts gibt. Reinhören lohnt sich.

Du trainierst regelmäßig. Dein Schwung wird stabiler. Und trotzdem fühlt sich das Spiel irgendwie nicht rund an. Die Bälle streuen mehr, als sie sollten, das Eisen landet nicht da, wo du es hinschickst, und auf dem Grün läuft es auch nicht so, wie du es dir vorstellst. Was viele in dieser Situation als Technikproblem abhaken, hat oft einen anderen Grund: das Equipment passt schlicht nicht zum Schwung.

Genau darum geht es in dieser NextFairway-Episode. Maxi Pahn, Golflehrer, PGA Professional und Gründer des Golf Performance Instituts in Berlin, erklärt, was modernes Golf-Fitting heute leisten kann – und warum der Mythos „erst besser werden, dann fitten” so hartnäckig wie falsch ist. Ich selbst war nach zwölf Jahren Golfpause direkt in diese Frage reingestolpert: Wann ist der richtige Moment, sich die eigene Ausrüstung wirklich genau anschauen zu lassen?

„Erst besser werden, dann fitten” – stimmt das wirklich?

Es ist wohl der verbreitetste Irrglaube im Golfsport: Erst wenn der Schwung sitzt, lohnt sich ein Fitting. Bis dahin reicht das Anfängerset vom Freund oder ein günstiger Gebrauchtsatz aus dem Netz.

Maxi sieht das differenzierter. Natürlich macht es Sinn, dass Neueinsteiger zunächst ein Gefühl für den Sport entwickeln, bevor sie viel Geld in Equipment investieren. Aber schon früh kann ein falsch proportionierter Schläger Probleme verursachen, die weit über Unbequemlichkeit hinausgehen. Wenn ein Jugendspieler mit einem Satz antritt, der viel zu schwer für seine Körperkraft ist, gewöhnt er sich nicht nur einen schlechten Schwung an – er riskiert auch Verletzungen. Dasselbe gilt umgekehrt: Wer als kräftiger Spieler mit einem viel zu weichen Schaft unterwegs ist, bekommt vom Schläger nicht das Feedback, das er für einen kontrollierten Schwung braucht.

Ein erstes Fitting muss also kein Luxus für Low-Handicapper sein. Es geht vielmehr darum, frühzeitig zu schauen, was du schon im Bag hast – und ob es überhaupt zu dir passt.

Was modernes Fitting heute wirklich messen kann

Vor fünfzehn Jahren bedeutete ein Fitting oft: Ein Gerät misst deine Schwunggeschwindigkeit, und daraus leitet jemand eine grobe Empfehlung ab. Das war es. Maxi beschreibt, wie weit sich die Technologie seitdem entwickelt hat.

Im Golf Performance Institut arbeiten sie mit Foresight-Technologie – Hochgeschwindigkeitskameras, die im Bruchteil einer Sekunde tausende von Bildern aufnehmen und dabei nicht nur die Schwunggeschwindigkeit erfassen, sondern ein vollständiges Bild deines Schlags zeichnen: den Eintreffwinkel des Schlägers am Ball, die Flugrichtung, den Abflugwinkel, die Sprate, die Ballhöhe und den Landewinkel. Diese Daten zusammen ergeben erst das vollständige Bild.

Wer draußen mit Trackman arbeitet, erhält über Radartechnologie vergleichbare Werte – allerdings abhängig von Einstellungen und Ballqualität. Ein Rangeball ist nie mit einem Tourball vergleichbar, und auch 25 Grad Sonne ohne Wind lassen sich in Deutschland nicht immer bestellen. Für das Fitting selbst bevorzugt Maxi daher Laborbedingungen: drinnen, mit Tourball, unter kontrollierten Umständen – damit die Daten, die rauskommen, auch wirklich verlässlich sind.

Länge ist das falsche Ziel – worauf es beim Eisen-Fitting wirklich ankommt

Hier räumt Maxi mit einem weiteren Missverständnis auf. Wer sein Eisen fitten lässt und dabei vor allem auf Länge optimiert, hat das Ziel verfehlt. Denn was nützt dir ein Eisen, das 140 Meter fliegt, wenn der Ball auf dem Grün nicht liegenbleibt?

Der entscheidende Faktor bei Annäherungsschlägen ist die Kombination aus Flughöhe, Landewinkel und Spin. Nur wenn diese drei Werte stimmen, bleibt der Ball in der Landezone – statt über das Grün zu springen und einen Schlag zu kosten statt zu retten. Maxi vergleicht das mit der Arbeit eines Formel-1-Mechanikers: Es geht darum, an jeder kleinen Schraube des Boliden zu drehen, damit die Gesamtperformance stimmt. Nicht nur einer einzigen.

Beim Fitting werden deshalb Schlägerkopf, Schaft und Griff immer als Einheit betrachtet. Welcher Loft, welches Gewicht, welche Flexibilität, welches Schwunggewicht – all das beeinflusst, wie ein Ball landet. Und genau diese Kombination ist für jeden Spieler eine andere.

Wer schlechter trifft, braucht kein schlechteres Fitting

Eine berechtigte Frage, die ich Maxi gestellt habe: Ist es nicht extrem schwer, bei einem unregelmäßigen Schwung überhaupt verlässliche Daten zu bekommen? Wer mal links, mal rechts, mal dünn trifft – wie soll daraus eine sinnvolle Empfehlung entstehen?

Maxi gibt zu: Es dauert länger. Aber das Team pickt sich die Rosinen heraus – die Schläge, bei denen Kontakt und Ballflug gut waren, und leitet daraus Tendenzen ab. Und wer an einem schlechten Tag ins Studio kommt, ist eingeladen, kostenfrei wiederzukommen. Das Ziel ist immer, die Daten zu finden, die dem echten Spiel des Golfers am nächsten kommen – nicht die eines einmaligen Ausreißers.

Hinzu kommt, dass im Fitting immer ein PGA Professional dabei ist, der auch technisch eingreifen kann. Fitting bedeutet beim Golf Performance Institut nicht, jemandem drei Schläger in die Hand zu geben und zu warten. Es bedeutet, gemeinsam herauszufinden, was möglich ist – und wo das Equipment dabei helfen kann.

Hölzer und Hybrids: Wo die Technologie wirklich Sprünge gemacht hat

Bei Eisen sind die Unterschiede zwischen altem und neuem Equipment überschaubar, wenn man gut trifft. Bei Hölzern und Hybrids sieht das anders aus. Hier haben die Hersteller in den letzten Jahren massiv investiert – in Karbon-Technologie, Nanofasern in der Schlagfläche und optimierte Massenverteilung im Kopf.

Das Ziel: das sogenannte Moment of Inertia (MOI) zu erhöhen, also die Widerstandsfähigkeit des Schlägers gegen Verdrehung beim Treffer. Wer den Ball nicht genau im Sweetspot trifft – und das sind die meisten Amateurgolfer – bekommt mit modernem Material trotzdem noch ein deutlich besseres Ergebnis als mit älterem. Der Totalausfall wird seltener, die Streuung kleiner.

Maxi gibt aber auch hier eine nüchterne Einschätzung: Wer technisch keine Grundlage mitbringt, wird auch durch den teuersten Schläger keinen Quantensprung erleben. Das Equipment kann nur das Potenzial heben, das schon da ist.

Das Putter-Fitting: der unterschätzte Gamechanger

Dass man Eisen und Driver fitten lassen kann, ist inzwischen bekannt. Dass der Putter mindestens genauso viel Aufmerksamkeit verdient, ist vielen nicht bewusst – obwohl man ihn in jeder Runde öfter in der Hand hält als jeden anderen Schläger.

Beim Putter-Fitting geht es um Wiederholbarkeit. Nicht darum, ob du den Ball immer genau im Sweetspot triffst, sondern darum, ob du ihn immer an der gleichen Stelle triffst. Maxi nennt das Beispiel Tiger Woods: Sein Treffpunkt lag immer leicht an der Spitze – aber mit einer Abweichung von 0,1 Millimetern. Das macht einen exzellenten Putter.

Gemessen wird beim Golf Performance Institut mit der SAM PuttLab Technologie: Schlagflächenkontrolle, Rhythmus, Rückschwung, Durchschwung, Treffpunkt auf der Fläche. Daraus leiten Maxi und sein Team ab, welche Schaftlänge, welches Kopfgewicht, welche Griffdicke und welche Kopfform am besten zu diesem individuellen Putterhythmus passen. Wer zu gebeugt über einem zu kurzen Putter steht, blockiert nicht nur die Bewegung – er lässt den Putterkopf schief ankommen, und der Ball startet links oder rechts am Loch vorbei, bevor der eigentliche Putt überhaupt eine Chance hatte.

Wie oft sollte man ein Fitting machen?

Maxis Empfehlung: einmal pro Jahr. Nicht zwangsläufig, um neues Equipment zu kaufen – sondern um den Status quo zu kennen. Hat sich die Schwunggeschwindigkeit verändert? Sind die Wedge-Grooves noch scharf genug? Hat sich der Schwung technisch so weit entwickelt, dass der Schaft nicht mehr passt?

Bei Wedges ist Verschleiß übrigens ein reales Thema: Profis auf Tour tauschen ihre Wedges zwei bis dreimal im Jahr. Als Amateurgolfer muss man das nicht, aber es lohnt sich, einmal im Jahr nachzumessen, was der Schläger noch leistet – besonders bei nassen Bedingungen, wo die Grooves den Unterschied zwischen Spin und Rutscher ausmachen.

Und wann lohnt sich technologisch neues Equipment? Maxis Faustregel: unter zwei Jahren passiert zu wenig, um einen echten Unterschied zu bemerken. Der spürbare Fortschritt zeigt sich eher nach drei bis fünf Jahren – besonders bei Hölzern und Hybrids.

Golf ist mehr als ein Sport – es ist eine Lebenseinstellung. Und kaum jemand verkörpert das so authentisch wie Christian Pawlak, bekannt auf Instagram als @golferchris2101. Mit über 10.000 Followern ist er einer der bekanntesten deutschen Golf-Influencer, der seine Community nicht mit perfekten Schwüngen begeistert, sondern mit echtem Alltagsgolf, ehrlichen Momenten und einer Portion Selbstironie.

In der neuesten Episode des NextFairway Podcasts nimmt uns der 40-Jährige aus Mönchengladbach mit auf eine Golf-Journey, die vor 26 Jahren in Amerika begann, durch Corona eine unfreiwillige Pause erlebte und heute mit Turnieren, Content-Erstellung und abendlichen Gassirunden auf dem Fairway eine ganz eigene Note hat. Thomas und Christian sprechen über Schlägerfitting, mentale Stärke, Golf-Etikette, Bucket-List-Plätze und die große Mission dahinter: Golf in Deutschland bekannter zu machen. Eine Episode, die zeigt: Man muss kein Profi sein, um die Faszination Golf authentisch und inspirierend zu teilen.

Wer ist Christian Pawlak? Golf-Creator mit über 10.000 Followern

Christian Pawlak ist 40 Jahre alt, spielt seit sechs Jahren Golf und hat sich auf Instagram als @golferchris2101 eine treue Community von über 10.000 Followern aufgebaut. Was ihn von anderen Golf-Accounts unterscheidet? Er zeigt Alltagsgolf so, wie es wirklich ist – inklusive der Momente, in denen der Ball genau dort landet, wo er nicht sollte.

Aufgewachsen in Deutschland, verbrachte er rund 26 Jahre früher einen prägenden Abschnitt seines Lebens in Amerika, wo er Football spielte und ersten Kontakt mit dem Golfsport hatte. Heute ist er in Mönchengladbach zu Hause und Mitglied im Golfpark Renneshof – dem einzigen Linkskurs am Niederrhein.

Wie Christian zum Golf kam: Von Amerika über den Fußball zum Fairway

Die Geschichte, wie Christian zum Golfen kam, beginnt auf einem Fußballfeld in Amerika. Während einer Saisonpause fragte ihn ein Mannschaftskollege, ob er Sonntags mitkomme zum Golfen. Christians erste Reaktion: “Was? Golfen? Ist doch was für alte Leute!” Die Antwort seines Kollegen blieb hängen: “Das, was bei euch Kreisliga C Fußball ist – das ist bei uns Golfen.”

Dieser Vergleich öffnete eine Tür. Christian spielte in Amerika ein paarmal mit, jedoch ohne große Regelmäßigkeit. Die wirklich entscheidende Wende kam erst Jahrzehnte später, kurz vor der Corona-Pandemie. Mit einem “Freilauf” vom Beruf fasste er den Entschluss: Platzreife machen oder gar nicht. Die Wahl fiel eindeutig aus.

Ende 2019 legte er die Platzreife ab – und das Golffieber packte ihn sofort. Bereits zwei Tage nach der Platzreife stand er im ersten Turnier. Das Handicap fiel von 54 auf 45, dann mit dem zweiten Turnier auf 35,5. Eine rasante Entwicklung, die zeigt: Wenn jemand anfängt zu golfen, gibt es kein Halten mehr.

Handicap-Entwicklung: Vom Anfänger zur aktuellen Spielstärke 24,7

Wer die typische Golf-Journey kennt, weiß: Nach den ersten begeisternden Verbesserungen kommt irgendwann die Ernüchterung. Auch Christian macht da keine Ausnahme. Heute steht sein Handicap bei 24,7 – nach einer Phase, in der er schon deutlich besser war.

Den Rückschlag führt er auf ein frühes Saisonturnier zurück, bei dem die Bedingungen alles andere als optimal waren: frisch überifizierte Grüns, eine schwierige Atmosphäre im Flight, zu viele Schläge. Das Ergebnis: das Handicap kletterte wieder nach oben.

Sein klares Ziel für die laufende Saison: mindestens Handicap 15. Und wer Christian kennt, zweifelt nicht daran, dass er es angehen wird – mit Trainerstunden, vielen vorgabewirksamen Turnieren und einer gehörigen Portion Ehrgeiz.

„Ich hab eins der ehrlichsten Handicaps – weil ich so viele Turniere außerhalb spiele, auf Plätzen, die ich vorher noch nie gesehen hab.” – Christian Pawlak

Training und Methodik: Zwei bis drei Mal die Woche auf dem Trainingsareal

Christian bezeichnet sich selbst als Sportlertyp, der “alles kann, aber nichts richtig” – eine typisch ehrliche Selbsteinschätzung, die bei vielen Amateur-Golfern für Schmunzeln sorgt. Seine Anfangsphase war intensiv: zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche auf dem Trainingsareal der Golf City Pulheim, ergänzt durch ein bis zwei Runden auf dem Platz.

Das Trainingsareal in Pulheim begeisterte ihn besonders durch seine Ausstattung: längere Chip-Bereiche, verschiedene Putting-Greens mit unterschiedlichen Ondellierungen und eine Range mit angeschlossenem Bunker – eine der wenigen Anlagen, auf denen man direkt aus dem Bunker auf die Range schlagen kann.

Ein wertvoller Tipp, den er aus dem NextFairway Podcast mitgenommen hat und nun selbst ausprobiert: Nur sieben Bälle schlagen und dann schauen, ob alle gewollt dorthin fliegen. Bewusstes, qualitatives Schlagen statt Quantität. Eine Erkenntnis, die sich im Gespräch mit Thomas als gemeinsame Überzeugung herausstellt: Weniger Schläge, aber dafür mit mehr Fokus – das bringt langfristig mehr.

Golf mit Hund auf dem Fairway: Eine besondere Kombination

Eines der charmantesten Themen der Episode ist Christians Alltag auf dem Golfplatz – gemeinsam mit seinem Hund. Was sich zunächst chaotisch anhört, funktioniert erstaunlich gut. Wenn das Wetter schön ist, geht Christians Partnerin mit, der Hund tobt über den Platz, und Christian spielt nebenbei seine 9 bis 13 Löcher.

Der Schlüssel: Ein Elektro-Trolley mit Fernbedienung, den er vorausschicken kann, während er mit dem Hund beschäftigt ist. Und der Hund selbst? “Ein Rüpel in seinem Revier – aber auf dem Golfplatz benimmt er sich. Das erstaunt mich jedes Mal wieder.”

Natürlich hat Christian das Vorhaben vorab mit seinem Golfclub abgesprochen und achtet auf Leine und Platzpflege. Die familäre Atmosphäre im Golfpark Renneshof macht solche Momente erst möglich – und sie sorgen für Content, der bei seiner Community bestens ankommt.

Golfclub-Wahl: Der Golfpark Renneshof – der einzige Linkskurs am Niederrhein

Bevor Christian seinem heutigen Club beitrat, schaute er sich alle Golfclubs in der Umgebung an und prüfte gezielt: Welche Clubs erlauben Hunde? Die Wahl fiel auf den Golfpark Renneshof in der Nähe von Mönchengladbach – und das aus gutem Grund.

Der Club bietet eine familiäre Atmosphäre, regelmäßige Afterwork-Turniere über neun Löcher mit anschließendem gemeinsamen Essen und Siegerehrung. Genau diese Geselligkeit macht für Christian das Golf-Erlebnis komplett: Nach der Runde zusammensitzen, reden, Leute kennenlernen. Und besonders stolz ist er darauf, dass der Renneshof der einzige Linkskurs am Niederrhein ist – mit allem, was das bedeutet: Wind, offene Fairways, und Bälle, die im Sommer einfach nicht mehr auf dem harten Boden halten.

Schlägerfitting: Warum der unabhängige Fitter der bessere Weg ist

Ein wichtiges Kapitel in Christians Golf-Journey ist das Schlägerfitting. Er begann wie viele Einsteiger mit einem günstigen Gebraucht-Set, das er für rund 300 bis 400 Euro kaufte. Mit der Zeit wurde klar: Die Schläger passen nicht zu ihm.

Sein erstes offizielles Fitting verlief enttäuschend – der Fitter wollte vor allem verkaufen und griff direkt zum teuersten Modell. Die Daten überzeugten Christian nicht. Sein Rat aus eigener Erfahrung: Lieber zu einem unabhängigen Fitter gehen, der keine eigenen Verkaufsinteressen hat, der verschiedene Schläger ausprobiert und am Ende die Werte auf den Weg gibt – ohne Verkaufsdruck.

Mentale Stärke auf dem Platz: Fokus aus Tennis und Tischtennis

Golf ist auch ein mentales Spiel. Wie geht Christian damit um, wenn ein Schlag den anderen Schlechten nach sich zieht? Sein Vorteil: ein starker Fokus-Hintergrund aus anderen Sportarten. Er spielte Tennis und Tischtennis, war sogar bei den US Open in Amerika aktiv. In diesen Sportarten lernte er, sich auch unter Zuschauerblicken und lauter Atmosphäre vollständig auf den Ball zu konzentrieren.

Sein mentales Prinzip ist simpel, aber wirkungsvoll: Nach einem schlechten Schlag sofort loslassen – wer sich daran aufhängt, spielt auch die nächsten Schläge schlecht. Das beobachtet er immer wieder bei Mitspielern und hat es zu seiner eigenen Grundregel gemacht.

Bei einem besonders frustrierenden Turnier – schlechte Stimmung im Flight, Transportschläge die nicht funktionieren – hakt er das Ergebnis intern schon nach Loch 3 ab und wechselt in den Genuss-Modus: mehr Fotos machen, den anderen aufmuntern, den Tag trotzdem schön gestalten. Seine Philosophie dazu: “Ein schlechter Golftag ist immer noch besser als ein guter Tag auf der Arbeit.”

Sein persönlicher Plan B bei Eisenproblemen: halbe Schläge machen. Die Bälle fliegen nicht so weit, aber sie landen dort, wo sie sollen.

Golf-Creator auf Instagram: Alltagsgolf statt Perfektion

Christians Instagram-Account @golferchris2101 ist kein Hochglanz-Golf-Kanal. Und genau das macht ihn so erfolgreich. Er postet den Golf, den die meisten Golfer kennen – inklusive Missgeschicke, die er bewusst drin lässt, weil sie authentisch sind und weil sich die Community damit identifiziert.

Die Anfänge: In der Corona-Zeit machte er aus dem Lockdown Content. Schnell wuchs die Follower-Zahl auf 1.500 bis 2.000, dann weiter. Er wandelte seinen privaten Account, auf dem er Essen und Urlaub gezeigt hatte, in einen dedizierten Golf-Account um. Heute betreibt er:

  • Instagram als Hauptkanal (@golferchris2101)
  • TikTok für eine jüngere Zielgruppe
  • YouTube – noch im Aufbau, bisher vier Shorts veröffentlicht, aber lange Videos sind geplant

Ein zweisprachiger Ansatz – Deutsch und Englisch – macht seinen Content auch für internationale Follower zugänglich, die er aus seiner Zeit in Amerika und durch sein weltweites Netzwerk gewonnen hat.

Thomas’ Tipp an ihn: Ein YouTube-Kanal rund um Golf mit Hund – ein Nischenthema, das noch niemand konsequent bespielt. Christian nimmt es sich zu Herzen.

Golf als soziales Erlebnis: Community und Turniere

Was Christian am Golf besonders liebt, ist die soziale Komponente. Über seine Online-Präsenz wurde er früh von der deutschen Golf-Instagram-Community willkommen geheißen – Leute luden ihn ein, spontan eine Runde zu spielen, quer durch Deutschland. Heute fährt er dafür sogar weiter als er damals für möglich gehalten hätte. In jeden Urlaub kommt das Golfgepäck mit.

Besonders schätzt er Turniere auf fremden Plätzen: Seiner Erfahrung nach spielt er dort, unvorbelastet und ohne eingefahrene Erwartungen, oft besser als auf seinem Heimatplatz. Er bezeichnet sein Handicap stolz als eines der ehrlichsten, weil er so viele Turniere außerhalb spielt.

Dass er selbst bereits 15 Menschen zum Golfsport gebracht hat, macht ihn besonders stolz. Sein Ziel: irgendwann 50 bis 100 Leute durch seinen Content zum Golf inspiriert zu haben.

Lieblingsschläger, Bucket-List und Saisonziele 2025

Der Lieblingsschläger steht für Christian außer Frage: Es ist der Driver – Holz 1. Während viele Trainer Einsteigern raten, den Driver zunächst wegzulassen, hat Christian sich darüber hinweggesetzt. “Egal ob ich hooke, egal ob ich slice – ich nehme den Driver.” Mittlerweile hat er mit dem Schläger eine “gute Ehe” geschlossen: Er schlägt nur noch mit 75 Prozent Kraft an und die Bälle fliegen weiter, konstanter und gerader als vorher.

Die schönsten Plätze auf seiner bisherigen Reise: Ein beeindruckender Golfclub in Memphis (USA) mit Golfkart-Pflicht und einem Kilometer Abstand zwischen Grün und Abschlag – und der Gardagolf am Gardasee in Italien, einer der führenden Kurse des Landes, bei dem sich das höhere Greenfee laut Christian absolut lohnt.

Bucket List 2025:

  • Green Eagle Hamburg – bereits zweimal den Westkurs gespielt, nach den Amundi-Turnieren sogar den Championship-Kurs
  • Sint Bernards in Holland – Schauplatz des Solheim Cup
  • Augusta National – “Wenn ich die goldene Karte bekomme, sitze ich sofort im Flieger.”

Ziele für die Saison:

  • Handicap auf unter 15 bringen
  • Mehr vorgabewirksame Turniere spielen, auch im eigenen Club
  • Content-Frequenz erhöhen: ein bis zwei Videos pro Woche auf Instagram, täglich Storys
  • YouTube-Kanal ernsthaft aufbauen

Sein Rat ans Anfänger-Golf-Ich: Früher anfangen und auf Technik setzen

Die letzte Frage jeder NextFairway-Episode ist eine der stärksten: Was würde dein heutiges Golf-Ich deinem Anfänger-Golf-Ich raten?

Christians Antwort kommt in zwei Teilen:

1. Fang früher an. Mit 34, 35 Jahren begonnen zu haben – das ist, wie er selbst sagt, viel zu spät. Wer die Möglichkeit hat, früher anzufangen, sollte sie nutzen.

2. Kraft ist nicht alles – setz auf Technik. Lange Zeit hat Christian mit voller Kraft gehauen. Viele Bälle flogen zwar weit, aber unkontrolliert. Die Erkenntnis, die sein Spiel verändert hat: Mit 75 Prozent Kraft und kontrolliertem Downswing fliegen die Bälle weiter, gerader und vor allem konstanter. Technik schlägt rohe Kraft – auf dem Golfplatz mehr als irgendwo sonst.

Eine Golf-Journey, die noch lange nicht zu Ende ist

Christian Pawlak steht exemplarisch für das, was NextFairway ausmacht: echte Menschen, echte Geschichten, echte Golf-Journeys. Keine Hochglanzwerbung, kein perfekter Swing, keine leeren Versprechen. Stattdessen: ein 40-Jähriger aus Mönchengladbach, der mit seinem Hund abends Löcher spielt, sich selbst über eigene Missgeschicke amüsiert, bereits 15 Freunde zum Golfen gebracht hat und jeden Tag mit Leidenschaft Content produziert, der Menschen für diesen wunderbaren Sport begeistert.

Seine Journey ist noch lange nicht abgeschlossen. Handicap 15, mehr Turniere, mehr Content, YouTube – der Plan steht. Und wer @golferchris2101 auf Instagram folgt, darf gespannt sein, wie sich die Geschichte weiterentwickelt.

Zwölf Jahre Pause, ein großes Ziel und ein Linkskurs in den Dünen – ich berichte, wie mein Comeback-Jahr bisher läuft und warum der Golfplatz in Domburg mich ganz schön gefordert hat.

Mein Golf-Comeback: Wo stehe ich nach den ersten Monaten?

Wer meinen Podcast schon länger verfolgt, weiß es: Ich habe zwölf Jahre pausiert und bin seit Anfang 2026 wieder voll im Golf-Modus. Mein Ziel für dieses Jahr ist klar definiert – ich will mein altes Handicap von 15,9 zurückerobern, das noch heute auf meiner Karte steht. Ein langer Weg? Ja, definitiv. Aber ein lohnender.

Die ersten Monate hatten alles, was ein echtes Golf-Comeback ausmacht: Frust, Demut, Rückschläge – und immer wieder überraschende Fortschritte. Genau das ist Golf. Und genau darum liebe ich diesen Sport.

April im Rückblick: Sieben Neunlochrunden und ein Meilenstein

Im April habe ich siebenmal eine Neunlochrunde gespielt und zum ersten Mal in diesem Jahr eine vollständige 18-Loch-Runde absolviert. Und was soll ich sagen? Diese 18-Loch-Runde war gleichzeitig mein bestes Ergebnis seit meiner Rückkehr.

Auf den ersten neun Löchern spielte ich eine 41 – und auf den zweiten neun eine sensationelle 37 (Par 37 – also genau Par). Die Gesamtwertung: 89 auf einem Par-72-Kurs. Für mich ein absolutes Highlight.

Der Tag danach? Eine 54er-Runde auf neun Löcher. Das zeigt, wie es aktuell läuft: Auf und Ab, fehlende Konstanz, aber spürbare Entwicklung. Das gehört dazu.

Neues Equipment: Der Callaway Jailbird Putter im Test

Ich habe mir einen neuen Putter gekauft – den Callaway Jailbird. Wer regelmäßig spielt, weiß: Der Putter ist der Schläger, den man am häufigsten in der Hand hält und dem man im Training am wenigsten Aufmerksamkeit schenkt. Bei mir war das genauso.

Diesmal habe ich es anders gemacht. Zwei Stunden getestet, ein paar Tage später nochmal eine Stunde – und bin dann beim Jailbird geblieben. Ich bin total zufrieden und arbeite jetzt daran, mich weiter einzugrooven.

Mein aktueller Schwung: Was gut läuft – und was noch nicht

Neben dem neuen Putter habe ich zuletzt auch meine Trainingsroutine angepasst: weniger Driving Range, mehr Platz spielen, zwei Trainerstunden zur Schwungfestigung. Der Knackpunkt bleibt konstant: Ich komme bei langen Eisen und beim Driver zu häufig von außen. Ein klassischer Out-to-In-Schwung, der sich hartnäckig hält.

Mein Plan für die kommenden Wochen: mehr Zeit auf der Driving Range, gezielt am Schwungweg arbeiten. Ein Kaltstart auf dem Platz ohne Einschlagen ist für mich im Moment keine Option – das merke ich deutlich.

Domburg: Mein erster Linkskurs – zumindest bewusst

Jetzt zum Herzstück dieser Episode: Domburg. Ich war mit einem Freund dort und wir haben spontan eine Neunlochrunde auf dem Linkskurs gespielt. Mein erster bewusster Linkskurs-Besuch – und es war… eine Erfahrung.

Ankunft und erster Eindruck: Abschlag zwischen Autos

Schon auf dem Parkplatz wartete eine Überraschung: mitten zwischen den Autos stand ein kleiner Abschlagplatz mit Netz – wie ein Mini-Simulator unter freiem Himmel. Der Hintergrund: Die Driving Range liegt einen Kilometer entfernt. Wer sich vor der Runde ein paar Schläge warm machen will, schlägt also buchstäblich zwischen parkenden Autos ab.

Mein Freund hat es ausprobiert. Ich habe den Kaltstart gewählt.

Der Kurs: Schmal, hügelig, typisch Links

Der Golfclub Domburg bietet einen 9-Loch-Platz, der für eine 18-Loch-Runde zweimal gespielt wird – mit unterschiedlichen Abschlagpositionen. Klingt gut in der Theorie. In der Praxis bedeutet das: Ein Fairway wird für zwei Bahnen gleichzeitig genutzt – man spielt also entgegen. Das fand ich ehrlich gesagt nicht schön.

Rund 650 Mitglieder hat der Club, davon etwa 350 vor Ort und rund 300 Fernmitglieder. Eine interessante Konstruktion.

Loch 1: Signature-Moment mit Meerblick

Das erste Loch war direkt das Highlight: ein Par-4-Abschlag von einem Plateau mit herrlichem Blick auf das Meer. Der erste Drive? Kerzengrade die Mitte des Fairways. Bei dem Wind eine echte Freude.

Herausforderung Linkskurs: Wenn der Ball nie gerade liegt

Was dann folgte, war eine Lektion in Linksgolf. Hügelige Fairways, kaum ebene Lagen, extrem schwer einsehbare Grüns. An den Abschlägen fehlten Platzübersichten oder Lochkarten – nur die Angabe “Par 4” und nichts weiter. Ohne meine Golf-App wäre die Orientierung schwierig geworden.

Das neunte Loch war der absolute Tiefpunkt: Ein Blindabschlag über hochgewachsene Bäume, direkt hinter einem Weg und dem Damenabschlag. Im starken Wind hatte man nach dem Schlag keine Chance, den Ball zu verfolgen. Mein Ball landete rechts – und war nicht mehr zu finden.

Wetter: 14 Grad, gefühlt 8 – und ein Regenguss

Ab Loch 6 begann es in Strömen zu regnen. Zehn Minuten Dauerregen, Windböen bis 30–40 km/h, komplett durchnässt trotz Schirm. 14 Grad Lufttemperatur, gefühlt 8 Grad. Typisch Linkskurs, typisch Nordsee.

Fazit: Lohnt sich Domburg für Golfer?

Ehrlich gesagt: Der Kurs hat mir nicht sonderlich gut gefallen. Ob es an den Bedingungen lag, am unbekannten Linkskurs-Feeling oder an beidem – ich kann es nicht ganz trennen. Einige Punkte haben mich aber unabhängig vom Wetter gestört:

  • Fairways werden doppelt genutzt – man spielt sich entgegen
  • Keine Platzpläne an den Abschlägen
  • Grüns kaum einsehbar
  • Teils blind geschlagene Löcher ohne klare Orientierung
  • Sandig, harter Boden, kaum Bewässerung – Anfang Mai bereits braune Stellen

Das erste Loch mit dem Meerblick? Wunderschön. Der Rest war solide Erfahrung, aber nichts, das mich zurückzieht.

Mein Fazit in einem Satz: Wer in Domburg Urlaub macht und Lust auf ein paar Löcher hat, sollte es einmal versucht haben – aber ich würde es nicht als festes Ziel für einen Golftag einplanen.

Ausblick: Was kommt als Nächstes?

Meine beste Runde seit dem Comeback steht: eine 89er-Runde auf Par 72. Der neue Putter entwickelt sich. Das Training geht weiter. Im Juni stehen möglicherweise ein Kurs des Clubs zu langen Eisen und Rough-Lagen auf dem Programm – ich halte euch auf dem Laufenden.

Stell dir vor: Du hast 15 Jahre lang keinen Golfschläger in der Hand gehalten. Dann postest du ein selbst gedrehtes Bewerbungs-Reel auf Instagram – und zwei Wochen später stehst du auf dem Green Eagle Golf Course in Hamburg, Seite an Seite mit Freddy Schott, Martin Borgmeier und Diana Schneider. Genau das ist Marvin Oldfield passiert. Sein Weg zur Wildcard bei den Creator Golf Masters 2025 ist keine Geschichte über Reichweite oder Follower-Zahlen – es ist eine Geschichte über Mut, Kreativität und die Frage, was Golf heute sein kann. In dieser NextFairway-Episode erzählt Marvin, wie ein Pappschild in den Straßen von Mainz, ein einziger Anruf um 22 Uhr und ein grüner Caddy-Anzug sein Golf-Leben auf den Kopf gestellt haben.

15 Jahre Pause – und dann der Bruder, der alles veränderte

Marvin Oldfield ist fast 32 Jahre alt, als er in diesem Podcast-Gespräch seine Golf-Journey erzählt. Als Jugendlicher hat er Golf gespielt – und das mit Ernsthaftigkeit: Er hörte mit einem Single Handicap auf. Dann kamen andere Interessen, andere Sportarten, das Studium, und mit ihm die Frage, ob man Geld lieber in andere Dinge steckt als in Greenfees.

Es war sein Bruder, der ihn nach der Corona-Zeit wieder auf den Golfplatz mitnahm. Aus einem Ausflug wurde eine Wiederentdeckung. Parallel begann Marvin, YouTube-Golf-Content zu schauen und sich mit kreativer Videogestaltung zu beschäftigen. Zwei Dinge, die sich für ihn bald zu etwas Größerem verbinden sollten.

Die Wildcard-Challenge: Pappschild statt bezahlter Werbung

Als Marvin durch Zufall erfuhr, dass die OMR – eines der größten Online-Marketing-Festivals Europas mit rund 70.000 Besuchern – ein Creator Golf Masters veranstaltet, ließ ihn der Gedanke nicht mehr los. Er bewarb sich, landete auf der Warteliste, und wusste: Das reicht nicht.

Also griff er zum Handy, schnitt ein Bewerbungsvideo und lud es bei Instagram hoch. Innerhalb von 48 Stunden überschritt das Video 10.000 Views. Dann kam die offizielle Rückmeldung der Creator Golf Masters: 30.000 Views und 1.000 Likes – das war die Challenge. Wenn er sie erfüllte, dann durfte er dabei sein.

Marvin gab alles. Er schnappte sich ein Pappschild, schrieb darauf, dass er keine Likes kaufen wolle, und fuhr mit dem Fahrrad durch Mainz – auf der Straße, bei Fremden, um echte Unterstützung bettelnd. „Das war ein super cringy Moment”, sagt er rückblickend, „aber irgendwie hat es dann echt cool funktioniert.” Die Golf-Creator-Community schloss sich an, Freunde und Familie halfen, und langsam aber sicher näherten sich die Likes der magischen Zahl.

Bei rund 993, 994, 995 Likes saß Marvin zu Hause und scrollte immer wieder auf den Zähler. Dann: 1.000. Noch am gleichen Abend klingelte um 22 Uhr das Telefon. „Deal ist Deal, wir fanden super cool, was du gemacht hast – du bist dabei.”

Creator Golf Masters am Green Eagle: Zwischen Aufregung und Absurdität

Das Turnier fand auf dem Westkurs des Green Eagle Golf Course in Hamburg statt – einem Kurs, der zum Zeitpunkt des Events noch im Aufbau war. Gespielt wurde Texas Scramble im Zweierteam, neun Löcher, Kanonstart. Marvin spielte zusammen mit Rebecca, Jonas und Lisa – einem Flight bunt gemischt aus Golf-Creatorn und Creatorn aus den Bereichen Sport, Reise und Medien.

Als Wildcard war Marvin der einzige, der mit einem bedruckten Caddy-Anzug erschien – grün, angelehnt an die berühmten Caddy-Jacken der Augusta Masters, hinten bedruckt mit dem Schriftzug „New Golf”. Bestellt per Expressversand, als die Likes-Zahl noch bei 800 stand. Ein Statement: Marvins Teilnahme sollte nicht nur für ihn persönlich stehen, sondern für eine neue Ära des Golfsports.

Auf der Driving Range traf er zunächst keinen einzigen Ball. Das lag vielleicht an den fünf Kameras, die ihn umgaben. Auf dem Platz hingegen lief das Zusammenspiel im Team immer besser, und auch die Atmosphäre entspannte sich: Die anderen Creator nahmen ihn auf, als wäre er nie eine Wildcard gewesen.

Longnitter Martin Borgmeier und eine Lektion, die 50 Meter weit flog

Eines der stärksten Bilder der Episode: Marvin geht auf der Driving Range zu Martin Borgmeier – Deutschlands bekanntestem Longnitter – macht ein Selfie und hört beim Abendessen einer spontanen Trainingseinheit zu. Borgmeier erläutert den Unterschied zwischen einem Longdriver und einem Profigolfer, spricht über Spinraten und die drei Hebel für mehr Weite. Am Ende fragt er, wer sich traut, seinen Schläger zu schlagen.

Marvin traut sich. Und der Ball fliegt – gefühlt 50 Meter. „Eventuell war es auch die Aufregung, wenn dann 150 Leute hinter einem stehen”, sagt er mit einem Lachen. Der Unterschied zwischen einem auf den Longdriver abgestimmten Schläger und einem Standard-Driver war schlicht zu groß. Aber die Lektion, dass Schlägerwahl und Kursmanagement entscheidend sind, nahm er mit.

Das WoW-Moment: „Ich bin nur wegen dir hier”

Neben den sportlichen Highlights gab es für Marvin einen persönlichen Moment, der ihn besonders berührt hat: Eine Eventmanagerin des Creator Golf Masters Teams kam mit einer Golf-Card auf ihn zu und sagte: „Du bist doch die Wildcard – ich bin nur wegen dir hier.” Sie hatte sein Bewerbungsvideo gesehen, es hatte sie so begeistert, dass sie sich selbst beim Team beworben hatte und nun als Eventunterstützung dabei war.

„Für mich war das in dem Moment ein richtig cooler Moment, weil ich gemerkt habe, dass mein Video tatsächlich einen Impact hatte”, sagt Marvin. Und beim anschließenden Abendessen saß er neben Martin Borgmeier und Diana Schneider – die zusammen mit Freddy Schott das Turnier mit sechs unter Par gewann. Momente, die er, wie er sagt, einfach nicht vergessen wird.

Birdie Bike: 1.600 Kilometer durch Frankreich mit fünf Schlägern auf dem Rücken

Marvins Instagram-Name ist nicht zufällig „Birdiebike”. Vor seinem viralen Moment hatte er sich bereits ein ungewöhnliches Herzensprojekt verwirklicht: Bikepacking und Golf kombinieren. Nach einer intensiven Zeit in einem Start-up gönnte er sich eine persönliche Auszeit – eine Art Sabbatical. Er vollpackte sein Fahrrad mit Bikepackingtaschen, band sich fünf Golfschläger auf den Rücken und radelte 1.600 Kilometer durch Frankreich.

Die Schlägerauswahl: Driver, 5er-Holz, 7er-Eisen, Pitching Wedge und Putter. Geplant waren zehn Golfplätze, gespielt wurden am Ende vier – die Geschwindigkeit und der Reiz, das Ziel zu erreichen, überwogen. Auf einer Driving Range übernachtete er sogar mit dem Zelt, weil der Clubmanager mitspielte. Das Projekt spiegelt wider, was Marvin über Golf denkt: Es muss sich nicht immer in klassischen Bahnen bewegen. Golf kann abenteuerlich sein, minimalistisch, entschleunigt.

Heute würde er den Driver zugunsten eines Hybrids tauschen – ein Schläger, der sich für Fairway und Annäherung gleichermaßen eignet und im Topfbunker mehr Optionen lässt als ein 48-Grad-Wedge.

Golf im Wandel: Von der Sportart für alte Herren zur neuen Ära

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Frage, ob sich Golf wirklich verändert. Marvins Antwort ist eindeutig: Ja, und das ist erst der Anfang.

Er erinnert sich daran, dass er in der Schul- und Studienzeit ungerne erzählte, dass er Golf spielt. „Keiner hat den Zusammenschluss mit Golf verstanden”, sagt er, während er gleichzeitig surfte, skate- und die Wellen ritt. Heute erzählt er es offen – und nutzt Social Media als Plattform, um das Image des Sports zu verändern.

Marvins Blick auf die Zahlen ist nüchtern: Rund 66 Prozent der Golfspieler in Deutschland sind über 50 Jahre alt. In Deutschland gibt es 700.000 bis 800.000 eingetragene Mitglieder – in den USA haben rund 40 Millionen Menschen schon einmal einen Golfschläger in der Hand gehalten. Der Markt hierzulande ist kleiner, der Wandel aber spürbar. Nach der Corona-Zeit berichtete Marvin, dass viele Freunde mit dem Golfsport angefangen haben – wegen des einfachen Rezepts: vier Stunden Natur, echte Gespräche, kein Smartphone.

Technologien wie Trackman-Systeme, die Kinder spielerisch ans Schlagen heranführen, Social-Media-Plattformen als Eingangstor und eine jüngere Generation, die den Platz betritt – Marvin sieht darin nicht nur einen Trend, sondern eine echte Bewegung. Und er will Teil davon sein.

Course-Management statt Heldenshots: Was Marvin heute anders macht

Ein Ratschlag, den Marvin aus seiner Rückkehr mitgenommen hat, ist so schlicht wie wirkungsvoll: Kursmanagement schlägt Heroismus. Als Jugendlicher versuchte er, wie Tiger Woods über Bäume zu schlagen. Heute lernt er, was es bedeutet, strategisch zu denken – auch wenn er immer wieder in sein altes Ich fällt, das mit dem Driver über alles hinwegfegen will.

„Man kann sehr viele Schläge für sich gewinnen, wenn man sich mit Kursmanagement auseinandersetzt”, sagt er. Ein Rat, der für Anfänger genauso gilt wie für Rückkehrer.

Seinen Lieblingsschläger nennt er den Putter – eine Hassliebe, aber eben der wichtigste Schläger im Bag. Seine alten Eisen aus dem Alter von 13 oder 14 Jahren spielt er noch heute. Ein Fitting könnte bald der nächste Schritt sein.

Die nächsten Ziele: Wieder einstellig und Channels, die wachsen

Marvins Motivation nach dem Creator Golf Masters ist klar gestiegen. Wo er früher Fail-Videos drehte – Shank-Schläge, Luftschüsse – möchte er nun auch zeigen, wie sein Spiel wieder wächst. Ein konkretes Ziel: das Handicap zurück in den einstelligen Bereich bringen. Möglicherweise sogar scratch.

Für seinen YouTube-Kanal und Instagram-Account plant er in den kommenden Wochen weitere Videos, darunter ein Behind-the-Scenes vom Creator Golf Masters Turnier. Langfristig? Er lässt es auf sich zukommen, bleibt im Hier und Jetzt – aber schließt eine Zukunft mit Sponsorings und dauerhaftem Golfinhalte-Schaffen keineswegs aus.

Eine Geschichte, die Lust auf Golf macht

Marvins Geschichte ist kein Blueprint, den jeder kopieren kann. Aber sie zeigt, was möglich ist, wenn man Leidenschaft mit Kreativität verbindet und einfach loslegt. Ein Pappschild, ein Reel, ein Anruf um 22 Uhr. Ein grüner Anzug auf dem Westkurs des Green Eagle. Ein Abendessen neben Martin Borgmeier. Und dazwischen: der Mut, einfach zu fragen, zu probieren und sich zu zeigen.

Wer Golf bisher als Sport für eine bestimmte Generation abgehakt hat, sollte vielleicht noch einmal hinhören. Der Wandel hat begonnen – und Leute wie Marvin Oldfield sind mittendrin.

Jetzt reinhören: Die ganze Geschichte im NextFairway Golf-Podcast

Die vollständige Episode mit Marvin Oldfield – inklusive seiner Birdie-Bike-Abenteuer durch Frankreich, den Insights zur Creator Golf Masters und seinen ehrlichen Gedanken zur Golf-Journey – gibt es direkt im NextFairway Podcast. Zu finden auf allen gängigen Plattformen. Und wer Marvin selbst folgen möchte: Seinen YouTube-Kanal und sein Instagram-Profil findet ihr in den Show Notes der Episode verlinkt. Ein Abo kostet nichts – und unterstützt einen Creator, der genau das macht, wofür Golf gerade spannend wird.

Du trainierst deinen Schwung, investierst in neues Equipment, nimmst Stunden beim Pro – und trotzdem läuft ab Loch 14 nichts mehr. Die Schläge werden unpräziser, die Energie fehlt, die Konstanz bricht ein. Was, wenn das Problem gar nicht deine Technik ist?

Golf-Fitness-Coach Yannick Schlemm hat eine klare Antwort: Es ist dein Körper. Nicht als Problem – sondern als ungenutzte Geheimwaffe. Im NextFairway Podcast spricht er darüber, warum die meisten Golfer einen entscheidenden Faktor komplett ignorieren, welche zwei Übungen jeder Golfer sofort umsetzen kann und warum das, was du zwischen den Löchern isst und trinkst, über dein Ergebnis auf Loch 18 entscheidet. Eine Episode, die deine Sicht aufs Golftraining verändern wird.

Vom Luftlöcher-Schlagen auf Gran Canaria zum Single-Handicap

Yannick Schlemmss Geschichte beginnt nicht gerade ruhmreich: Eine Trainerstunde auf Gran Canaria, Mittagssonne, Luftlöcher und ein kleiner Sonnenstich. Seine erste Reaktion? „Das mache ich nie wieder.” Ein Jahr lang hielt er das durch – bis eine Klientin ihn ermutigte, Golf noch eine Chance zu geben. Diesmal mit den besten Kumpels. Und dann war es passiert: Der erste Ball flog durch die Luft und Yannick war gepackt.

Erst vor zweieinhalb Jahren gestartet, steht er heute kurz vor dem einstelligen Handicap, spielt Runden zwischen 80 und 90 und hat sein Leben konsequent auf Golf ausgerichtet. Standesamtliche Hochzeit am Nachmittag – und danach auf den Golfplatz. Honeymoon in Portugal, natürlich auf den schönsten Plätzen. Gemeinsam mit seiner Frau teilt er die Leidenschaft, die sein früherer Pro am Hockenberg einmal so beschrieb: „Golf ist eine Krankheit, die man nur heilen kann, indem man spielt.”

Was seinen Weg von Handicap 23 in die Singles ermöglichte? Ein Umdenken. Weg von YouTube-Tipps und zufälligem Ausprobieren, hin zu einem ganzheitlichen Fahrplan – und vor allem: gezieltes Körpertraining.

Warum dein Körper das größte Handicap – und gleichzeitig deine größte Chance ist

Yannick bringt es auf eine einfache Formel: Der Körper ist die einzige Verbindung zwischen dir, dem Schläger und dem Ball. Was du dir oben vorstellst, muss der Körper auch tatsächlich umsetzen können.

Das Problem, das er immer wieder bei Golfern sieht: Müdigkeit, Instabilität und Energieeinbrüche ab der zweiten Platzhälfte haben nichts mit Willen oder Technik zu tun – sie sind das direkte Ergebnis eines nicht optimal vorbereiteten Körpers. Wer untrainiert ist, nicht gut versorgt und schlecht schläft, wird konstant schlechter spielen – unabhängig davon, wie gut sein Schwung in der Stunde beim Pro aussah.

Seine Überzeugung: Die Kontrolle liegt bei dir. Wer seinen Körper trainiert, richtig ernährt und ausreichend regeneriert, kann aktiv eingreifen – statt Glück oder Pech die Schuld zu geben.

Die wichtigsten Muskelgruppen für den Golfschwung – und was die meisten falsch machen

Die wichtigste Muskelgruppe im Golfschwung ist laut Yannick die Hüftstreckungsmuskulatur – also der Gluteus Maximus und die Beinrückseite (ischiokurale Muskulatur). Diese Muskelgruppe ist für die kraftvolle Hüftbewegung durch den Ball verantwortlich. Wer „mit der Hüfte arbeitet” statt nur aus den Armen zu schlagen, braucht einen starken, schnellen Unterkörper.

Dazu kommt: Stabilität baut sich von unten auf. Sprunggelenk, Kniegelenk und Hüftgelenk müssen koordiniert und stabil zusammenarbeiten. Einbeinige Übungen wie der Bulgarian Split Squat sind deshalb das Fundament jedes golf-spezifischen Trainings.

Brustwirbelsäule: Der häufig übersehene Engpass

Im Oberkörper geht es weniger um rohe Kraft, sondern vor allem um Beweglichkeit – besonders in der Brustwirbelsäule. Wer dort unbeweglich ist, kompensiert über den unteren Rücken. Das Ergebnis: der typische Rückenschmerz nach der Runde, den fast jeder Golfer kennt.

Die Lösung ist nicht, den unteren Rücken stärker zu trainieren, sondern die Brustwirbelsäule beweglicher zu machen. Mehr Rotation hier bedeutet automatisch mehr Spielraum im Schwung – und weniger Belastung da, wo es wehtut.

Der häufigste Fehler: Zu viel Kardio, zu wenig Kraft, kaum Mobilität

Golfer machen in der Regel viel zu viel Ausdauertraining und zu wenig gezieltes Krafttraining. Und das wenige Krafttraining, das gemacht wird, ist oft zu leicht und mit zu vielen Wiederholungen – das Gegenteil dessen, was Schnellkraft und Schlaggeschwindigkeit aufbaut.

Die zwei Übungen, die jeder Golfer kennen sollte

Auf meine Frage, was denn die zwei wichtigsten Übungen seien, wenn er nur zwei Tipps zur Auswahl hätte, hat Yannik sehr sicher die folgenden Übungen erwähnt:

1. Bulgarian Split Squat – Der Allrounder für den Unterkörper

Der Bulgarian Split Squat ist eine einbeinige Kniebeuge mit erhöhtem hinteren Bein – zum Beispiel auf der Couch oder Bettkante. Diese eine Übung trainiert gleichzeitig: Po-Muskulatur, Beinrückseite, Beinvorderseite, Adduktoren, Abduktoren und Wadenmuskulatur. Kurz: 50 Prozent des Unterkörpers in einer einzigen Bewegung.

Und das Beste: Die Übung ist beliebig skalierbar. Anfänger halten sich an einem Stuhl fest und gehen nur halb runter. Fortgeschrittene nehmen Gewicht in die Hände. Selbst in der Physiotherapie nach Knieproblemen wird diese Übung eingesetzt – richtig dosiert stärkt sie das Gelenk, anstatt es zu belasten.

Empfehlung: 2–3 Sätze, 6–12 Wiederholungen pro Bein, 1–2 Minuten Pause zwischen den Sätzen.

2. Einarmiges Bankdrücken mit rotierter Hüfte – Der Game-Changer für die Rotation

Diese Übung war für Yannick selbst ein entscheidender Durchbruch. Wer von einem Kraftdefizit oder mangelnder Brustwirbelsäulen-Mobilität betroffen ist, kann mit dieser Übung gezielt Abhilfe schaffen: Auf dem Rücken liegend, Beine zur Gegenseite rotiert, drückt man einarmig eine Kurzhantel nach oben – und trainiert so gleichzeitig Kraft und Beweglichkeit in der Rotation, ganz ähnlich wie im Golfschwung selbst.

Das Ergebnis: Wer hier stärker und mobiler wird, kann laut Yannick 10–20 % mehr Rotation aus dem Körper herausholen – ohne Technikänderung, nur durch bessere körperliche Voraussetzungen.

Mehr Meter mit dem Driver: Wie Körperkraft die Schlagweite steigert

Kann gezieltes Training wirklich 20, 30 oder sogar 40 Meter mehr Länge bringen? Yannics’ klare Antwort: Ja – und er misst es auch. In seinem Coaching-Programm wird monatlich die Schlägerkopfgeschwindigkeit, Drive-Weite und Carry erfasst, um den Fortschritt sichtbar zu machen.

Das Prinzip dahinter: Wer weit schlägt, braucht Schnellkraft und schnell zuckende Muskelfasern. Diese werden nicht durch leichte Gewichte mit vielen Wiederholungen trainiert, sondern durch schwere, explosive Bewegungen – Kreuzheben, Kniebeuge, Klimmzug, Bulgarian Split Squat. Wer diese Übungen trainiert und dabei die explosive Phase betont, entwickelt genau die Muskelqualität, die für mehr Schlaggeschwindigkeit nötig ist.

Und das gilt nicht nur für junge Spieler: Yannick berichtet von Kunden jenseits der 70, die zum ersten Mal in ihrem Leben Klimmzüge machen – und danach weiter schlagen als je zuvor.

Energie auf dem Platz: Ernährung und Hydration für 18 Loch Konstanz

Das Phänomen kennt fast jeder: Die ersten Löcher laufen gut, dann bricht ab Loch 14 oder 15 alles zusammen. Yannick erklärt, was wirklich dahintersteckt – und es hat nichts mit Konzentration oder Willen zu tun.

Blutzucker: Der unsichtbare Feind auf dem Platz

Ein Twix, ein Saft, eine Cola, ein klassischer Powerriegel – all das lässt den Blutzucker kurz ansteigen und dann abfallen. Dieses Muster erzeugt exakt das klassische Mittagstief, das man sonst aus dem Büro kennt. Auf der Runde ist es genauso vorhanden – nur übertüncht vom Adrenalin des Spiels. Das Ergebnis: plötzliche Inkonstanz, die man irrtümlicherweise der Technik zuschreibt.

Was wirklich funktioniert: Proteine, Ballaststoffe, Wasser

Yannics Empfehlung für die Runde ist simpel: ausreichend Flüssigkeit (mindestens einen Liter pro neun Löcher, eher mehr bei Hitze), kein Alkohol, und zur Halbzeit ein proteinreicher Riegel mit Ballaststoffen. Eine Banane als Alternative ist besser als ein Zuckerriegel, weil die enthaltenen Ballaststoffe den Blutzucker stabilisieren.

Wer sich optimal versorgen will, greift zum Proteinriegel mit hochwertigem Leucin und Ballaststoffen – kein günstiger Discounter-Riegel mit Kollagen, sondern echte Muskelversorgung. So bleibt man satt, konzentriert und stabil – bis Loch 18.

Die optimale Vorbereitung auf ein Golf-Turnier

Wer am Samstag gut spielen will, fängt am Freitagabend an. Yannicss Empfehlungen für die Turniervorbereitung:

  • Zwei Stunden vor dem Schlafen: Handy weglegen. Die digitale Reizflut hindert den Körper daran, zur Ruhe zu kommen und die Regeneration einzuleiten.
  • Supplemente zum Abendessen: Magnesium-Bisglycinat (300–450 mg) unterstützt den Schlaf und die Muskelregeneration. Ergänzend: Kreatin, Omega-3 und bei Bedarf Kurkumin gegen Entzündungen.
  • Das Abendessen selbst: Eine gute Kohlenhydratquelle (Vollkornnudeln, Hülsenfrüchte) kombiniert mit einer Proteinquelle (Steak, Hähnchen, Fisch) und einer Gemüsebeilage. Kohlenhydrate leiten die Regeneration ein, Proteine versorgen die Muskulatur – denn in der Nacht wächst der Muskel.
  • Vor der Runde: Eine kurze Mobilitätsroutine am Morgen. Wer sich aufgewärmt und beweglich fühlt, muss weniger kompensieren, kann freier schwingen und kommt entspannter in den ersten Schwung.

Wenn ihr ein Turnier spielt, solltet ihr jeden Schlag, wenn möglich, einmal gespielt haben. Also Putter, Wedges, Eisen und Driver und ggf. noch Fairwayholz. Das bringt ein gutes Gefühl mit sich.

Ganzheitlich trainieren: Technik, Fitness und Mentalität als Einheit

Ein Missverständnis, dem Yannick immer wieder begegnet: Man denke, man müsse erst den Schwung verbessern, bevor Körpertraining Sinn ergibt. Das Gegenteil ist wahr. Ein trainierter Körper setzt um, was der Trainer sagt – und zwar sofort. Wer beweglicher, stabiler und stärker ist, kann Schwungkorrektur viel schneller internalisieren und auf dem Platz abrufen.

Yannicss Team denkt deshalb ganzheitlich: Golf-Fitness-Training, Schwungcoaching und Mentaltraining greifen ineinander. Wer alle drei Bereiche unter professioneller Anleitung entwickelt, bringt sich in die bestmögliche Position – nicht um auf der PGA Tour zu spielen, sondern um die Golfbuddies endlich regelmäßig zu schlagen.

Was Yannics Golf-Ich seinem Anfänger-Golf-Ich raten würde

Yannics Abschlussrat ist klar und direkt: Arbeite von Anfang an mit professioneller Unterstützung. Nicht weil man selbst nicht lernen kann – sondern weil gezieltes Feedback unter der richtigen Anleitung Zeit spart, Frustrationen reduziert und dafür sorgt, dass die investierten Stunden auf dem Platz und an der Range wirklich etwas bringen.

Wer bereits Zeit, Geld und Energie in Golf investiert, sollte sicherstellen, dass er an den richtigen Sachen arbeitet. Das Outsourcen dieser Entscheidung an jemanden, dem man vertraut und der zur eigenen Philosophie passt, ist laut Yannick einer der größten Hebel auf dem Weg zu mehr Spielfreude – egal ob mit Handicap 36 oder auf dem Weg zur einstelligen Zahl.

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